Haching - HSV 2-1: Späte Belohnung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Haching - HSV 2-1 Späte Belohnung

Dank eines Sturmlaufs in der zweiten Halbzeit durften die Hachinger ihren zweiten Saisonsieg bejubeln. Die Tore der Oberbayern fielen in der 87. und 90. Minute.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unterhaching - In Europa "Könige", in der Bundesliga "Narren": Vier Tage nach dem Triumph von Turin schlug der Hamburger SV mit voller Wucht auf dem Boden der Tatsachen auf. Derart unsanft war die Landung, dass Sportchef Holger Hieronymus ein hartes Urteil fällte: "Wir sind wahrscheinlich doch nicht die Top-Mannschaft, für die wir uns gehalten haben", sagte er nach dem deprimierenden 1:2 (1:0) bei der SpVgg Unterhaching. Eine Top-Mannschaft hätte in den letzten drei Spielminuten wohl kaum zwei Gegentreffer kassiert.

Dass die "Gallier" aus dem kleinen Fußball-Dorf plötzlich wieder ein wenig unbeugsamer erscheinen, hat zu einem Großteil der HSV zu verantworten. "In der ersten Halbzeit haben wir ja noch ganz ordentlich gespielt", sagte Trainer Frank Pagelsdorf, aber "in der zweiten Halbzeit war das von unserer Seite ein katastrophales Spiel. Wir haben nur noch zugeguckt." Das entspannte Verhältnis der Hamburger zum Zweikampf machte die Hachinger, die zuvor ohne Grund wie das Kaninchen vor der Schlange gezittert hatten, erst stark.

So kam es, wie es meistens kommt: Der HSV lullte sich in seinem Vorhaben, die glückliche Führung durch Jochen Kientz (12.) über die Zeit zu bringen, selbst ein. In der letzten Viertelstunde war der Dämmerzustand erreicht, der Hachinger Ausgleich lag dennoch nie so recht in der Luft. Er fiel dann doch, in der 87. Minute, weil ein 20-Meter-Schuss von Oliver Straube noch leicht abgefälscht wurde. Und als sich der HSV dann auf das Unentschieden einrichtete, zirkelte Miroslaw Spizak einen Ball ins lange Eck (90.).

"Das ist eben Fußball. Das kann man nicht erklären. Wir haben's halt vermasselt", sagte Torschütze Kientz. Zu erklären war immerhin, dass die Hamburger in Halbzeit zwei lieber zuschauten als hinlangten, und dass nach dem Ausfall von Andrej Panadic in Minute 62. Minute Ordnung und Disziplin im Spiel endgültig verloren gingen. Höchst ärgerlich für Frank Pagelsdorf angesichts der restlichen Resultate: "Das war eine verschenkte Situation. Wir haben es verpasst, weiter nach oben zu kommen", sagte er seufzend.

Die Hachinger gaben am Samstag sogar die "Rote Laterne" des Tabellenletzten an den 1. FC Köln ab. Und nach dem zweiten Saisonsieg macht sich neue Zuversicht breit. "Die Mannschaft hat so ein Spiel gebraucht", sagte Manager Norbert Hartmann. Es war beinahe wie früher: 12.000 Zuschauer sahen zwar kein schönes Spiel, aber "die Mannschaft", so Trainer Lorenz-Günther Köstner, "hat bravourös gekämpft". Die Tore, ergänzte der Hachinger Coach noch, "wurden erzwungen". Und deshalb sei der Sieg "auch verdient".

Hachings Präsident Engelbert Kupka atmete nach dem Sieg erst einmal kräftig durch und stellte erleichtert fest. "Ich glaube, das gibt der Mannschaft jetzt Selbstvertrauen." Das kommt gerade recht vor den "Wochen der Wahrheit" in der Bundesliga. Hachings Termine: erst zu Hause gegen Köln, dann in Rostock, dann gegen Cottbus. Fast ein "Abstiegsturnier".

Von Thomas Häberlein und Christan Pfennig, sid

Mehr lesen über