HSV-Pleite in Bremen Ohne van der Vaart, ohne Punkte
Sylvie und Rafael van der Vaart: HSV-Pleite in Bremen
Foto: Carmen Jaspersen/ dpaHamburg - Rafael van der Vaart strahlte. Neben ihm saß seine Frau Sylvie. Sie strahlte noch mehr. Der HSV-Rückkehrer, am Vortag für 13 Millionen Euro aus Tottenham geholt, konnte am Samstag wegen fehlender Papiere beim Gastspiel der Hamburger in Bremen zwar noch nicht mitwirken. Vor dem Spiel war die Stimmung auf der Tribüne dennoch blendend.
90 Minuten später war van der Vaarts Laune deutlich bescheidener. Seine neuen Kollegen hatten gerade 0:2 (0:0) gegen Werder verloren. Es war die zweite Niederlage im zweiten Saisonspiel, der HSV steht in der Tabelle auf dem 16. Platz.
Die Erkenntnis des Nord-Derbys lautete: Die Probleme im Spiel der Hamburger scheinen zu groß, als dass der Niederländer sie allein lösen könnte. Der Club ist vom Gegenteil überzeugt, läuft die Rückkehr doch unter dem Motto: "Mit Rafa an die Spitze." Mit van der Vaart, in Hamburg liebevoll "kleiner Engel" genannt, Milan Badelj und Petr Jiracek wurde das zentrale Mittelfeld in den letzten Tagen der Transferperiode für viel Geld ausgetauscht. Die Schwächen in den anderen Mannschaftsteilen aber bleiben.
Beispiel Abwehr: Die Viererkette sollte durch das Zurückziehen von Heiko Westermann in die Innenverteidigung stabilisiert werden. Zu Erkennen war davon in Bremen wenig. Der Gastgeber kam zu zahlreichen guten Möglichkeiten. Zudem erwischten die HSV-Außenverteidiger Dennis Aogo und Jeffrey Bruma einen ganz schlechten Tag, beide verursachten einen Elfmeter. "Zwei individuelle Fehler haben das Spiel gegen uns entschieden, damit haben wir uns selbst um den verdienten Lohn gebracht", kritisierte Trainer Thorsten Fink.
Im defensiven Mittelfeld war das Debüt von Badelj bereits nach 45 Minuten beendet, der Kroate musste mit muskulären Problemen ausgewechselt werden. Sein Nebenmann Jiracek war zwar bemüht, blieb aber ebenfalls ohne auffällige Aktionen.
Rudnevs enttäuschend, Adler stark
Vor allem aber fehlt dem Club ein Torjäger. Auch im zweiten Saisonspiel blieb die Mannschaft ohne Treffer. Gegen Nürnberg durfte sich Marcus Berg versuchen, in Bremen spielte Zugang Artjoms Rudnevs. Der Lette war bemüht, agierte vor dem Tor aber zu hektisch. In der zweiten Halbzeit verfehlte er zunächst aus der Drehung das Tor (62.), zehn Minuten später vergab er freistehend vor Werder-Schlussmann Sebastian Mielitz.
Von van der Vaart dürften er und seine Mitspieler besser in Szene gesetzt werden. Doch es liegt beim HSV nicht nur an zu wenigen Chancen. Der bisher ausbleibende Erfolg ist durch das Fehlen eines Torjägers bedingt. Im Sommer verließen mit Paolo Guerrero und Mladen Petric die beiden erfolgreichsten Angreifer der vergangenen Jahre den Club, als Ersatz wurde lediglich Rudnevs verpflichtet.
Einziger Lichtblick beim HSV war René Adler. Der 27-Jährige nähert sich nach seiner langen Verletzungspause immer mehr der Form an, die ihn einst in die Nationalmannschaft brachte. Schon am ersten Spieltag hatte er eine höhere Niederlage gegen Nürnberg verhindert, auch in Bremen war er der beste Hamburger. Er parierte in der ersten Hälfte nicht nur den ersten Elfmeter von Hunt (42.), zuvor hatte er schon einen Abschluss von Sebastian Prödl entschärft. In der 69. Minute hielt er gegen den frei auf ihn zulaufenden Marko Arnautovic, zwei Minuten vor Spielende wehrte er einen missglückten Abwehrversuch von Bruma ab.
"Wir waren in der ersten Halbzeit auf dem richtigen Weg, haben dann aber unseren Faden verloren", sagte Fink. In den kommenden Wochen spielt der HSV gegen Frankfurt und Dortmund. Die Eintracht hat ihre ersten beiden Spiele gewonnen, die Borussia kommt als amtierender Meister nach Hamburg. Dann wird auch Rafael van der Vaart mitwirken. Dann wird sich zeigen, ob die Strategie der Vereinsführung aufgeht.
Werder Bremen - Hamburger SV 2:0 (0:0)
1:0 Hunt (52., Elfmeter)
2:0 Petersen (67.)
Bremen: Mielitz - Gebre Selassie, Prödl, Sokratis, Fritz - Junuzovic - Arnautovic (80. Füllkrug), De Bruyne (86. Akpala), Hunt, Elia (66. Bargfrede) - Petersen.
Hamburg: Adler - Bruma, Mancienne, Westermann, Aogo - Badelj (46. Tesche), Jiracek - Son (70. Beister), Ilicevic (70. Berg), Jansen - Rudnevs.
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 42.100 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Tesche (2)