Hamburg - Köln "Die Scheiße am Fuß"
Hamburg - Ein nicht anerkanntes Tor in der Nachspielzeit, zwei verschossene Elfmeter, zwei Aluminiumtreffer, eine umstrittene Rote Karte, ein ununterbrochener Sturmlauf - die Partie zwischen dem Hamburger SV und dem 1.FC Köln bot alles, was einen Fußball-Thriller ausmacht. Nur mit dem 1:1 (0:1) eben keinen Sieger, womit die Hamburger weiter um ihren Mythos als die einzigen "Unabsteigbaren" seit Bundesligagründung fürchten müssen. "Wenn du unten drin stehst, hast du die Scheisse am Fuß", beurteilte Niko Kovac die Situation auch recht deftig.
Übersehenes Tor in der 90. Minute
Der Kroate hatte in der Nachspielzeit nach einem Eckball das Leder in das Kölner Tor gedrückt, von wo Alexander Voigt es einen halben Meter hinter der Linie mit der Hand wieder hinausboxte. Doch
weder Schiedsrichter Jörg Keßler noch sein Assistent Stefan Weber erkannten die Szene richtig - genau genommen erkannten sie gar nichts. "Da standen zu viele Spieler dazwischen, ich kann nur auf
Tor entscheiden, wenn ich sehe, dass der Ball drin ist", sagte der 37-Jährige Unparteiische, "wenn er drin war, ist das große Scheisse."
Das Gespann aus Thüringen hat mit seiner Leistung im
Hexenkessel des mit 50.029 Zuschauern gefüllten Volksparkstadions die Diskussion um die Schiedsrichter weiter angeheizt. Nicht nur
die spielentscheidende Sehschwäche war ihnen anzukreiden. Der zweite HSV-Elfmeter war unberechtigt, der Platzverweis für Miroslav
Baranek zumindest diskussionswürdig und auch die Kölner hätten einen Strafstoß bekommen können, als Baranek unmittelbar an der Strafraumgrenze gefoult wurde.
Der liebe Gott ist gerecht
"Der liebe Gott hat heute für Gerechtigkeit gesorgt", meinte FC-Coach Ewald Lienen zum nicht anerkannten Tor. Dennoch plädierte der Kölner Trainer für technische Hilfsmittel für die Referees: "Ich bin für einen Torschiedsrichter, der bei klaren Entscheidungen mit Videobeweis ein kurzes Signal an den Referee auf dem Platz sendet", sagte Kölns Trainer Ewald Lienen, "das müssen die Zuschauer ja gar nicht mitkriegen." Auch Kovac sprach sich für den
TV-Beweis aus: "An den Torlinien sollten Kameras installiert werden. Es geht für alle um zu viel."
Keßler allerdings mag sich mit diesen gutgemeinten Vorschlägen nicht anfreunden: "Es gäbe dann zu viele Situationen, wo dann das Spiel unterbrochen werden müsste. Oft sind sich auch Fachleute beim TV-Studium nicht über eine Regelauslegung einig. Fehler gehören zum Spiel. Die menschliche Komponente bringt Würze rein - und bitte, die Hamburger haben auch zwei Elfmeter verschossen."
"Das beste, was wir diese Saison gezeigt haben"
Zunächst scheiterte Jörg Butt (53.) an seinem Gegenüber Markus Pröll, sein zweiter Fehlschuss beim 21. Anlauf. Dann traf Sergej Barbarez (70.) nur den Innenpfosten. Der Bosnier glich aber sechs Minuten später doch noch die Kölner Führung von Miroslav Baranek (20.) aus. "Die zweite Hälfte gehörte zum Besten, was wir diese Saison gezeigt haben", sagte Trainer Frank Pagelsdorf.
So wurde sein Team trotz des erneuten Verlustes von zwei Punkten mit dem fünften Unentschieden in Folge von den Fans gefeiert - auch Niko Kovac, über dessen vorzeitigen Wechsel zu Bayern München in der kommenden Woche verhandelt werden soll. "Heute haben wir unser wahres Gesicht gezeigt", so Barbarez, der
wie Bernd Hollerbach nach der zehnten Gelben Karte in Leverkusen fehlt, "ich hoffe, wir nehmen diese Moral mit in die letzten fünf Spiele."
Hamburg - Köln 1:1 (0:1)
0:1 Baranek (20.)
1:1 Barbarez (76.)
Hamburg: Butt - Ujfalusi, Hoogma (85. Bester), Panadic -
Groth, Kovac, Hollerbach - Barbarez - Mahdavikia, Meijer, Heinz
Köln: Pröll - Sichone, Baranek, Bulajic, Voigt - Scherz,
Dziwior, Lottner (89. Cichon), Springer - Timm (90. Kurth), Kreuz
(90. Donkow)
Schiedsrichter: Keßler (Höhenkirchen)
Zuschauer: 50.029
Rote Karte: Baranek wegen groben Foulspiels (85.)
Gelbe Karten: Hollerbach (10), Barbarez (10), Kovac (5/3),
Heinz (3), Mahdavikia - Dziwior (5), Voigt (5/1), Sichone (5/2),
Scherz (3), Pröll
Bes. Vorkommnisse: Pröll hält Foulelfmeter von Butt (53.),
Barbarez schießt Foulelfmeter an den Pfosten (71.)