Fußball in England: Geld drin, Luft raus - DER SPIEGEL
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Englands Fußball Geld drin, Luft raus

Nirgendwo wird der Fußball so mit Geld zugeschüttet wie in England. Trotzdem scheiterten Klubs und Nationalteam zuletzt immer, wenn es darauf ankam. Warum?
Englands Raheem Sterling
Englands Raheem Sterling

Englands Raheem Sterling

Foto: Gonzalo Fuentes/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

5,83 Milliarden Euro Umsatz machen die Klubs der Premier League in dieser Saison - doppelt so viel wie Spanien (2,98 Milliarden) und Deutschland (2,75 Milliarden) auf den Rängen dahinter.

Und was bringt's? In der Champions League wird Arsenal vom FC Bayern 2:10 deklassiert und Manchester City vom AS Monaco ausgeschaltet. Nur Leicester ist - mit Glück - noch dabei. Leicester!

Noch blamabler präsentiert sich bei großen Turnieren stets die Nationalmannschaft des "Mutterlands des Fußballs", die heute Abend gegen das DFB-Team antritt (20.45 Uhr; TV: ARD; High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) . Das 1:2 gegen Island bei der EM war ja nur der Tiefpunkt - nach 2006 flogen die "Three Lions" spätestens in der ersten K.-o.-Runde aus Turnieren.

Wieso versagen die "Three Lions" so regelmäßig?

Ein Faktor ist die Ausbildung junger Spieler. Sie wird in England bei Weitem nicht so professionell betrieben wie traditionell in Spanien - oder in Deutschland seit dem Jahr 2000. Die Folge: Es gibt weit weniger englische Spitzentalente.

Vor allem aber ist die Nationalmannschaft so schlecht, gerade weil die Liga so erfolgreich ist. Selbst Klubs aus der unteren Tabellenhälfte können sich gute Spieler aus dem Ausland leisten. Engländer in englischen Teams sind inzwischen die Ausnahme - vor drei Jahren waren es 32 Prozent. Und wenn sie spielen, dann oft nicht auf Schlüsselpositionen. Im defensiven Mittelfeld oder als offensive Spielmacher spielen fast nur Ausländer.

Erfahrene Weltklasse-Engländer für die Nationalmannschaft? Fehlanzeige.

Dazu kommt: Bei großen Turnieren sind die Engländer nach einer langen Saison am Ende ihrer Kräfte. Sie haben bis zu 69 Spiele in den Knochen, bei den Bayern waren es im Triple-Jahr 2013 nur 53. Wenn die Bundesliga einen Monat Winterpause macht, spielen die Engländer durch. Im Sommer danach geht dann nichts mehr.

kicker.tv

Wieso beseitigen die Engländer diese Ursachen nicht?

Warum sollten sie? Und was heißt "die Engländer"? Anders als der DFB hat der englische Fußballverband FA wenig Macht. Das Sagen hat seit jeher die Premier League - und die funktioniert hervorragend, wie die hohen TV-Gelder belegen. Eigentümer der Klubs sind fast ausnahmslos Ausländer, denen die Nationalmannschaft keine Herzenssache ist.

Auch die englischen Fans identifizieren sich weit mehr mit ihrem Klub als mit der Nationalmannschaft. Daher ist es undenkbar, dass die Liga verkleinert und einer der zwei Pokalwettbewerbe gestrichen wird, um die Spieler für Turniere zu schonen. Die Fans lieben gerade die Spiele an Weihnachten, Silvester und Neujahr.

Wenn schon gilt: Klubs first - wieso gewinnen sie dann kaum noch die Champions League?

Englands Teams belegen in der Länderwertung den dritten Platz hinter Spanien und Deutschland. Und gegen deutsche Vereine - außer den Bayern - sehen sie auch nicht schlecht aus.

Wahr ist aber, dass englische Klubs in der absoluten europäischen Spitze - den K.-o.-Runden der Champions League - zuletzt schlecht abschnitten. Der letzte Titelgewinn gelang Chelsea im Jahr 2012. Seither hat es kein Premier-League-Team ins Finale des Wettbewerbs geschafft. Das liegt auch daran, dass Real Madrid, der FC Barcelona und Bayern München immer noch mehr Geld haben. Nur Manchester United kann finanziell mithalten.

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England vor dem Deutschland-Test: Southgates Rasselbande

Foto: Andy Rain/ dpa

Der Hauptgrund ist aber erneut die Stärke der Premier League - auch wenn es paradox klingt: Sie ist sehr ausgeglichen. Manchester City, Manchester United, Chelsea, Arsenal, Tottenham Hotspur und Liverpool müssen in den Spitzenduellen untereinander stets an die Leistungsgrenze gehen - und auch gegen die anderen Klubs hohen Aufwand betreiben.

Real Madrid und der FC Barcelona haben zwar genau so viele Spiele, gewinnen viele davon aber im Schongang. Die Bayern oder Dortmund haben sowohl die Winterpause als auch einige leichtere Spiele in der Liga. Wenn es dann im Frühjahr im Europapokal darauf ankommt, machen diese Kraftreserven oft den Unterschied.

Dann bleibt es also auch in Zukunft dabei: England versagt im Fußball?

Abwarten. Im Klubfußball kann die Kombination aus Weltklassespielern und herausragenden Trainern wie Pep Guardiola bald wieder zu einem Titel reichen.

Für die Nationalmannschaft sieht es aber tatsächlich weniger gut aus - auch wenn sich in Sachen Nachwuchs ein wenig tut. So investieren Manchester City und Tottenham seit einigen Jahren intensiv in die Ausbildung junger Spieler. Und der englische Verband steckt seit fünf Jahren viel Geld in die Trainerausbildung. Im Vergleich zu Deutschland oder Spanien ist das aber wenig - und an der strukturellen Benachteiligung gegenüber der Liga wird sich nichts ändern.

Aber Vorsicht: Verlässlich schlecht sind die Engländer nur bei großen Turnieren im Sommer. Das letzte Länderspiel gegen Deutschland aber war im März, vor einem Jahr, in Berlin. England gewann 3:2.