Fußball-Wettskandal: Zwanziger sorgt für Irritationen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Fußball-Wettskandal Zwanziger sorgt für Irritationen

Der Ankläger im Prozess um den Fußball-Wettskandal widerspricht dem DFB-Chef. Theo Zwanziger hatte zuvor behauptet, es gebe keine Anhaltspunkte, dass auch in Deutschland Spiele manipuliert worden seien. Das will der Staatsanwalt nicht so stehen lassen.
DFB-Chef Zwanziger: "Keine Merkmale von Manipulation"
DFB-Chef Zwanziger: "Keine Merkmale von Manipulation"

DFB-Chef Zwanziger: "Keine Merkmale von Manipulation"

Foto: dapd
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Bochumer Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass auch in Deutschland Fußballspiele manipuliert wurden. "Es gibt Anhaltspunkte, dass es tatsächlich passiert ist - auf jeden Fall", sagte Ankläger Andreas Bachmann am Rande des Wettskandal-Prozesses vor dem Landgericht Bochum. Damit ging der Staatsanwalt auf Distanz zu DFB-Boss Theo Zwanziger. Der hatte am Vortag vor dem Sportausschuss des Bundestages von fehlenden Beweisen gesprochen. Es gebe "keine greifbaren Merkmale", dass Partien im nationalen Spielbetrieb wirklich illegal beeinflusst worden seien.

Weitere Aufklärung soll der DFB-Präsident selbst liefern. Udo Klaus Duits, Verteidiger des angeklagten ehemaligen Zweitligaspielers Kristian S., beantragte, den Verbandschef als Zeugen zu laden. Durch eine Prozess-Aussage des DFB-Chefs mit dem Tenor, es gebe keinerlei Hinweise auf Betrügereien in Deutschland, erhofft sich die Verteidigung offensichtlich Entlastung für ihre Mandanten. Wie das Bochumer Landgericht über den Antrag, Zwanziger zu laden, denkt, ist allerdings noch unklar. Die Kammer hat sich dazu noch nicht geäußert.

Es ist nicht das erste Mal, dass der DFB-Chef in Sachen Wettskandal Irritationen auslöst. Nachdem die Bochumer Staatsanwaltschaft im November 2009 die Öffentlichkeit über ihre Ermittlungen informiert hatte, hatte Zwanziger behauptet, er sei bereits seit Monaten darüber im Bilde gewesen. Zudem hatte er den Umfang des Skandals zunächst als möglichst dramatisch geschildert und die Affäre danach unvermittelt kleinzureden.

Fortgang des Prozesses ist wieder offen

Wann vor dem Bochumer Landgericht die ersten Urteile gesprochen werden könnten, ist offen. Staatsanwalt Bachmann war am Donnerstag überraschend auf Konfrontationskurs gegangen und hatte sich geweigert, einen Teil der Vorwürfe zugunsten eines schleunigeren Prozessverlaufs fallen zu lassen. Das hatten die Richter der 13. Strafkammer zuvor angeregt.

Nach Ansicht des Anklägers spreche viel dafür, dass sich die Angeklagten in der Grauzone der organisierten Kriminalität bewegt haben. Konspirative Telefonate, internationale Geldflüsse, Strohleute und Gewalt - die kriminelle Energie der Wettbetrüger sei enorm.

Den insgesamt vier Angeklagten wird vorgeworfen, in die Manipulation von über 30 Fußballspielen verstrickt gewesen zu sein. Über die genaue Höhe der Wetteinsätze und Gewinne besteht noch keine Einigung. Der Prozess wird am 2. März fortgesetzt.

aha/dpa