Fußball-WM Windige Angelegenheit
Kaum ist die deutsche Mannschaft durch mit ihren Vorrundenspielen und als Gruppenerster nach Wuhan tief ins Landesinnere geflogen, da hat es an der Ostküste Chinas begonnen sich einzuregnen. Gestern sah das noch aus wie eine harmlose chinesische Variante des Fritz-Walter-Wetters, die sich nicht von ungemütlichen, aber harmlosen Herbstschauern über dem Kaiserslauterer Betzenberg unterscheidet.
Doch für heute sind in der Region der WM-Spielorte Shanghai und Hangzhou die schwersten Stürme seit zehn Jahren vorhergesagt. Mit wirklich dramatischen Folgen für 200.000 Menschen in einfachen und küstennahen Unterkünften Shanghais, deren Evakuierung anberaumt wurde. Mit ein wenig komplizierten, vergleichsweise aber belanglosen Folgen für die WM selbst.
Schon als Taifun "Wipha" von Ferne aufzog, hatte er den Spielplan des Turniers durcheinandergewirbelt. Die Fifa hatte die Lage "gründlich und sorgfältig" geprüft, und daraufhin je ein Spiel der Gruppen C und D verlegt: Brasilien und Dänemark treffen sich nun Donnerstag statt Mittwoch im 160 Kilometer südwestlich von Shanghai gelegenen Hangzhou, das Spiel Norwegen gegen Ghana in Gruppe C wird ebenfalls um einen Tag und zudem von Shanghai nach Hangzhou verlegt. Letzteres wohl auch, um den selbst bei wohlgesonnenem Wetter sehr armseligen Rasen in Shanghais Hongkou-Stadion zu schonen, weil eben dort am 30. September noch das Finale ausgetragen werden soll.
Die Spielverlegungen sind nicht nur für die direkt betroffenen Teams, sondern logischerweise auch für ihre Konkurrenz von Belang, denn in beiden Gruppen können noch jeweils drei Teams weiterkommen. Die Gastgeberinnen aus China (Gruppe D mit Brasilien und Dänemark) sowie Australien und Kanada in der Norwegen-Gruppe müssen ihre entscheidenden Spiele nun einen Tag vor der Konkurrenz absolvieren. Bislang gab es überraschenderweise keine offiziellen Proteste. Nur ein diffuses Raunen. Und ganz vielleicht ein bisschen dänische Genugtuung über eine ausgleichende Ungerechtigkeit.
Die Dänen nämlich, die ihr Auftaktspiel gegen China knapp 2:3 verloren hatten, waren hernach mit nicht sehr konkreten Hinweisen an die Öffentlichkeit getreten, möglicherweise von chinesischer Seite ausspioniert worden zu sein. Die Sache verlief auf offizieller Ebene im Sande. Nun kann Dänemark zusehen, wie China sich gegen das bereits ausgeschiedene Neuseeland schlägt und daraus eventuell Kapital schlagen. Eine für eine WM absurde Situation. Schwer vorstellbar, dass bei einem Männerturnier derartige Verzerrungen ähnlich bedächtig aufgenommen würden. Schwer vorstellbar auch, dass Männer auf ähnlichem Belag spielen würden wie es die Frauen in Shanghai seit dem Eröffnungsspiel mehrfach tun mussten, ohne dass es zu Empörung käme.
Der Dauerregen behinderte dabei das heutige Spiel zwischen den USA und Nigeria weniger als erwartet. Zwar kamen kaum Zuschauer ins Hongkou-Stadion, doch die Standfestigkeit der Spielerinnen war auch nicht schlechter als bei den vorausgegangenen Partien. Die Nigerianerinnen ergaben sich zwar nicht kampflos, verloren aber gegen die Amerikanerinnen, gewohnt athletisch, trotzdem 0:1.
Und weil sich Nordkorea in Tianjin gegen Schweden nur 1:2 geschlagen geben musste, ist nun passiert, was die Deutschen so gar nicht wollten: Ihr Viertelfinalgegner heißt Nordkorea. Die anfangs große Unbekannte des Turniers, die sich mit ihrem schnellen Spiel auch blitzgeschwind einen Namen als Schwergewicht dieser WM gemacht hat. Kleiner Trost: Das Aus der Schwedinnen bedeutet die Qualifikation der deutschen Frauen für die Olympischen Spiele 2008.