Gruppe C: B-Elf der Niederlande zu stark für Rumänien - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gruppe C B-Elf der Niederlande zu stark für Rumänien

Rumänien ist bei der EM 2008 nach einem 0:2 gegen die Niederlande ausgeschieden. Das Angriffspiel war ideenlos und allein auf Star Adrian Mutu zugeschnitten. Nutznießer ist Italien, das durch einen 2:0-Erfolg gegen Frankreich noch vorbeiziehen konnte.
Von Jan Reschke
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Niederlage für Rumänien war verdient. Obwohl die Niederländer nur eine B-Elf aufboten, gelang es den Rumänen zu keiner Zeit, das Spielgeschehen zu bestimmen. Zwei Treffer der Stürmer Klaas-Jan Huntelaar (54.) und Robin van Persie (87.) bedeuteten das 2:0. Nach dem ersten Gegentreffer hätte man ein Aufbäumen der Rumänen erwartet, doch deren Spiel wirkte uninspiriert und einzig auf Mutu zugeschnitten.

"Wir haben bei dieser EM einiges erreicht. Wir haben zwei Spiele gegen fantastische Mannschaften wie Italien und Frankreich nicht verloren. Wenn der Elfmeter gegen Italien reingegangen wäre, wären wir weitergekommen", sagte Rumäniens Trainer Victor Piturca nach der Niederlage.

Der niederländische Nationaltrainer Marco van Basten stellte im Vergleich zum Spiel gegen Frankreich (4:1) gleich auf neun Positionen um. Im Tor stand nicht wie gewohnt Edwin van der Sar, sondern sein Vertreter Maarten Stekelenburg. Für André Ooijer und Joris Mathijsen spielten John Heitinga und Wilfred Bouma in der Innenverteidigung. Auf der defensiven Außenbahn begann Tim de Cler für Giovanni van Bronckhorst. Anstatt der Mittelfeldspieler Nigel de Jong, Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder brachte van Basten Demy de Zeeuw, Robin van Persie und Ibrahim Afellay. Die Stürmer Ruud van Nistelrooy und Dirk Kuijt nahmen für Klaas-Jan Huntelaar und Arjen Robben auf der Bank Platz.

Bei den Rumänen fehlten zwei Spieler, die in der Partie gegen Italien noch zur Startelf gehörten: Mittelfeldspieler Mirel Radoi, der mit einem Nasen- und Jochbeinbruch ausfiel und der gelbgesperrte Dorin Goian. Außerdem verzichtete Coach Piturca auf Mittelfeldspieler Florentin Petre und Stürmer Daniel Niculae. Neu in der Startelf waren dafür Sorin Ghionea, Banel Razvan Cocis, Banel Nicolita und Marius Niculae.

Niculae war es auch, der die erste Chance vor knapp 31.000 Zuschauern in Bern hatte. Sein Schuss aus halbrechter Position landete allerdings neben dem Tor (4.). Die Niederländer, die wieder mit einem klassischen 4-3-3-System spielten, taten sich zunächst etwas schwer im Spielaufbau. Rumänien trat in dem Wissen auf, dass ein Punkt für das Erreichen des Viertelfinales nicht reichen könnte und versuchte, die Niederlande unter Druck zu setzen.

Vor allem Mutu wurde auf der linken Seite in der Offensive oftmals gesucht. Brenzlig wurde es aber nicht. Die Niederländer kamen in der 19. Minute zum ersten Mal gefährlich vor das Tor von Keeper Bogdan Lobont: Eine hoher Pass von Orlando Engelaar landete auf dem Kopf des freistehenden van Persie, doch der hatte eine zu starke Rücklage und konnte dem Ball nicht den nötigen Druck verleihen.

Rumänien probierte es weiter über die Außenpositionen, kam so aber nicht zum Erfolg. Einzig Mutu sorgte mit einem Schuss aus der Drehung für die bislang beste Chance der Rumänen, als er aus acht Metern aufs Tor zielte. Sein Versuch wurde aber durch Boumas Fuß abgefälscht. Das Spiel nahm Fahrt auf, nach einer Engelaar-Flanke lenkte van Persie den Ball mit dem Kopf knapp neben den Pfosten (27.).

Bei den rumänischen Angriffsbemühungen war Mutu weiter die zentrale Figur. In der 30. Minute verfehlte sein Schuss aus knapp 25 Metern das Tor um einen Meter. Die Niederlande bauten auf ihr starkes Flügelspiel. Meist zogen die Außenspieler nach innen und legten den Ball diagonal auf einen der nachrückenden Mitspieler ab. Aus solch einer Szene resultierte die große Chance für Huntelaar, dessen Schuss nach einem Boulahrouz-Pass knapp über die Latte ging (34.). Huntelaar war auch an der folgenden Szene beteiligt, als er ein Zuspiel von de Zeeuw auf Robben abtropfen ließ und dessen Ball nur Zentimeter am Pfosten vorbei rollte (38.).

Rumänien gelang bis zur 44. Minute nichts mehr nach vorne, dann allerdings hatte Codrea freie Schussbahn, doch der Ball landete über dem Tor des weitgehend beschäftigungslos gebliebenen Stekelenburg. Dann war Halbzeit.

Mit dem Wiederanpfiff versuchte vor allem Mutu das Spiel zu gestalten, doch er agierte in zwei Szenen zu eigensinnig. Auch Rumäniens Torwart Lobont rückte in den Fokus, als er in Weltklassemanier einen Ball von van Persie um den Pfosten lenkte (50.). Vier Minuten später machte es Huntelaar besser, als er freistehend einen von Engelaar gespielten Ball einschieben konnte. Die Führung war verdient, weil Rumänien insgesamt zu wenig nach vorne investierte und den Niederländern in der Defensive zu viel Raum ließ.

Rumäniens Trainer Piturca reagierte und brachte mit Daniel Niculae für Marius Niculae einen frischen Stürmer (60.). Doch die Partie verflachte zusehends, was auch daran lag, dass die Niederlande den Ball nur noch kontrolliert durch die eigenen Reihen spielten und selten vor dem Tor von Lobont auftauchten. Den Rumänen schien die Kraft auszugehen, ein Aufbäumen fand nicht statt. Wenn es gefährlich wurde, dann durch Mutus Einzelaktionen.

Die letzte aufregende Szene des Spiels gehörte den Niederländern: Stürmer van Persie traf vom linken Eck des Fünfmeterraumes zum 2:0 und besiegelte damit das Ausscheiden der Rumänen. "Dieser Sieg sagt viel aus. Wir haben kein B-Team, sondern wir sind eine Mannschaft von 23 Spielern. Es war ein schöner Abend, auch wenn er allerdings aus meiner Sicht noch besser hätte sein können", so van Persie nach dem Spiel.

Die "Elftal" verbuchte mit dem Erfolg den dritten Sieg im dritten Spiel und zählt weiterhin zu den heißesten Anwärtern auf den Europameistertitel 2008. Er sagte im Anschluss: "Wir hatten gute Momente im Spiel und viele Chancen. Ich denke, wir haben zu Recht gewonnen. In der Qualifikation haben wir schon gegen Rumänien gespielt, sie haben ihre Stärken in der Verteidigung. Viel hängt natürlich vom Selbstvertrauen ab, das nach den beiden Auftaktsiegen gewachsen ist. Wir haben 23 gleichwertige Spieler, das bedeutet Stärke."

Die Niederlande spielt am Samstag in Basel (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen den Zweiten der Gruppe D. Momentan belegt Schweden den zweiten Rang vor den punktgleichen Russen. Allerdings treten die beiden Mannschaften im letzten Spiel am Mittwoch gegeneinander an.

Mit Material des sid

Mehr lesen über