Glückssieg der Bayern: Dusel in Basel - DER SPIEGEL
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Glückssieg der Bayern Dusel in Basel

Der FC Bayern ist nach dem zweiten Sieg im zweiten Champions-League-Spiel auf Achtelfinalkurs. Die derzeitigen Schwächen der Mannschaft konnte der Erfolg in Basel aber kaum verdecken. Die Abwehr ist verunsichert, im Sturm fehlt der Geistesblitz.
Glückssieg der Bayern: Dusel in Basel
Glückssieg der Bayern: Dusel in Basel

Glückssieg der Bayern: Dusel in Basel

Foto: Patrick Seeger/ dpa
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Für Thorsten Fink muss das alles ein wiederkehrender Alptraum sein. Als Bayern-Spieler verlor er 1999 das Champions-League-Finale gegen Manchester mit 1:2 in der allerletzten Minute, jetzt, in seiner neuen Funktion als Trainer des FC Basel, versetzte ihm sein alter Club den Knockout ebenfalls fast mit dem Schlusspfiff. Während der Basler Coach seine Enttäuschung anschließend nicht verbergen konnte, ist der FC Bayern nach dem 2:1-Auswärtssieg beim Schweizer Titelträger in der Champions League auf Achtelfinalkurs. Nach einem Spiel allerdings, in dem es den Bayern-Fans teilweise angst und bange um den Zustand ihrer Mannschaft werden musste.

"Wir sind noch nicht auf der richtigen Spur", hat Kapitän Mark van Bommel die Leistung der Münchner im St.-Jakob-Park kommentiert - man kann davon ausgehen, dass er in der Halbzeitpause weniger diplomatische Worte gewählt hat. Es sei "ziemlich laut geworden", mehr wollte der Mittelfeldspieler nicht preisgeben von dem, was sich in der Münchner Kabine nach den ersten enttäuschenden 45 Minuten abgespielt hat.

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Basel vs. München: Frei völlig frei, Schweinsteiger total abgezockt

Foto: Matthias Schrader/ AP

Bei den Bayern hat sich ein gewisses Muster eingespielt: Das Team kassiert relativ zeitig einen Rückstand, meistens gelingt der Mannschaft dann noch der Ausgleich. Manchmal, wie in Basel, in Hoffenheim und gegen Wolfsburg, reicht es dann für einen Last-Minute-Erfolg, manchmal, wie zuletzt gegen Mainz 05, aber nicht einmal mehr für das Unentschieden. "Es zeichnet eine gute Mannschaft aus, dass sie in den letzten Minuten noch mal zuschlagen kann", deutet Nationalspieler Philipp Lahm die derzeitigen Schwächen des Teams in Stärken um.

Basel war das klar bessere Team

Ohne die verletzten Fußballkünstler Franck Ribéry und Arjen Robben, die für die Geistesblitze im Team zuständig sind, fehlt den Bayern derzeit die Fähigkeit, Spiele zu dominieren. Aber sie haben immer noch die Gabe, solche Partien zu gewinnen. Und das ist im Fußball ja auch eine gewisse Qualität.

Basel war die bessere Mannschaft an diesem Abend, nach dem Führungstor durch den ehemaligen Dortmund-Profi Alexander Frei sah man für lange Zeit nur einen FCB spielen, und der trug die rot-blauen Trikots aus Basel. Der Deutsche Meister agierte dagegen streckenweise so, wie man ihn aus der mäßigen Hinrunde der Vorsaison kannte. Einfalls- und mutlos in der Offensive, orientierungslos in der Defensive. Abwehrchef Daniel van Buyten hatte einen komplett miesen Arbeitstag erwischt, der Belgier war der schwächste Bayern-Spieler, er verlor Zweikämpfe, die er sonst gewinnen würde, wenn man ihn mitten in der Nacht weckt.

Van Buyten steht für eine Abwehrreihe ohne Konturen. Außenverteidiger Diego Contento ist verletzt und fällt noch mehrere Wochen aus, der Argentinier Martin Demichelis findet bei Trainer Louis van Gaal offenbar keine Gnade mehr, Holger Badstuber macht seit längerem einen eingeschüchterten Eindruck, bei ihm scheint die unglückliche WM noch nachzuwirken. Selbst Philipp Lahm, auf den normalerweise immer Verlass ist, wirkt angesteckt.

Butt und Schweinsteiger übernehmen die Verantwortung

Dennoch steht am Ende ein Sieg, und das vor allem deswegen, weil selbst im verunsicherten Team immer noch zwei, drei Spieler auf dem Platz stehen, die ein Gefühl dafür haben, dass sie jetzt Verantwortung übernehmen müssen. In Basel war dies Bastian Schweinsteiger, der nicht nur den Elfmeter zum Ausgleich kaltblütig verwandelte, sondern auch den Siegtreffer markierte. Und es war vor allem Torwart Hans-Jörg Butt, zurzeit so etwas wie die einzige echte Konstante im Defensivverbund des Meisters.

Dass Butt neben van Bommel zu denen gehörte, die in der Halbzeitpause von Basel die Mannschaft in der Kabine aufrüttelten, sagt viel über den gestiegenen Stellenwert des Torwarts. Dass der FC Bayern noch einen neuen Torwart benötige, um auf Dauer den Sprung zur europäischen Top-Mannschaft zu schaffen, gehört an sich zum Mantra, seitdem Butt die Planstelle zwischen den Pfosten innehat. Der 36-Jährige zählt zu den von der Öffentlichkeit ewig Unterschätzten im Team, daran hat auch seine Nominierung für den WM-Kader nichts geändert. Butt mag kein Oliver Kahn sein, er ist kein Typ für die unhaltbaren Bälle, aber derzeit vermittelt er eine Ruhe, die den Bayern über die schwierigen Wochen hinweghelfen könnte.

"Ich glaube, das war ein Schritt in die richtige Richtung", hat Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beim Mitternachtsbankett nach dem Spiel gesagt. Zwei Spiele in der Gruppenphase, zwei Siege - und nach der Bayern-Logik der vergangenen Jahrzehnte fragt in 14 Tagen niemand mehr nach, wie der Sieg in Basel zustande gekommen ist. Früher allerdings waren solche 2:1-Auswärtserfolge das Resultat eines nüchternen kalten Ergebnisfußballs, am Dienstag musste mal wieder der viel strapazierte Bayern-Dusel herhalten.

Mehr ist beim FC Bayern zurzeit nicht drin.

Mit Material von dpa