Hamburg - Lautern Barbarez' rote Welt
Hamburg - Nach dem 1:1 (1:0) gegen den 1. FC Kaiserslautern hätte HSV-Trainer Frank Pagelsdorf über das Spiel seiner Mannschaft, die Freude bei Prägers Führung (20.), den Ärger beim späten Ausgleichstreffer durch den eingewechselten FCK-Amateur Silvio Adzic (84.) oder vielleicht ja sogar den mit nunmehr 40 Punkten sichergestellten Klassenerhalt des Hamburger Sport-Vereins sprechen können. Pagelsdorf tat es nicht, sondern polterte nach dem Samstagabendspiel im Volkspark zunächst einmal drauf los.
"Das war die kurioseste Rote Karte, die ich je gesehen habe", erregte sich "Pagel" und spielte damit auf den Platzverweis seines Offensivspielers Sergej Barbarez durch Schiedsrichter Hellmut Krug nach einer Viertelstunde des Spiels an. Nach Ansicht Krugs hatte der mit 19 Treffern hinter dem Schalker Sand auf Platz zwei der Torjägerliste liegende bosnische Nationalspieler seinem Lauterer Gegenspieler Michael Schjönberg einen Kopfstoß verpasst.
"War wohl in einer anderen Welt
Barbarez erinnerte die Situation ganz anders: "Ich habe nichts getan, ich war wohl in einer anderen Welt." Zwar habe er mit dem Kopf in Richtung Gegenspieler genickt, doch die Kopfnuss sei von Schjönberg gekommen. HSV-Präsident Werner Hackmann wollte sich erst gar nicht mit der kleinteiligen Aufdröselung des Vorfalls beschäftigen.
"Schiedsrichter entscheiden ganze Spiele. Wenn Herr Krug die Situation nicht gesehen hat, darf er nicht Rot geben, und wenn er sie gesehen hat, muss er beiden Rot zeigen", erklärte Hackmann, immerhin auch Liga-Chef und Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, und tat seine Hoffnung auf einen Freispruch Barbarez' vor dem DFB-Sportgericht kund.
Drohender Verlust des Uefa-Cup-Platzes
Helfen könnte dabei die Aussage von Lauterns Teamchef Andreas Brehme: "Es war kein Platzverweis." Mit dem Provokateur Schjönberg, der nur Gelb sah, kündigte Brehme an, "werde ich sicher noch reden." In seiner Heimatstadt Hamburg verteilte der Weltmeister von 1990 anschließend brav Komplimente ("Der HSV hat mit zehn Mann bis zum Umfallen gekämpft").
Zur wenig duchschlagkräftigen Leistung seines Teams und zum drohenden Verlust eines Uefa-Cup-Platzes gab Brehme wenig Erhellendes von sich. Der FCK-Teamchef weiß, dass die letzten beiden Partien auf dem Weg nach Europa leichter sein könnten: Am kommenden Samstag müssen die Pfälzer zu Bayern München, im letzten Heimspiel treffen sie auf Hertha BSC.
Hamburger SV - Kaiserslautern 1:1 (1:0)
1:0 Präger (20.)
1:1 Adzic (84.)
Hamburg: Butt - Ujfalusi, Hoogma, Panadic - Töfting (53. Hertzsch), Fukal,
Hollerbach - Heinz - Mahdavikia (89. Fischer), Barbarez, Präger (81. Yilmaz)
Kaiserslautern: Georg Koch - Komljenovic - Harry Koch, Schjönberg
- Buck (60. Adzic), Hristow (69. Bjelica), Pettersson, Ziehl - Lokvenc, Klose
Schiedsrichter: Krug (Gelsenkirchen)
Zuschauer: 52.124
Gelbe Karten: Hollerbach (10/2), Hoogma (4), Fukal (4) - Hristow (10), Grammozis (5/2), Schjönberg (3), Buck (2)
Rote Karte: Barbarez (Hamburg) nach Tätlichkeit (16.)