Haching - Freiburg 1-1: Das "unheimliche Stadion" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Haching - Freiburg 1-1 Das "unheimliche Stadion"

Freiburgs Trainer Volker Finke war am Samstagnachmittag froh, dass seine Mannschaft in Unterhaching einen Punkt mitnehmen konnte. Bedanken mussten sich die Breisgauer dafür allerdings bei einem Spieler der Gastgeber.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unterhaching - Ein "dummes Foul" von Unterhachings Torwart Jürgen Wittmann hat die Festung Sportpark im ersten Heimspiel der neuen Bundesliga-Saison zwar leicht beschädigt, aber nicht den Schrecken genommen. "Es hat etwas Unheimliches hier. Es ist in diesem Stadion richtig schwierig zu spielen", verdeutlichte Freiburgs Trainer Volker Finke nach dem leistungsgerechten 1:1 geheimnisvoll den Respekt der Gastmannschaften vor der Hachinger Heimstärke.

13 Wochen nach dem Husarenstück der SpVgg gegen Bayer Leverkusen (2:0), das die Daum-Truppe am letzten Spieltag den Meistertitel gekostet hatte, war Finke nach der Hitzeschlacht am Samstag damit zufrieden, vor 10.200 Zuschauern nur die Tabellenführung eingebüßt zu haben. "Wenn man hier mit 0:1 in Rückstand gerät, muss man heilfroh sein, wenn man Unentschieden spielt", bemerkte Finke nach dem 100. Auswärtspunkt des SC Freiburg im Fußball-Oberhaus.

Hachings Pechvogel Wittmann zog es dagegen vor, nach Spielschluss zu schweigen und mit grimmigem Blick das Weite zu suchen. Mit zwei tollen Reaktionen gegen Alexander Iaschwili (34.) und Andreas Zeyer (42.) hatte der 34-jährige Schlussmann seine Mannschaft vor der Pause vor einem Rückstand bewahrt. Doch das konnte den "Blackout" in der 56. Minute, als er Levan Kobiaschwili im Strafraum ohne Not von den Beinen holte, nicht aufwiegen. Der Elfmeter, den der Gefoulte selbst zum 1:1 verwandelte, kostete Haching unter dem Strich zwei Punkte. "Es war von unserem Torhüter total unnötig, da so hinzugehen", urteilte Hachings Trainer Lorenz-Günther Köstner, auch wenn er Wittmanns Fehlleistung nur am Ende einer Fehlerkette sah.

Fehler und Unzulänglichkeiten prägten überhaupt das Geschehen bei extremen äußeren Bedingungen mit 34 Grad im Schatten. So stand der Freiburger U21 -Nationalspieler Sebastian Kehl mit einem Fehlpass und einem anschließenden Abwehrfehler beim Hachinger Führungstor durch den ehemaligen Freiburger Altin Rraklli gleich doppelt Pate (44.). Das Tor des Albaners schien das bewährte Hachinger Heim-Konzept aufgehen zu lassen, defensiv kompakt zu stehen und mit viel Geduld auf Fehler des Gegners zu lauern. "Wenn man bei der Hitze 1:0 vorne liegt, denkt man schon, dass man den Sieg über die Bühne schaukelt", ärgerte sich Mittelfeldspieler Danny Schwarz.

Nachdem ein Freistoß von Oliver Straube in der 90. Minute nur an die Latte geprallt war, befanden sich die Hachinger endgültig im Zwiespalt der Gefühle. Im Vorjahr war man nach dem 0:3 in Frankfurt noch mit einem Heimsieg in die Saison gestartet. "Es herrschte eine komische Stimmung in der Kabine. Wir wussten nicht, ob wir enttäuscht sein sollen oder nicht", verriet Kapitän Matthias Zimmermann. Der Trainer entschied sich trotz nur einem Punkt aus zwei Spielen für die zweite Variante: "Wir sind schon wieder auf dem richtigen Weg", lautete das gelassene Schlusswort von Lorenz-Günther Köstner.

Von Klaus Bergmann, dpa

Mehr lesen über