Gruppe H Spanien deklassiert die Ukraine
Leipzig - Gegen Gruppenfavorit Spanien bot Ukraine-Trainer Oleg Blochin entgegen einiger Prognosen seinen Paradesturm auf. Stürmerstar Andrej Schewtschenko stand nach langem Hin und Her in der Startformation der Ukraine, genau wie Andrej Woronin. Gleich in den ersten Minuten entwickelte sich im Leipziger Zentralstadion eine ansehnliche Partie.
Gruppenfavorit Spanien, bei dem Raúl wie angekündigt zu Spielbeginn nur auf der Bank saß, versuchte es mit schnellen Pässen in die Spitze. "Wir wollen den WM-Titel", hatte Trainer Luis Aragones vor dem Anpfiff gesagt und seine junge Mannschaft versuchte es bei diesen Weltmeisterschaften tatsächlich von Beginn an besser zu machen, als in der Vergangenheit. Spanien war bei elf WM-Teilnahmen zehnmal nicht über das Viertelfinale hinausgekommen.
Gegen die Ukraine aber lief es glänzend. Bereits in der dritten Minute bot sich Xabi Alonso aus aussichtsreicher Distanz eine gute Möglichkeit zur Führung. Nach einer Ecke war er dann erneut zur Stelle und traf per Kopf zur verdienten 1:0-Führung der Spanier. Wenige Minuten später erhöhte David Villa per Freistoß auf 2:0. Der Schuss war noch von einem ukrainischen Spieler abgefälscht worden.
Nach der Pause war der bewegliche Villa ein zweites Mal zur Stelle. Der Ukrainer Wladislav Waschtschuk hatte Fernando Torres im Strafraum an der Hose gezogen und daraufhin Rot für die Notbremse gesehen. Mit dem fälligen Strafstoß erhöhte Villa auf 3:0 und nahm der Ukraine die letzte Chance auf einen Punktgewinn zum Auftakt.
Zwar ließ sich das Team von Trainer Oleg Blochin nicht hängen, insgesamt aber hatte die Ukraine den nun zeitweise wie entfesselt auftretenden Spaniern kaum mehr etwas entgegen zu setzen. Auch die eingewechselten Akteure brachten kaum neuen Schwung.
Gegen Ende der Partie nahm die Mannschaft von Luis Aragones etwas Tempo raus und vertrieb sich die Zeit unter dem Jubel der spanischen Anhänger mit einigen Kurzpass-Kombinationen. Zehn Minuten vor Schluss erhöhte Fernado Torres auf 4:0. Insgesamt waren die Spanier die eindeutig spielbestimmende Mannschaft. Dafür spricht auch die Quote von 10:2 Torschüssen und 7:1 Ecken.
Entsprechend zufrieden zeigte sich Trainer Aragones: "Vor allem nach dem 2:0 haben wir sehr gut gespielt. Wir waren physisch sehr stark, vor allem wenn wir im Ballbesitz waren. Wir hätten aber aus unseren Chancen noch mehr Tore machen müssen", sagte der 68-Jährige.
Auf Seiten der Ukraine sah man sowohl enttäuschte als auch wütende Gesichter. Trainer Blochin war erzürnt: "Es ist eine Schande, 0:4 zu verlieren. Phasenweise haben wir wie die schlechteste Mannschaft Europas gespielt." Der Coach zeigte aber auch Verständnis für die schwache Leistung seiner Akteure: "Ich bin sehr enttäuscht, aber dies ist das erste Mal, dass wir an einer WM teilnehmen. Wir müssen erst noch unsere Erfahrungen sammeln."
Verwirrung gab am es Spielort Leipzig erneut um die leer gebliebenen Sitze in der mit 43.000 Zuschauern offiziell ausverkauften Arena. Nachdem schon beim Auftaktspiel zwischen den Niederlanden und Serbien und Montenegro 1600 Plätze unbesetzt gewesen waren, waren auch dieses Mal einige freie Plätze nicht zu übersehen. Das WM-Organisationskomitee hat eine Untersuchung angekündigt.
Spanien - Ukraine 4:0 (2:0)
1:0 Xavi (13.)
2:0 Villa (17.)
3:0 Villa (48./Foulelfmeter)
4:0 Torres (81.)
Spanien: Casillas - Sergio Ramos, Pablo, Puyol, Pernía - Alonso, Senna, Xavi - Luis Garcia (77. Fabregas), David Villa (55. Raul), Torres
Ukraine: Schowkowski - Jeserski, Russol, Waschtschuk, Nesmatschni - Gussin (46. Worobej), Timoschuk, Gussew (46.Schelajew), Rotan (64. Rebrow)- Woronin, Schewtschenko
Schiedsrichter: Busacca (Schweiz)
Rote Karte: Waschtschuk (47.) Notbremse
Gelbe Karten: -/Rusol, Jeserski
knu/sid/dpa