Fußballregeln: Krumme Sachen, blanke Füße - DER SPIEGEL
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Fußballregeln Krumme Sachen, blanke Füße

Die Fußballregeln sind eindeutig: Nur wer ordentliches Schuhwerk trägt, darf mitspielen. Die Inder wollte dies so nicht hinnehmen und verzichteten deshalb auf die WM 1950. Das Magazin "11 FREUNDE" hat weitere witzige Anekdoten zu den Kickvorschriften zusammengetragen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aus dem Jahr 1864 datieren die ersten Vorschriften zur Spielkleidung. Züchtig ging es damals zu: Die Hosen mussten die Knie bedecken und die Mützen waren mit Quasten zu versehen. Was viele nicht wissen, obwohl die Regel bereits aus dem Jahr 1920 stammt und bis heute überdauert hat: Beim Einwurf gibt es kein Abseits. Und beim Abstoß erst recht nicht.

Dass Indien 1950 auf die Teilnahme an der WM-Endrunde verzichtete, weil ihr die Fifa verboten hatte, barfuß zu kicken, findet sich als kuriose Schnurre in jeder WM-Enzyklopädie. Wesentlich entspannter gibt sich die Fifa allerdings seit dem 1. Juni 2005, was die Schuhfrage angeht: Wenn ein Spieler seinen Schuh verloren hat und trotzdem den Ball spielt, gibt es einen indirekten Freistoß für den Gegner. Auf eine persönliche Bestrafung in Form einer gelben Karte, wie sie früher üblich war, wird jedoch mittlerweile verzichtet.

Aber woher kommen eigentlich all die krummen Abmessungen auf dem Spielfeld? Warum zum Beispiel müssen sich die verteidigenden Spieler beim Freistoß exakt 9,15 Meter vom Ball entfernen? Auch hier stößt man wieder auf die englischen Ursprünge des Spiels. Die deutsche Entfernung entspricht etwa zehn englischen Yards, die die Fifa 1913 als so genannten "gebührenden Abstand" zwischen dem Schützen und den Abwehrspielern einführte. Das 7,32 Meter breite Tor wiederum entspricht ungefähr acht englischen Yards.

Das Spielfeld muss zwischen 90 und 120 Metern lang sein, sowie 45 bis 90 Meter breit. Was prinzipiell ein quadratisches Spielfeld ermöglichen würde. Um das zu vermeiden, gibt es folgende Sonderregel: Die Seitenauslinie muss länger sein als die Torauslinie. Bei Länderspielen gelten übrigens strengere Vorschriften: Die Spielfelder müssen zwischen 100 und 110 Meter lang und zwischen 64 und 75 Meter breit sein.

Vergisst der Schiedsrichter in der Hektik, durch Heben des Armes einen indirekten Freistoß anzuzeigen und wird der Freistoß daraufhin direkt verwandelt, so wird der Freistoß dennoch wiederholt. Der DFB nennt diese Winkschwäche einen "Schiedsrichter-Fehler".

Joseph Blatter, frisch wieder gewählter Fifa-Boss, hält seine Gemeinde immer mal wieder mit neuen Regelvorschlägen in Atem. Beispiele gefällig: Ende Februar überraschte er mit dem Ansinnen, vier statt zwei Linienrichter an den Spielfeldrand zu schicken. Die beiden zusätzlichen Schiedsrichter-Assistenten sollen in der Nähe der Tore postiert sein und ein besonderes Augenmerk auf den Strafraum und die Torlinie legen. Eine andere Idee hat sich Blatter vom australischen Hockeyverband abgeschaut. Demnach beabsichtigte der Schweizer auf das Elfmeterschießen zu verzichten und stattdessen die Anzahl der Spieler während der Verlängerung nach und nach zu reduzieren. Früher oder später würde dann schon ein Tor fallen.

Selbst in der "Drei ???"-Hörspielreihe ("Recherchen und Archiv: Bob Andrews") spielten die Fußballregeln einmal eine Rolle. In der allerdings sonst ziemlich lausigen Folge "Die Fußballgangster" klugscheißt Kelly Madigan, eine Freundin von Peter Shaw, mächtig herum und kann diverse Regeln aus dem Gedächtnis hersagen. Ein Fall für den Karpatenhund, die Gute.

Ein Schiedsrichter kann so lange Karten verteilen, wie er sich auf dem unmittelbaren Spielgelände befindet, also auch schon unmittelbar vor Anpfiff oder nach Abpfiff auf dem Weg in die Kabine. Eine Regel, die erstmals für Aufsehen sorgte, als der englische Schiedsrichter John Taylor in der Pause des WM-Endspiels 1974 den Niederländer Johan Cruyff verwarnte.

Und schließlich der Wortlaut der immer noch kompliziertesten Regel überhaupt: "Ein Spieler befindet sich in der Abseitsstellung, wenn er der gegnerischen Torlinie näher ist als der Ball und der vorletzte Abwehrspieler. Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters zum Zeitpunkt, wenn der Ball einen seiner Mannschaftskollegen berührt oder von einem gespielt wird, aktiv am Spielgeschehen teilnimmt." Ist doch gar nicht so schwer.