Garrincha: Bester WM-Spieler der Geschichte - DER SPIEGEL
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Fotostrecke Garrincha: Brasiliens Liebling

Bester WM-Spieler Garrincha "Wenn er auf dem Platz stand, schien er den Himmel zu berühren"

"Kleines Vögelchen", großes Genie: Garrincha war der beste Rechtsaußen der Fußballgeschichte und führte Brasilien zu seinen ersten beiden WM-Titeln. Privat verlief sein Leben tragisch.
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Als Brasiliens Fußballnationalmannschaft sich im Sommer 1958 auf den Weg zur Weltmeisterschaft in Schweden machte, war das Team von zwei großen Enttäuschungen geprägt: Der nationalen Katastrophe beim Heim-Turnier 1950, als man den sicher geglaubten Titel dem Nachbarn aus Uruguay überlassen musste, folgte das Viertelfinal-Aus 1954 gegen die Ungarn. Titellos und unsicher fuhr man nun nach Nordeuropa - und wurde Weltmeister. Der Mann, der daran den Hauptanteil trug, hätte eigentlich nie auf einem Fußballplatz stehen sollen: Garrincha.

Geboren im Herbst 1933 in Pau Grande als Manuel Francisco dos Santos, lag die Freiheit des Seins für ihn, dessen Großeltern noch Sklaven waren, früh auf dem Fußballplatz. Zu Hause warteten der alkoholkranke Vater und das Leben in Armut, mit dem Ball schienen alle Fesseln abgestreift.

Auch die körperlichen: Sein Rückgrat war deformiert, das linke Bein sechs Zentimeter kürzer als das rechte. Nach zahlreichen Operationen konnte er zwar laufen, das linke Bein blieb jedoch ein O-, das rechte ein X-Bein. Viel zu klein war er zudem für sein Alter, sodass ihn seine Schwester Rosa "Garrincha" nannte, "kleines Vögelchen".

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Aufnehmen wollte ihn zunächst kein Klub. Ein körperlich limitierter Junge, der kaum geradeaus laufen konnte - was wollte man mit so einem? Erst bei Botafogo ließen sie ihn mitkicken. Und der seltsame Spieler mit dem noch seltsameren Körper nutzte seine Chance, auch im Nationalteam.

Als er kurz vor dem Turnier 1958 in einem Freundschaftsspiel fünf Verteidiger und den Torhüter ausdribbelte, bevor er überhaupt erst in Erwägung zog, den Torabschluss zu suchen, war das für die Verantwortlichen zu viel. Sie setzen ihn nach diesem ungehörigen Treffer in den ersten beiden WM-Spielen auf die Bank, bevor Kapitän Djalma Santos intervenierte: Garrincha muss ins Team und der 17-jährige Pelé ebenfalls.

Die beiden gaben in der Partie gegen die Sowjetunion ihr Debüt. Und was für eines: Vom Anpfiff weg dribbelte sich Garrincha über die rechte Außenposition Richtung sowjetisches Tor und traf mit seinem Schuss den Pfosten. Keine 45 Sekunden später flankte er auf den in der Mitte wartenden Pelé, dessen Versuch die Latte touchierte. Was für ein Start - die Fußballwelt war begeistert.

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Brasilien gewann 2:0 und traf im Viertelfinale auf Wales, das mit 1:0 besiegt wurde. Dessen Innenverteidiger Mel Hopkins beschrieb ihn anschließend als "Phänomen, das zur Zauberei in der Lage schien".

Mit beiden Füßen gleich stark, war Garrincha ein unberechenbarer Dribbler, ein Torjäger, ein Flankengott. Im Finale gegen die Gastgeber bereitete er die beiden ersten Treffer vor, die Seleção gewann 5:2 und war zum ersten Mal Fußballweltmeister. Die Bilder des jubelnden 17-jährigen Pelé gingen um die Welt, "die größere Gefahr war jedoch Garrincha", so Wales-Verteidiger Hopkins.

Die Veranlagung, Konventionen Konventionen sein zu lassen, machten Garrincha auf dem Spielfeld zum Genie. Außerhalb des Platzes sorgte sie zeitlebens für Probleme. Als er 1959 Schweden nach einer Gastspielreise seines Vereins Botafogo wieder verließ, blieb mal wieder eine schwangere Liebschaft zurück. Sohn Kim war eines von mindestens 14 Kindern, denen Garrincha ein Vater sein sollte.

Nach Ausfalls Pelés überragender Spieler

Zur WM 1962 nach Chile reiste der Titelverteidiger als Favorit. Als Hoffnungsträger Pelé sich früh im Turnier verletzte, überstrahlte die Leistung Garrinchas eine Weltmeisterschaft, die ansonsten von brutalen Fouls und radikaler Defensivtaktik geprägt war. Er ließ die Gegner wie Slalomstangen stehen, erzielte Weitschusstore und Kopfballtreffer, setzte seine Mitspieler atemberaubend in Szene. Nach dem 4:2 im Halbfinale gegen den Gastgeber - inklusive zweier Tore des Dribbelkönigs - fragte eine chilenische Zeitung: "Von welchem Planeten stammt Garrincha?"

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Das Finale, ein 3:1 gegen die Tschechoslowakei, bestritt er mit Fieber, und wurde anschließend dennoch zum Spieler des Turniers gewählt. 1958 war er der beste Flügelstürmer, 1962 der beste Fußballer der Welt. "Er konnte Dinge mit dem Ball, die niemand sonst je konnte", sagte Pelé. Die großen Vereine rissen sich um ihn: 1963 taten sich Inter, Milan und Juventus für einen spektakulären Deal zusammen: Sie wollten Garrincha für drei Jahre unter Vertrag nehmen - ein Klub pro Jahr. Garrincha lehnte ab.

Abschied vor 130.000 Fans

Sportlich endete seine internationale Karriere beim WM-Turnier 1966 in England. Nachdem er beim 2:0 gegen Bulgarien noch traf, unterlagen die Brasilianer in der zweiten Partie Ungarn mit 1:3, seine erste Länderspielniederlage im 50. Einsatz. Es war zudem das einzige Länderspiel, das der Weltmeister je verlor, bei dem Pelé und Garrincha gemeinsam auf dem Feld standen. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Portugal wurde er nicht eingesetzt, Brasilien schied aus. Endgültig dem Fußball Lebewohl sagte er im Alter von knapp 40 Jahren - zu seinem letzten Spiel kamen 130.000 Menschen ins Maracanã, um sich von ihm zu verabschieden.

Der Privatmann Garrincha war zu diesem Zeitpunkt schon gezeichnet: 1969 hatte er seine Schwiegermutter im Rausch überfahren und getötet, seine Beziehung zur geschiedenen Elza Soares brachte die Presse gegen ihn auf. Soares war es, die die Poetik seines Spiels in Worte fasste: "Wenn er auf dem Platz stand, schien er den Himmel zu berühren." 1977 verließ ihn die Samba-Sängerin, nachdem er sie geschlagen hatte. 1982 wurde er gleich achtmal in ein Krankenhaus eingeliefert, im Januar 1983 war Brasiliens Fußballheld im Alter von nur 49 Jahren tot. Eine Leberzirrhose setzte den Schlusspunkt hinter ein bewegtes Leben.

"Er war ein liebes Kind, er sprach mit den Vögeln"

Die Trauerprozession von Rio de Janeiro zu seiner Heimatstadt wurde von Hunderttausenden Fans begleitet. Sie erinnerten sich an "den Charlie Chaplin des Fußballs", wie ihn sein Mannschaftskollege Santos einst bezeichnete, den verspielten Jungen, der die Schönheit der Vorbereitung immer dem schnöden Torabschluss vorzog. Das machte die Menschen glücklich. Weil sie ihn als einen der ihren betrachteten, einen mit unglaublichen Höhen und schmerzhaften Tiefen. Einer, der das Einfache, das Schöne im Leben suchte. An seiner Grabstätte ist zur Erinnerung eine kleine Gedenktafel angebracht: "Er war ein liebes Kind, er sprach mit den Vögeln." Hier ruht Garrincha, der beste Spieler der WM-Geschichte.