Bundesliga-Relegation: Alles oder Nichts
Geschichte der Relegation Zugebissen, gerettet, abgestiegen
In diesen schwarz-gelben Jubelwochen sollte man an Jürgen Wegmann erinnern. Wer weiß, ob Borussia Dortmund ohne ihn heute Meister wäre? Der Verein, der 2011 unerreicht auf dem Gipfel des deutschen Fußballs angekommen ist, drohte am Pfingstmontag 1986 in den Niederungen der Zweiten Liga zu verschwinden. Es fehlten an diesem 19. Mai nur noch Sekunden im Relegationsspiel gegen Fortuna Köln, und der BVB wäre abgestiegen. Dann kam Wegmann und schoss im allerletzten Moment sein Tor. Dortmund rettete sich ins Entscheidungsspiel und gewann dieses 8:0 - nach 1:0 zur Halbzeitpause. Ein unvergessenes Erlebnis für jeden Dortmunder, die Partie hat auf ewig einen Ehrenplatz in der Historie der Bundesliga-Relegation.
Wenn es auch äußerst knapp zuging - letztlich endete es vor 25 Jahren so, wie es in den Relegationsspielen zumeist war: Der Erstligist setzte sich durch. Von zwölf Relegationsduellen in der Geschichte der Bundesliga hatte der höherklassige Verein achtmal das bessere Ende für sich. Ein gutes Vorzeichen demnach für Borussia Mönchengladbach, das am Donnerstag zum Ausscheidungs-Hinspiel auf den Zweitliga-Dritten VfL Bochum trifft (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).
So packend, so dramatisch wie zwischen Borussia Dortmund und Fortuna Köln ging es in der Relegation selten zu. 1982 hatte der DFB diese K.o.-Spiele eingeführt, das die Saison nach ihrem eigentlichen Ende noch einmal um ein Highlight verlängerte. Bayer Leverkusen war der erste Bundesligist, der die Herausforderung aus der Zweiten Liga annehmen musste. Mit zwei knappen Siegen setzte sich der Werksclub gegen Kickers Offenbach durch. Die damaligen Bayer-Torschützen hießen Dieter Herzog und Peter Szech.
Uerdingen schickte Schalke in den Keller
Bereits ein Jahr später erwischte es den ersten Bundesligisten - es war Schalke 04. Bayer Uerdingen, damals mit Größen wie Mathias Herget, Horst Feilzer und Franz Raschid, triumphierte dank eines 3:1-Heimsieges, im Rückspiel spielte man Remis. Schalke wurde zweitklassig, trotz erfahrener Bundesliga-Veteranen wie Bernhard Dietz, Manfred Drexler oder Werner Lorant.
Bis 1991 gelang es nur noch zwei Mannschaften aus dem Unterhaus, den Favoriten zu bezwingen. 1985 war der 1. FC Saarbrücken zu stark für Arminia Bielefeld, obwohl der Zweitligist bis auf Altstar Wolfgang Seel eine relativ unerfahrene Mannschaft aufbot. 2:0 gewannen die Saarländer das Hinspiel, auf der Alm reichte ein 1:1 zum Aufstieg.
Sechs Jahre später gelang den mittlerweile in der Viertklassigkeit versunkenen Stuttgarter Kickers der große Coup. Dieses Mal mussten erneut drei Spiele herhalten. Gegen den FC St. Pauli hatten Hin- und Rückspiel 1:1 geendet. Die Entscheidung musste auf neutralem Boden im Schalker Parkstadion fallen - das Spiel wurde zum Desaster für die favorisierte Hamburger Mannschaft, die all ihre Vereinshelden von Torwart Volker Ippig über "Eisen-Dieter" Schlindwein bis hin zum gelernten Metzger Bernd Hollerbach dabei hatte. 3:1 siegten die Nobodys aus Stuttgart. St. Pauli brauchte Jahre, um sich von diesem Schock zu erholen.
17 Jahre lang keine Relegation mehr
Damit war das Kapitel Relegation auch erst einmal für Jahre geschlossen. Der DFB hatte zuvor entschieden, keine Entscheidungsspiele mehr anzusetzen und die drei letzten der Ersten Liga künftig geschlossen ab- und die ersten Drei der Zweiten Liga aufsteigen zu lassen. In den folgenden 17 Jahren schafften Teams wie Energie Cottbus, der SSV Ulm, aber auch Mainz 05 und der 1. FC Köln auch deswegen den Aufstieg, weil sie als Tabellendritte nicht in die Relegation mussten.
Damit ist seit 2009, als die Zitterrunde wieder eingeführt wurde, Schluss. Seitdem hat sich der 1. FC Nürnberg als besonders nervenstark erwiesen. Die Süddeutschen waren bei beiden bisherigen Neuauflagen mit von der Partie - 2009 schaltete man als Zweitligist souverän Energie Cottbus aus. Vor allem das 3:0 in Cottbus war eine Demonstration der Überlegenheit des damals von Michael Oenning betreuten Teams.
Ein Jahr später war das Team als 16. der Erstligatabelle selbst der Herausgeforderte. Der FC Augsburg hatte jedoch im Süd-Duell letztlich keine große Chance. Die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking gewann sowohl daheim (1:0) als auch auswärts (2:0) gegen einen verkrampft und übermotiviert wirkenden Zweitligisten. Die Augsburger haben jene Niederlage in diesem Jahr durch den Direktaufstieg kompensiert.
Für Jürgen Wegmann waren die Relegationsspiele vor 25 Jahren die vorerst letzten Partien im schwarz-gelben Trikot. Der Torjäger, genannt "Kobra", wechselte danach zum Erzrivalen Schalke 04. Seinem Treffer in der Relegation ist heute auf der Dortmunder Hohen Straße ein Stern auf dem Walk of Fame gewidmet.
Der BVB spielt in der kommenden Saison in der Champions League, Fortuna Köln hat in der fünftklassigen NRW-Liga den Aufstieg verpasst. Der Biss von "Kobra" Jürgen Wegmann hat dazu beigetragen.