BVB-Gala: Reus rasant, Gladbach geht unter
Gladbach-Pleite gegen BVB Favre läuft die Zeit davon
Max Eberl ist nicht gerade ein Mensch, dem man nachsagt, besonderen Glamour zu versprühen oder die Fans mit markigen Sprüchen von den Sitzen zu reißen. Und so wirkte der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach bei der Verkündung der Saisonziele wie immer: bodenständig, zurückhaltend, fast bieder. "Platz elf müssen wir mit diesem Kader erreichen. Platz acht wäre ein sehr gutes Ergebnis", sagte er vor der Saison dem "Kicker".
Angesichts von über 30 Millionen investierten Euro in neue Spieler kann man das Koketterie nennen - oder Weitsicht, wie die derbe 0:5 (0:2)-Packung gegen den BVB zeigte. Da lag zwischen der Borussia aus Dortmund und der aus Mönchengladbach bis auf wenige Minuten in der Anfangsphase eine ganze Klasse und nicht wie am Ende der vergangenen Saison nur drei Tabellenplätze.
Und so sparte der sonst so ruhige Trainer Lucien Favre auch nicht mit Kritik an seinen Profis: "Wir haben dumme Tore bekommen, einige haben teilweise gespielt wie Senioren. Diese Fehler beim Ballbesitz kann ich nicht akzeptieren."
Ein Sieg, drei Unentschieden und zwei Niederlagen
Dabei hat Favre sein Team vor der Saison stets in Schutz genommen. Hinweise auf die teuren Zugänge konterte er stets mit dem Verweis, dass sich seine Mannschaft nach den prominenten Abgängen von Marco Reus, der gegen seinen ehemaligen Club zweimal erfolgreich war, Roman Neustädter und Dante erst finden müsse. Was sie in dieser Saison offenkundig noch nicht getan hat: ein Sieg, drei Unentschieden und zwei Niederlagen stehen nach dem sechsten Spieltag in der Bilanz.
Trotz des Debakels gegen Dortmund: Favre hat recht, wenn er seine Mannschaft in einem noch längst nicht abgeschlossenen Entwicklungsprozess sieht. Besonders ein Systemtüftler wie der Schweizer, der es versteht, die Stärken und Schwächen von Spielern ganz gezielt zu nutzen oder zu kaschieren und alles zusammen in einer großen Komposition zu vereinen, braucht Zeit. Zeit, sein Team zu verstehen.
Probiert hat er viel. Im Angriff ist er noch immer auf der Suche nach der optimalen Konstellation. Ohne Zugang Luuk de Jong, der gegen Dortmund wegen einer Risswunde am Fuß fehlte, fand seine Mannschaft nur in der Anfangsphase Mittel gegen die in den vergangenen Wochen keineswegs sichere BVB-Abwehr.
Auch international lief es bislang wenig erbaulich
Insgesamt war das Gezeigte viel zu wenig, und so recht Favre und Eberl mit ihren Einschätzungen bezüglich der Entwicklung des Teams haben mögen, bei derlei viel investiertem Geld muss irgendwann eine Entwicklung zu sehen sein. Sonst wird es ungemütlich. Für die Mannschaft. Für Favre. Für Eberl.
Denn auch international lief es bislang wenig erbaulich. Das Aus in der Champions-League-Qualifikation gegen Dynamo Kiew, ein müdes 0:0 gegen AEL Limassol am ersten Spieltag der Europa League, alles noch verkraftbar - solange nicht weitere Spiele wie das gegen den BVB folgen. Denn sonst muss selbst Eberls extrem zurückhaltende Einschätzung hinsichtlich der Saisonziele in der Bundesliga in Frage gestellt werden.
Derzeit steht das Team auf Platz zwölf.
Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 5:0 (2:0)
1:0 Reus (35.)
2:0 Subotic (40.)
3:0 Reus (70.)
4:0 Gündogan (79.)
5:0 Blaszczykowski (85.)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl (83. Santana) - Blaszczykowski, Götze (71. Großkreutz), Reus (75. Bender) - Schieber
Mönchengladbach: ter Stegen (77. Heimeroth) - Jantschke, Brouwers, Domínguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann (75. Ring), Arango - Hanke (62. Hrgota), De Camargo
Schiedsrichter: Stark
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Nordtveit