Hagi Eine Schwalbe als letzte Tat?
Brüssel - Vielleicht war es ein historischer Moment, vielleicht auch nicht. Man kann das nicht wissen bei Gheorghe Hagi. Es könnte sein, dass sein Abgang im König-Baudouin-Stadion am Samstag um kurz vor zehn Uhr auch das Ende einer großen Karriere bedeutet. Es könnte genau so gut sein, dass der unantastbare Anführer der Rumänen bald wieder das gelbe Dress der Nationalmannschaft überstreift.
"Er wird es selbst entscheiden", sagte Trainer Emerich Jenei ungerührt, "jetzt oder später". Niemand entscheidet etwas für Hagi. Hagi entscheidet alles allein. Zum Beispiel auch, dass er sehr wohl noch in der Lage ist, einen kurzen Sprint anzuziehen, obwohl er sich eigentlich nicht so furchtbar gern viel bewegt. Vielleicht motivierte ihn in Brüssel die Wut über das erste Tor der Italiener, so dass er postwendend bei einem Gegenzug dem Ball derart entschlossen hinterherlief, dass Mark Iuliano nur zusehen konnte. Brillant hob Hagi den Ball dann über den aus seinem Tor stürzenden Toldo, doch das Leder senkte sich nur bis zur Latte.
Nach einer Stunde, das Spiel war längst verloren, versuchte Hagi sich noch mit einer Schwalbe. Für die flog er vom Platz, weil er zuvor wegen Foulspiels schon verwarnt worden war. So hat er es auf eine beachtliche EM-Bilanz gebracht: zwei gelbe Karten in den ersten Gruppenspielen, ein Spiel Pause, ein Platzverweis. Und aus. Für ihn und für Rumänien. Für Jenei könnte es ein weiteres Mal den Abschied vom Job des Nationaltrainers bedeuten. Potentieller Nachfolger: Hagi. Jenei trägt es mit Fassung. Er habe noch einen Vertrag, sagte er am Samstagabend, andererseits wisse man natürlich nie, was so ein Kontrakt wert sei.
Auf dem Platz steht den Rumänen, was auch immer der 35 Jahre alte Hagi künftig tun wird, ein Generationswechsel bevor. Ein Protagonist dieses Neuaufbaus wird der linke Außenverteidiger Christian Chivu von Ajax Amsterdam sein. Der ist schlau genug, sich wie alle anderen über Hagi immer nur mit Lobeshymnen zu ergehen ("Ein großartiger Spieler und toller Typ, ich bin stolz, mit ihm in einer Mannschaft zu spielen").
Aber er ist mit gerade mal 19 Jahren auch schon von einem Selbstvertrauen, das es mit dem Hagis aufnehmen kann. Chivus Vorbild auf seiner Position? "Ich mag Maldini, aber mein Idol ist Christian Chivu, ich glaube, er ist besser." Dann lacht er. Das unterscheidet ihn von Hagi.