Gewinner und Verlierer: Pech mit Buddha - DER SPIEGEL
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Gewinner und Verlierer Pech mit Buddha

Die Bayern planten eine neue, eine goldene Ära - doch unter Trainer Klinsmann hatten sie kein Glück. Auch Schalke enttäuschte, dafür überraschte Hertha die Fußballwelt. SPIEGEL ONLINE zeigt die Gewinner und Verlierer der Saison.
Von Jan Reschke
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zumindest verbal waren die Schalker schon früh meisterlich: "Wir wollen Platz eins. Alles andere würde langsam langweilig", hatte Schalkes Mittelfeldspieler Jermaine Jones im Vorfeld der Saison 2008/2009 zu den Zielen seiner Mannschaft gesagt. Auch sein damaliger Trainer Fred Rutten hatte als Ziel ausgegeben, ganz oben mitzuspielen. Am Ende landeten die Schalker fernab der Ränge, die zur Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb berechtigen - das erste Mal seit der Saison 2003/2004. Weit entfernt von den eigenen Erwartungen. Büßen musste dafür der mit vielen Vorschusslorbeeren versehene Rutten, der ebenso entlassen wurde wie Manager Andreas Müller. Doch Schalke ist nicht die einzige Mannschaft, deren Resultate in dieser Spielzeit weit hinter den Ansprüchen zurückblieben.

Auch Leverkusen hatte die Teilnahme am internationalen Geschäft als Ziel ausgegeben. Für Kölns Trainer Christoph Daum gehörte Bayer sogar zu den Geheimfavoriten auf den Titel. Nach einer hervorragenden Hinrunde waren einige Spieler anscheinend gedanklich schon in der Champions League. In der Rückrunde lief bei Bayer gar nichts mehr zusammen, die Mannschaft rutschte etliche Plätze nach unten und spielte im oberen Tabellendrittel keine Rolle mehr. Nur über einen Erfolg im DFB-Pokal-Finale am 30. Mai (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kann die Saison noch gerettet werden. Auch Hoffenheim spielte zwei völlig verschiedene Halbserien, kann sich aber immerhin noch auf den Status "Aufsteiger" berufen.

Beim deutschen Rekordmeister in München träumten die Verantwortlichen von einer goldenen Ära mit einer Rückkehr an die europäische Spitze. Jürgen Klinsmann wurde verpflichtet, er sollte den Umbruch des Vereins einleiten, an dessen Ende sich Uli Hoeneß beruhigt auf den Posten als Vereinspräsident zurückziehen könnte. Heraus kam eine Saison der Demütigungen, verbunden mit der Entlassung von Klinsmann. In der Champions League zeigten die Bayern zwar phasenweise durchaus gefällige Leistungen, die desaströse Vorstellung beim 0:4 in Barcelona lehrte aber alle Beteiligten, dass die Top-Clubs in Europa derzeit auf einem anderen Level und in anderen Ligen spielen.

Doch auch bei den kleineren Vereinen gab es manch böse Überraschung: Hannover, ausgestattet mit Verstärkungen der Marke Jan Schlaudraff, Mikael Forssell und dem beim Karlsruher SC noch überragend spielenden Mario Eggimann rechneten sich durchaus Außenseiterchancen im Kampf um den Einzug in die Europa League aus. Heraus kam eine absolut enttäuschende Saison, in der die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking die mit Abstand schlechteste Abwehr stellte.

So weit einige Mannschaften hinter den eigenen Erwartungen zurückblieben, so interessant war zu beobachten, wie sich manch ein Spieler, der schon als Auslaufmodell galt, zurück in die Herzen der Fans kickte. Berlins Josip Simunic war in der vorletzten Saison häufig für einen Patzer gut, in dieser Spielzeit war er einer der besten Innenverteidiger der Liga. Dabei kam ihm zugute, dass seine Mannschaft eine Serie spielte, die kein Fußballexperte ihr zugetraut hätte. Hertha kämpfte bis zum Schluss um den Titel mit.

Zwar leidet die Mannschaft weiterhin an einem Popularitätsdefizit, erfolgreich war sie trotzdem. Vor allem dank Trainer Lucien Favre. Dieser verordnete dem Team ein stimmiges taktisches Konzept, gepaart mit einer Effektivität, aus wenigen Chancen die maximale Tor- und Punktausbeute zu erzielen.

Auch in Dortmund feierte ein Spieler, der bislang als Fehleinkauf galt, ein großartiges Comeback - Nelson Valdez. Der Angreifer, der oft nur verspottet wurde ob seiner mageren Trefferquote, präsentierte sich als perfekter Sturmpartner von Alexander Frei und damit als genau der Offensivmann, den Neu-Trainer Jürgen Klopp brauchte.

In der Rückrunde spielte Valdez meist von Beginn an und traf sogar siebenmal ins Tor. Wenn er nicht netzte, rackerte er zumindest unermüdlich - und bereitete so fünf Treffer seiner Mitspieler vor. Das wissen mittlerweile auch die Anhänger des BVB zu schätzen, die Klopp wohl auch zujubeln würden, wenn er Stadionsprecher Norbert Dickel wieder als Spieler aufs Feld schicken würde. Klopp und der BVB, eine Konstellation, die wunderbar funktioniert - damit hat der medienaffine Trainer bewiesen, dass er mehr als Mainz trainieren kann.

Einer allerdings scheint es wirklich überall zu können: Felix Magath. Er machte aus der bunt zusammengewürfelten Wolfsburger Mannschaft eine Einheit und brachte seine Stürmer Edin Dzeko und Grafite in Top-Form. Die beiden schossen Wolfsburg zur ersten Meisterschaft der Vereinsgeschichte, sie trafen mal doppelt, mal dreifach und zeigten eine Steigerung im Vergleich zur Vorsaison, die ihnen wohl niemand in der Form zugetraut hätte.

Gesteigert hat sich auch Stuttgart im Laufe der Saison. Unter Coach Armin Veh kam der VfB nur mühsam in Fahrt, schließlich wurde es den Stuttgarter Verantwortlichen zu viel und sie entließen den Meistertrainer. Markus Babbel rückte auf, sicherte dem VfB dank einer beeindruckenden Serie Platz drei - und sich selbst den Chefposten für die kommenden Jahre. Inklusive Doppelbelastung. Denn Babbel muss in der kommenden Saison parallel zum Tagesgeschäft Bundesliga seinen Trainerschein beim DFB machen. Trotz der Portion Extra-Stress: Babbel ist neben Magath definitiv der Gewinner der Saison 2008/2009.