Fußball-Investor Jammer "Abstieg abschaffen"
SPIEGEL: Herr Jammer, Sie wollten sich beim Zweitliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf engagieren, der Club wird die Kapitalgesellschaft, an der Sie sich beteiligt hätten, aber nicht gründen. Woran sind die Gespräche gescheitert?
Investor Jammer: "Ich würde mir das amerikanische System wünschen"
Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images for DFBJammer: Die Fortuna sucht Idealisten, die etwas bewegen, hat aber die strategischen Strukturen nicht. Ich will die Leute nicht kritisieren, aber ich glaube, sie waren noch nicht bereit für die Zweite Liga. Der deutsche Profifußball hat eine Grenze erreicht, die Kosten sind zu hoch, als dass ein Mäzen das als Hobby erledigen könnte.
SPIEGEL: Als Geschäftsmann gründen Sie gerade eine Investmentfirma in der Schweiz, seit 2006 besitzen Sie den Erstligisten Maccabi Netanja in Israel, wohin Sie 2005 auswanderten. Sie wollten von dort drei Spieler nach Düsseldorf mitbringen, eventuell sogar den Trainer Lothar Matthäus als Sportdirektor. War das nicht erwünscht?
Jammer: Ich wollte mich damit nicht beweisen. Es waren die drei besten Spieler, jetzt haben sie andere Angebote. In Deutschland ist so etwas ein Politikum, ich werde ein solches Vorhaben hier nicht wiederholen.
SPIEGEL: Es verstößt gegen die Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL), wenn der Investor auf das operative Geschäft zu viel Einfluss nimmt.
Jammer: Man ist hier so aufgewachsen, ich verstehe das. Ich will auch nicht mit dem Hammer dazwischenhauen. Aber ich würde mir hier das amerikanische System wünschen, nämlich den Abstieg abzuschaffen. Dann wäre für Investoren der größte Druck weg.
SPIEGEL: In Netanja haben Sie Ihre Ziele und das Budget zurückgefahren, weil die Kommune das Stadion nicht baut. Dort könnten Sie auch absteigen.
Jammer: Die Liga wurde gerade von 12 auf 16 Teams aufgestockt. Außerdem ernten wir jetzt, was wir gesät haben: Wir haben jedes Jahr 1,5 Millionen Dollar in die Talentförderung gesteckt. Wir haben ein junges Team, das mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird.
SPIEGEL: Für den Trainer Matthäus war kein Platz mehr?
Jammer: Ich sagte ihm, dass wir anders planen müssen, nicht mehr die Champions League anpeilen können. Mit seinen Ideen war diese Ausrichtung nicht mehr vereinbar, er hat auf jegliche Ansprüche für sein zweites Vertragsjahr verzichtet.