Greuther Fürth geht mutig ins DFB-Pokalhalbfinale gegen Dortmund - DER SPIEGEL
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Pokalhalbfinale Fürth vs. Dortmund  Die Sensation ist längst geplant

Greuther Fürth hat im DFB-Pokal bereits zwei Bundesligisten rausgeworfen. Im Halbfinale kommt nun Borussia Dortmund zu Besuch. Vor dem Duell mit dem Deutschen Meister gibt sich der Tabellenführer der zweiten Liga gewohnt höflich - aber selbstbewusst.
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Modisch ist es nicht gerade. Das T-Shirt im Fürther Online-Fanshop hat eher einen emotionalen Wert. Für 15 Euro, zuzüglich Versand, bekommen Anhänger des Fußballvereins aus Franken ein weiß-grünes Stück Selbstbewusstsein, hergestellt aus 100 Prozent Baumwolle. "Remember 1990" prangt darauf, darunter ein Ergebnis und ein paar Spielernamen. Damals, vor fast 22 Jahren, schaffte der Landesligist Spielvereinigung Fürth eine Sensation im DFB-Pokal. In der ersten Runde besiegte der Club den großen Favoriten, den Erstligisten Borussia Dortmund, 3:1.

Am Dienstag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ist Dortmund wieder in Fürth zu Gast. Und die Merchandising-Abteilung macht den eigenen Fans vor dem Halbfinal-Duell mit dem Bundesligisten Mut. Doch die Ausgangslage im Jahr 2012 ist weit weniger eindeutig als beim Pokal-Coup von einst.

Inzwischen ist der Fusionsverein Greuther Fürth, der 1996 aus der Spielvereinigung und dem TSV Vestenbergsgreuth entstanden war, Spitzenreiter der zweiten Liga. Der Aufstieg ist das erklärte Ziel, in der aktuellen Pokalrunde geht es sogar um die mögliche Teilnahme an der Europa League. Da fällt Understatement gar nicht mehr so leicht.

Logisch, dass Mike Büskens es trotzdem versucht. Nach dem 4:1-Auswärtssieg bei 1860 München am vergangenen Samstag, dem 17. Saisonerfolg im 26. Spiel, sagte der Fürther Coach mit Blick auf den BVB: "Da kommt der Branchenprimus, der Deutsche Meister. Die haben fussballerische Vollraketen im Kader." Vor dem Duell mit den Lewandowskis, Kagawas und Blaszczykowskis steht der 44-Jährige stellvertretend für eine gewisse Fürther Ratlosigkeit: Wie vorlaut darf ein Außenseiter sein?

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Zweitligist aus Franken: Fürther Sturm und Drang

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Selbstbewusstsein und Greuther Fürth, das passte lange nicht zusammen. Seit 1997 kickt der Club in der zweiten Liga, neunmal verpasste der Verein seitdem den Aufstieg in die Bundesliga mehr oder weniger knapp. Immer dann, so wirkte es, wenn es wirklich darauf ankam, patzte das Team. Auf den Mannschaftsbus hat man inzwischen den Schriftzug "Die Unaufsteigbaren" angebracht. Das wirkt ironisch - und wie ein Schutzreflex. In diesem Jahr brauchen sie wohl beides nicht mehr.

Büskens werkelt seit seinem Antritt in Fürth im Jahr 2009 an einer Mannschaft für höhere Ansprüche. Und endlich wird die Elf diesen Ansprüchen konstant gerecht. Auch im Pokal. Nach dem TSV Eimsbüttel (Landesliga, 10:0) warf Fürth den Zweitligisten Paderborn (4:0) und dann die beiden Bundesligisten 1. FC Nürnberg (1:0) und 1899 Hoffenheim (1:0) aus dem Wettbewerb. Nun steht man ohne Gegentor im Halbfinale. Deshalb kommt Büskens, der Ex-Schalker, auch nicht ohne eine Kampfansage an den alten Erzrivalen aus: "Wenn man die Gelegenheit hat, will man alles gewinnen."

Dortmund kommt mit Respekt

Dem "kicker" sagte er: "Wir müssen mutig sein. Wir wollen uns nicht einigeln und nur verteidigen." Das kündigen viele Trainer vor einem Pokalspiel gegen ein höherklassiges Team an. Am Ende kommt es oft anders. Büskens ist in der Lage, sich alle Optionen offen zu lassen und im Zweifel lieber auf seine stabile Defensive zu vertrauen. Das hat gegen Nürnberg und Hoffenheim bereits bestens funktioniert. Zu gefährlichen Kontern ist sein Team immer fähig.

Die Mannschaft stellt nach Eintracht Frankfurt nicht nur den zweitbesten Angriff der Liga (60 Tore). Mit nur 21 Gegentoren ist die Abwehr ligaweit sogar die beste. Das sind Werte, die auch dem Meister Respekt einflößen. Ein "gefühlter" Erstligist sei Fürth, sagt Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

BVB-Trainer Jürgen Klopp, der mit seiner Mannschaft seit 20 Ligaspielen ungeschlagen ist, lobt: "Es ist unglaublich, wie Fürth aus wenig viel macht. Das verdient Hochachtung." Der Bundesligist, der zum ersten Mal seit 2008 wieder ins Endspiel des DFB-Pokals einziehen kann, spielt in Franken nicht nur gegen einen bemerkenswert stabilen Gegner und 15.500 Zuschauer, sondern auch gegen eine schwarze Serie. Wann immer der BVB bisher ein Pokalhalbfinale auswärts bestreiten musste, schied er aus.

Sollte dies am Dienstag erneut passieren, wäre die Sensation perfekt. Und beim Gegner wäre es Zeit, ein paar neue T-Shirts in Auftrag zu geben. In Fürth hätten sie nichts gegen eine "Remember 2012"-Kollektion.

Voraussichtliche Aufstellungen (Anstoß Dienstag, 20.30 Uhr)
SpVgg Greuther Fürth: Grün - Nehrig, Kleine, Mavraj, Schmidtgal - Fürstner, Prib - Klaus, Sararer - Occean, Asamoah
Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Blaszczykowski, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski