Hamburger SV besiegt Gladbach: Nun sag, wie hast du's mit der Relegation? - DER SPIEGEL
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Hamburgs Sieg gegen Gladbach Nun sag, wie hast du's mit der Relegation?

Der HSV beantwortet die berühmte Grätschenfrage mit einem Erfolg gegen Gladbach. Für Hamburg bleibt der direkte Klassenerhalt greifbar - weil Torjäger Bobby Wood die Nerven behielt. Alles Wichtige zum Spiel.
Jubel nach dem Siegtreffer
Jubel nach dem Siegtreffer

Jubel nach dem Siegtreffer

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ausgangslage: Ein Heimspiel gegen die Borussia? War lange die nachdrückliche Aufforderung, sich drei Punkte gutzuschreiben. Bis Dieter Hecking kam: Gladbach ist plötzlich auswärtsstark, zuletzt gab es in der Bundesliga in fremden Stadien drei Siege in Folge. Im Pokal-Viertelfinale hatten sich die beiden Teams elf Tage zuvor schon einmal in Hamburg getroffen, Gladbach siegte 2:1. Der HSV, der mit Blick auf Tabelle und Konkurrenz jeden Punkt so dringend braucht wie Lotto King Karl die große Hebebühne, hatte daheim allerdings auch seit sechs Spielen nicht mehr verloren.

Die Startaufstellungen:
Hamburg: Adler - Diekmeier, Papadopoulos, Jung, Ostrzolek - Sakai, Ekdal - Hunt, Holtby, Kostic - Wood
Mönchengladbach: Sommer - Elvedi, Christensen, Vestergaard, Wendt - Kramer, Strobl - Herrmann, Dahoud, Hofmann - Drmic

Das Ergebnis: 2:1 (1:1). Back to normal: Gladbach verliert auswärts. Hier geht's zum Spielbericht.

Fotostrecke

HSV gegen Gladbach: Sechs Tore - 2:1

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Die erste Hälfte: Die Borussia begann betont ruhig und vorsichtig, im neuen Hecking-Stil also, in dem ein Unentschieden zunächst einmal kein Horrorszenario ist. Man verließ sich auf die eigene Konterstärke - und die erfolgreichen Standards. Zu Recht: Andreas Christensen köpfte nach einem Freistoß von Oscar Wendt zur Führung für die Gäste ein, nachdem er das Luftduell gegen Aushilfsinnenverteidiger Gideon Jung gewonnen hatte (23. Minute). Der HSV kam aber noch vor der Pause zurück: Filip Kostic traf ebenfalls per Kopf (36.), die Flanke kam von Dennis Diekmeier. Ja, wirklich, von Dennis Diekmeier.

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Schiedsrichter Deniz Aytekin: Gab am Mittwoch beim Wunder im Camp Nou keine besonders glückliche Figur ab, als er Barcelona-Angreifer Luis Suárez zu viel Glaubwürdigkeit schenkte. Aytekin stand auch in Hamburg früh im Mittelpunkt, als er einen Treffer von Bobby Wood zunächst gab, dann aber nach Rücksprache mit seinem Assistenten die Entscheidung revidierte (27.). Er sorgte damit für Unruhe und Unmut in der Arena, lag aber komplett richtig. Ekdal hatte zuvor im Abseits gestanden. Auch beim Abseitspfiff gegen Holtby (35.) entschied Aytekin korrekt.

Deniz Aytekin

Deniz Aytekin

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Rückkehrer des Spiels: Augenreiben beim Blick auf die Aufstellung der Gäste. Josip Drmic stand zum zweiten Mal in dieser Saison in der Startelf, weil Raffael (grippaler Infekt) und Lars Stindl (muskuläre Probleme) ausfielen. Jener Drmic, der in der Rückrunde der Vorsaison an den HSV ausgeliehen worden war, aber nur zu sechs Einsätzen kam, weil eine Knieverletzung ihn stoppte. Hatte seine Chance, diesem Text die Überschrift "Ausgerechnet Drmic" zu geben, verpasste aber in der 29. Minute das möglicherweise vorentscheidende 2:0. Dann eben nicht.

Die zweite Hälfte: Begann mit einer Dreifachchance für den HSV, ohne Erfolg. Die Hamburger pressten in dieser Phase stark, setzten Mönchengladbach schwer unter Druck. Mehr als ein drittes Abseitstor durch Kyriakos Papadopoulos (64.) - wieder alles korrekt - und ein mäßig gefährlicher Flachschuss Gotoku Sakais (75.) sprang aber nicht heraus. Dann kam die 80. Minute.

Die 80. Minute des Spiels: Mönchengladbach schwamm mittlerweile wie ein herrenloses Tretboot mitten auf der Außenalster, war bis zu diesem Zeitpunkt nach der Pause noch ohne eigenen Torschuss geblieben. Nach einer Flanke von Kostic nahm Wood den Ball mit einer beeindruckenden Ruhe an, ließ am Fünf-Meter-Raum Jannik Vestergaard ins Leere rutschen und schoss zum 2:1 ein. Alles unmittelbar vor der Nordtribüne, dem Stehplatzbereich im Volkspark.

Bobby Wood erzielt das 2:1 (80.)

Bobby Wood erzielt das 2:1 (80.)

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa

Erkenntnis des Spiels I: Der HSV bleibt zwar auf dem Relegationsplatz, steht nun aber schon komfortable sieben Punkte vor dem FC Ingolstadt. Als viertbestes Rückrundenteam (13 Punkte) schließen die Hamburger zur Konkurrenz aus Bremen und Wolfsburg auf. Am 25. und 29. Mai 2017 finden die beiden Relegationsspiele statt, unter Umständen zum zweiten Mal in Folge ohne (!) den Hamburger SV.

Erkenntnis des Spiels II: Als im September 2015 André Schubert nach Lucien Favres Fehlstart übernahm, war ihm bescheinigt worden, dem ausrechenbaren und behäbigen Spiel der Gladbacher endlich wieder überraschende und aufregende Elemente hinzugefügt zu haben. Dieter Hecking wurde zuletzt vor allem dafür gefeiert, dass er das oft zu wilde Spiel der Borussen wieder in ein engeres Korsett gepresst habe, dass die Borussia also wieder ein Stück langweiliger und reifer geworden sei. Seltsam, wie das Pendel manchmal zurückschlägt. An diesem Sonntag in Hamburg zu weit.