Fußball-Sprüche: Wortakrobaten unter sich
Fußball-Sprüche Philosophen am Ball
Bonmots wie Bruno Labbadias "hochsterilisiert" oder Horst Hrubeschs "Paroli laufen lassen" haben längst ihren Platz in den Ballsport-Annalen sicher. Doch wenn es um den Titel "Fußballspruch des Jahres" geht, haben Versprecher und Wortverdreher für gewöhnlich keine Chance.
Die Akademie für Fußballkultur , die die Auszeichnung nun zum vierten Mal vergibt, zieht das fein- und tiefsinnige Wort dem verunglückten vor. "In den Interviews nach Spielende verhaspeln sich Trainer oder Spieler ja oft", sagt Birgitt Glöckl von der Geschäftsstelle der Akademie. "Wir wollen stattdessen besonders kreative, originelle und geistreiche Sprüche honorieren."
Seit 2006 küren von der Akademie berufene Fußballexperten und -liebhaber aus Medien, Kultur und Wissenschaft den Fußballspruch des Jahres. Erster Preisträger war Lukas Podolski mit seiner messerscharfen Analyse nach dem 0:2 der deutschen Nationalelf im WM-Halbfinale gegen Italien: "So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere." 2007 überzeugte Trainer Hans Meyer mit seiner Feststellung "In schöner Regelmäßigkeit ist Fußball doch immer das Gleiche". Zum Sprücheklopfer des Jahres 2008 avancierte der ehemalige Trainer der österreichischen Nationalmannschaft Josef Hickersberger: "Wir haben nur unsere Stärken trainiert. Deshalb war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen."
"Jeder hat einen anderen Favoriten"
Wer in diesem Jahr rhetorisch ganz vorne liegt, bestimmt eine 14-köpfige Jury, der unter anderem SPIEGEL ONLINE-Autor Christoph Ruf, Kabarettist Frank Goosen sowie Günter Clobes, Leiter der Adolf-Grimme-Akademie, angehören. Kommenden Freitag geben die Juroren die Plätze fünf bis elf bekannt. Der Sieger wird bei der Gala zur Verleihung des Fußball-Kulturpreises am 2. Oktober in Nürnberg vom Publikum gekürt. Glöckl erwartet in diesem Jahr eine enge Abstimmung: "Bei uns im Büro hat jeder einen anderen Favoriten." Weitere Auszeichnungen gibt es für das Fußballbuch und das Fanzine des Jahres. Für pädagogische Projekte rund um den Ball wird der Fußball-Bildungspreis verliehen.
Die Akademie für Fußballkultur wurde 2004 in Nürnberg gegründet und soll ein Forum für die kulturelle und soziale Rolle des Fußballs sein. Träger der Akademie ist die Stadt Nürnberg. Zu ihren Mitgliedern zählen Journalisten (etwa SPIEGEL ONLINE-Autor Christoph Biermann oder ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein), Wissenschaftler (Guido Knopp), Politiker (Edmund Stoiber, Renate Künast) und Persönlichkeiten aus dem Fußball (Hans Meyer, Markus Merk).