Gewaltwochenende: Angst vor Hooligan-Terror wächst - DER SPIEGEL
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Gewaltwochenende Angst vor Hooligan-Terror wächst

Platzsturm, Prügelszenen, Tränengas: Kurz vor der WM ist es in Deutschland, Polen und der Schweiz zu schweren Hooligan-Ausschreitungen gekommen. Während die Polizei in Berlin eher zögerlich eingriff, kam es in Warschau zu Massenverhaftungen. In Basel gab es Straßenschlachten.
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Hamburg - 200 Ordner und ein Großaufgebot der Polizei mit 1000 Beamten konnte am Samstag in der Oberliga Nordost schwere Ausschreitungen beim Spiel der beiden alten Ost-Rivalen BFC Dynamo und Union Berlin nicht verhindern. Die Partie musste beim Stand von 1:1 in der 75. Minute abgebrochen  werden. Personen aus dem Fanblock des zehnmaligen DDR-Meisters BFC waren vom Ordnerdienst ungehindert in den Innenraum des mit 6471 Zuschauern gefüllten Sportforums in Hohenschönhausen gelangt und hatten vor dem Union-Fanblock provoziert. Anschließend prügelten sich die Randalierer beider Seiten.

Weil die Polizei auch nach Räumung des Union-Fanblocks und des Spielfelds die Sicherheit aus Sicht von Schiedsrichter Thomas Gerber und Oberliga-Spielleiter Bernd Wusterhausen nicht gewährleisten konnte, wurde die Partie nicht wieder angepfiffen. Kritik daran gab es von BFC-Präsident Mario Weinkauf. "Die Polizei hat versagt", bemängelte er. "Es kann einem Angst und Bange werden vor der WM."

Auch Unions Teammanager Jörg Heinrich übte Kritik an der Polizeitaktik. "Die Brisanz der Begegnung ist hinlänglich bekannt. Ich verstehe nicht, warum die Polizisten nicht zur Abschreckung sichtbar zwischen den Fanlagern postiert wurden", sagt der ehemalige Nationalspieler SPIEGEL ONLINE. "Meine Frau hatte Angst um ihre Gesundheit, so etwas darf nicht passieren. Die Polizei hat versagt", so Heinrich.

Dieser Vorwurf sei völlig überzogen, kontert Polizei-Sprecher Carsten Müller: "Wir haben frühzeitig unsere Bedenken wegen des Austragungsortes angemeldet. Die Partie hätte besser im Jahnsportpark stattgefunden, wo höhere Sicherheitsstandards herrschen." Das stimme nicht, entgegnet Weinkauf. Der Nordostdeutscher Fußball-Verband und Polizei hätten das Sportforum nach mehreren Gesprächen gemeinsam als tauglich befunden. "Meines Wissens hat es Absprachen zwischen BFC und Polizei gegeben, dass der Verein mit seinen Ordnern für den Innenraum zuständig ist", berichtete derweil Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, was Weinkauf bestätigt: "Aber wenn die Ordner überfordert sind, muss die Polizei eingreifen."

Bei den Randalieren habe es sich aus Sicht von Schultz um Leute gehandelt, "die eigentlich nichts mit dem Fußball zu tun haben wollen und die den Bemühungen der Dynamo-Führung, in diesem Bereich präventiv zu arbeiten, Schaden zufügen wollten." Das sieht Heinrich anders: "Es ist schon komisch, dass diese Leute immer nur zum BFC gehen", sagt Heinrich. "Der Verein muss sich dieser Problematik noch stärker annehmen", so Heinrich.

Tränengas in Warschau

Gut drei Wochen vor Beginn der Fußball-WM in Deutschland haben schwere Ausschreitungen in Warschau die Angst vor polnischen Hooligans geschürt. In der Nacht zum Sonntag lieferten sich Hunderte Anhänger von Legia Warschau im Zentrum der Hauptstadt Straßenschlachten mit der Polizei, die mit Schlagstöcken, Tränengas und Wasserwerfern gegen die Gewalttäter vorging. Mehr als 200 Hooligans wurden verhaftet, gut 30 Polizisten verletzt.

Legia war am vergangenen Mittwoch nach einem 1:0 bei Gornik Zabrze Meister geworden und verlor am Samstag das unbedeutend gewordene Spiel gegen den Tabellenzweiten Wisla Krakau 0:1. Danach entlud sich in der Warschauer Altstadt die Gewalt. "Wir werden mit aller Härte gegen die Unruhestifter vorgehen", sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. 

Experten sehen in den polnischen Hooligans eine der größten Sicherheitsrisiken im Hinblick auf die WM. Eine wie in Deutschland, England und den Niederlanden geführte Hooligan-Datenbank existiert nicht. Die deutschen Behörden rechnen während der WM mit der Einreise von bis zu 20.000 gewaltbereiten Fans aus dem Nachbarland. Am 14. Juni kommt es in Dortmund zum Duell zwischen Deutschland und Gruppengegner Polen.  

Umgekippte Autos in Basel

Auch in der Schweiz kam es zu Ausschreitungen, nachdem der FC Zürich in Basel den Meistertitel perfekt machte. Durch ein 2:1 am letzten Spieltag im direkten Duell beim entthronten Titelverteidiger FC Basel fing Zürich die als Tabellenführer ins Spiel gegangenen Gastgeber bei Punktgleichheit aufgrund der um fünf Treffer besseren Tordifferenz noch ab und feierte seinen ersten Titel seit 25 Jahren. Zürichs entscheidender Siegtreffer durch Filipescu fiel erst in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Nach dem Schlusspfiff eskalierte die Gewalt, als zum Teil vermummte Basel-Fans nach der folgenschweren Niederlage ihres Vereins auf das Spielfeld gestürmt waren. Dort traten einige Anhänger nach Spielern des Champions aus Zürich, zudem wurden Steine und Flaschen geworfen. Die Spieler mussten in die Kabinen flüchten, die Trophäe konnte ihnen erst später ausgehändigt werden.

mig/sid/dpa

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