Haarprobe positiv Daum wird nicht Bundestrainer
Leverkusen - Christoph Daum ist des Drogenkonsums überführt, beim Bundesligisten Bayer Leverkusen von allen Aufgaben entbunden und beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als künftiger Bundestrainer nicht mehr akzeptabel. Mit dem positiven Ergebnis seiner Haaranalyse, mit der Daum eigentlich die Drogen-Verdächtigungen aus der Welt schaffen wollte, versetzte der 46-Jährige die deutsche Fußball-Welt in einen Schockzustand und löste eine Kettenreaktion an Sofortmaßnahmen aus: Der deutsche Vizemeister Bayer Leverkusen gab noch vor dem Bundesliga-Spiel am Samstagabend gegen Borussia Dortmund die Trennung von seinem Coach bekannt und ernannte Nationalmannschafts-Teamchef Rudi Völler in Abstimmung mit dem DFB als Interimstrainer für den Rest des Jahres.
Der geschäftsführende DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder kündigte seinen Handschlag-Vertrag mit Daum, der die Ernennung als Bundestrainer zum 1. Juni 2001 vorsah. DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer forderte, die Interimslösung mit Völler und Assistent Michael Skibbe nun fest zu verankern. Der Chef des Energiekonzerns RWE, Dietmar Kuhnt, stoppte laut "Bild am Sonntag" die Werbekampagne mit Daum. Einhellig sprachen alle Beteiligten von Mayer-Vorfelder bis Beckenbauer von einer "menschlichen Tragödie".
"Auf Grund der mir übermittelten Daten, die ich anzweifle und mit einer zweiten Probe widerlegen werde, sehe ich mich nicht mehr in der Lage, meine Tätigkeit bei Bayer Leverkusen fortzusetzen", verlas Manager Reiner Calmund am Samstag auf einer Pressekonferenz eine persönliche Erklärung von Daum, der sich nach Angaben des Managers im Ausland aufhält: "Seine Kinder kümmern sich um ihn, das ist jetzt das Wichtigste."
Am Freitagabend hatte ihm das Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln das niederschmetternde Resultat der Haarprobe übermittelt, die er knapp zwei Wochen zuvor in Auftrag gegeben hatte. Damit erwiesen sich die von Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß in einem Zeitungsinterview angesprochenen Verdachtsmomente gegen den Leverkusener Trainer als wahr. Ursprünglich war für Sonntag ein Versöhnungsgespräch zwischen Daum und Hoeneß geplant.
Die Nachricht sprach sich am Samstag kurz vor dem Start der Bundesliga-Spiele wie ein Lauffeuer in den Stadien herum und löste allerorts Bestürzung und Mitleid aus. "Ich bin persönlich sehr betroffen. Ich habe Christoph Daum über all die Jahre immer vertraut und auch seiner nachdrücklichen Versicherung geglaubt, dass an den aufgekommenen Gerüchten nichts Wahres dran sei", sagte Mayer-Vorfelder: "Ich glaube, dass er sehr krank sein muss, wenn er in der Vorstellung, sie könnte negativ sein, eine Haaranalyse machen lässt, die dann positiv ist." Auch Beckenbauer sprach davon, dass Daum offenbar regelmäßig Drogen zu sich genommen hat. "So weit ich informiert bin, ist er vielleicht sogar abhängig davon. Ich denke, er ist krank", sagte Beckenbauer und empfahl Daum eine Entziehungskur: "Wir müssen uns um den Menschen Daum kümmern."
Calmund sprach von einem "Keulenschlag" und war sichtlich betroffen von den Ereignissen der vorangegangenen Stunden. Völlig unverständlich war für den Manager, dass sich Daum ohne Not zur Haaranalyse entschlossen hatte. "Wir hatten ihn weder dazu aufgefordert noch ermuntert. Und wir hatten ihn vorher aufgeklärt, dass er bei einem positiven Ergebnis bei uns kein Trainer bleiben kann und beim DFB kein Trainer werden kann." Daum hatte nach der Abgabe seiner Haarprobe versichert, er habe niemals Drogen konsumiert.
"Man muss offen und ehrlich sagen: Wir empfinden keine Schadenfreude", sagte Bayern Münchens Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge, der umgehend ein Treffen der DFB-Dringlichkeitskommission forderte: "Wir müssen jetzt schnell die Task Force zusammenrufen. Ich hoffe, Rudi Völler macht jetzt als DFB-Teamchef weiter." Diese Ansicht vertrat auch Beckenbauer: "Völler und Skibbe wären die Ideallösung. Sie haben sich bisher als Ideallösung erwiesen."
Für Daum hingegen dürfte die Trainer-Karriere ein jähes Ende gefunden haben. Daum selbst sprach am Samstag davon, er könne sich selbst bei einem für ihn positiven Ergebnis der Gegenanalyse nicht vorstellen, "in absehbarer Zeit wieder in Deutschland zu trainieren".
Die Kölner Staatsanwaltschaft wird in den nächsten Tagen darüber entscheiden, ob gegen Daum ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet wird. Behörden-Sprecherin Regine Appenrodt sagte am Sonntag auf Anfrage, darüber müsse erst die zuständige Fachabteilung der Staatsanwaltschaft beraten. Appenrodt wies aber zugleich darauf hin, dass Drogenkonsum an sich nicht strafbar sei.