Fußball-WM: Bitte recht freundlich - DER SPIEGEL
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Fußball-WM Bitte recht freundlich

Franz Beckenbauer hat heute eine "Nationale Service- und Freundlichkeitskampagne" zur Fußball-WM 2006 vorgestellt. Vom Kellner bis zum Kartenkontrolleur soll das Land ein Lächeln zeigen - für die Gäste. Der Bundestrainer aber sieht überall gefletschte Zähne.
Von Miriam Schröder
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein gestrenger Polizist, der sich einen Ruck gibt und lächelt. Ein blondes Zimmermädchen auf hohen Schuhen, das fröhlich den pinkfarbenen Staubwedel schwingt. Ein Schaffner, der in Teddybär-Manier mit seiner grünen Kelle winkt. Die Deutschen, das sind hilfsbereite, offene und überaus charmante Gastgeber, so wollen es die Verantwortlichen aus Politik und Sport der Welt im Sommer weismachen. Und damit die Deutschen ihre Rolle bis zum Beginn der WM auch spielen können, senden sie ihnen in einem bundesweiten Werbespot die Regieanweisung. Wie man intern miteinander umgeht, bleibt aber weiterhin jedem selbst überlassen.

"Fragen zu Klinsmann beantwortet Herr Glos", feixt Franz Beckenbauer, als er gemeinsam mit dem Wirtschaftsminister die "Nationale Service- und Freundlichkeitskampagne" im Berliner Hotel Adlon vorstellte. Als "Oberster Gastgeber" reist Beckenbauer schon seit Monaten durch die Welt, um auswärts deutschen Charme zu versprühen. Zuhause aber fällt er schon mal aus der Rolle. Im Doppelpass mit der BILD-Zeitung schießt der OK-Präsident dieser Tage scharf auf den Bundestrainer. "Wenn ich weiter darüber nachdenke, wird meine Wortwahl noch drastischer" forderte er die Presse auf, über das Ausmaß seiner Wut zu spekulieren. Darüber, dass Jürgen Klinsmann nach der 1:4-Pleite gegen Italien ins sonnige Kalifornien entschwand, "anstatt vor Ort den Scherbenhaufen aufzukehren" und auch nicht wiederkommen wollte, als die Weltrangliste der Nationaltrainer zum Workshop in Deutschland antrat.

In die "Service- und Freundlichkeitskampagne" passt dieser Streit überhaupt nicht. Deshalb sprechen Glos und Beckenbauer lieber über die Touristen, die Deutschland in Scharen anlocken will. "Die WM ist eine Bühne für die ganze Welt!" sagt CSU-Mann Michael Glos. 27 Milliarden Euro werden Jahr für Jahr in der Tourismusbranche umgesetzt. Und wenn Deutschland im Moment auch ein Qualitätsproblem im Fußball hat - der Tourismus "spielt in der Champions-League", sagt Glos. Um an die Spitze zu kommen, müsse man jetzt noch mit ein paar Vorurteilen aufräumen. Dann fügt er, fast in einem Anflug von Selbstkritik, hinzu: "Wir sind nicht immer die Freundlichsten." Das stimmt. In Bonn und Berlin stand der CSU-Frontmann Glos nie im Verdacht, sein Gegenüber durch überschäumende Höflichkeit beeindrucken zu wollen. Glos ist ein Grantler, und jetzt geht er in die Charme-Offensive für Deutschland  - so ist das in der Politik.

Glos und Beckenbauer sind nicht allein gekommen. Sie haben eine junge blonde Frau dabei, sie heißt Michaela Merten, und sie setzt sich ebenfalls für mehr Freundlichkeit ein in Deutschland. Merten ist bekannt geworden durch eine Rolle in der Fernsehserie "Katrin ist die Beste". Außerdem gibt sie in Büchern Tipps für Fitness und Lebensfreude. Heute sagt sie nicht viel, sie strahlt vor allem. Und dann stehen Beckenbauer, Merten und Glos nebeneinander, die Herren umrahmen die Schauspielerin stolz, und beim Fototermin bringt das Trio dann zum letzten Mal die Botschaft rüber: Immer nur lächeln, bitte recht freundlich.

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