Fußball-Fotostrecke Der Wahnsinn von Stuttgart
Stuttgart - Nach dem besten Bundesliga-Spiel dieser Saison durfte sich Werder Bremen trotz des 4:4 (2:3) wie der große Sieger fühlen. Doch im Vergleich zum letzten Spiel in Wolfsburg (2:0) drangen aus der Werder- Kabine dieses Mal keine triumphierenden Rufe. "Wir sind noch kein Meister, aber wenn die Mannschaft so weiter spielt, wird's schwer, uns da oben wegzuholen", stellte Klaus Allofs nach dem 17. Spiel in Folge ohne Niederlage und neun Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten Bayern München zufrieden fest. Doch zu weit aus dem Fenster lehnen wollte sich Werders Sportdirektor nicht. "Zum 200. Mal", betonte Allofs, "ich werde nicht vom Titelgewinn sprechen, solange noch etwas dazwischen kommen kann. Wir sind nur einen Schritt weiter."
Bundesliga-Fotostrecke: Der Wahnsinn im Daimler-Stadion
Doch was die Zuschauer im mit 48.000 Zuschauern ausverkauften Gottlieb-Daimler-Stadion gesehen haben, könnte man durchaus als weiteren Beleg dafür werten, das Bremen in der Bundesliga verdient an erster stelle steht. Werder ließ sich auch von dem frühen Rückstand durch Marcelo Bordon (3.) nicht aus der Bahn werfen. Durch je zwei Treffer von Ivan Klasnic (13./35.) und Sturmpartner Ailton (43./70.) mit seinen Saisontoren Nummer 23 und 24 glich Werder gleich dreimal einen Rückstand aus und überstand nach einer Gelb-Roten Karte gegen Christian Schulz wegen wiederholten Foulspiels die letzten zehn Minuten mit neun Feldspielern.
"Die beste Werder-Mannschaft aller Zeiten"
Selbst DFB-Teamchef Rudi Völler verteilte Komplimente: "Als neutraler Zuschauer ist man nach so einem Spiel natürlich begeistert. Beide Teams haben mit viel Risiko gespielt. Das hat richtig Spaß gemacht." Auch Tribünengast Karl-Heinz Riedle, selbst mit Bremen 1988 Deutscher Meister, geriet während der begeisternden Partie ins Schwärmen: "Das ist die beste Werder-Mannschaft aller Zeiten. Die ist auf jeden fall besser als unser Meister-Team von 1988. Wie abgezockt die agieren, wenn sie in Rückstand sind, ist schon beeindruckend."
Der einzige, der sich trotz des wilden Hin- und Hers ("Ich kam mir vor wie beim Handball", so Werders Abwehrchef Valerien Ismael) nicht so recht mit dem Ergebnis abfinden konnte, war nach dem Schlusspfiff VfB-Coach Felix Magath. Seiner Meinung nach hat Schiedsrichter Herbert Fandel mit einigen strittigen Entscheidungen den Stuttgartern den Sieg gestohlen. "Es ist bitter, dass wir für unsere tolle Leistung nur einen Punkt bekommen haben. Ich gehe davon aus, dass uns die Entscheidungen des Schiedsrichter-Gespanns den Sieg gekostet haben", erklärte Magath frustriert und legte verbal noch einmal nach: "Man sollte die Schiedsrichter und ihre Assistenten bei Fehlern genauso bestrafen wie uns Trainer."
Geständiger Fandel
Fandel, der im Kicker sogar mit der Note sechs bewertet wurde, hatte wirklich keinen guten Arbeitstag. Beim Ausgleich zum 2:2 erkannte er trotz Abseitsstellung von Klasnic auf Tor. Zudem rettete Werder-Torhüter Andreas Reinke bei einem Schuss von Nationalstürmer Kevin Kuranyi (5.) außerhalb des Strafraums mit der Hand und hätte folgerichtig die Rote Karte sehen müssen. Immerhin gestand Fandel seine Fehler ein: "Da habe ich falsch gelegen."
Trotz des Remis und fünf Punkten Rückstand auf Bayern München haben die Stuttgarter die erneute direkte Qualifikation für die Champions Leauge noch nicht aufgegeben. "Wir haben Platz zwei noch im Visier", erklärte Magath kämpferisch. Allerdings müssen die Schwaben mittlerweile sogar um Platz drei bangen. Bei nur noch drei Zählern Abstand sitzt ihnen Bayer Leverkusen bedrohlich im Nacken.
Immerhin ein Stuttgarter konnte sich über seine Leistung uneingeschränkt freuen: Abwehrrecke Bordon (3./24./50.) markierte die ersten drei Treffer für den VfB im Alleingang. "In einem Top-Spiel muss man halt etwas Besonderes machen", meinte der Brasilianer. Die Einschätzung seiner eigenen Leistung galt für das gesamte Spiel: "Besser gehts nicht!"