Hertha BSC Thoms Kampf gegen die Blockade
Berlin - "Meine Aufgabe besteht darin, die Blockade der Spieler im Kopf zu lösen und ihnen wieder Spaß am Fußball zu vermitteln", sagte Thom nach seiner ersten Trainingseinheit. Am Donnerstag hatte der bisherige Co-Trainer der Hertha-Amateure Huub Stevens abgelöst. Bis Weihnachten hat Thom die Verantwortung für das Bundesliga-Team.
In Einzelgesprächen will Thom den Spielern wieder Mut machen. Dazu zählt auch der bei Stevens in Ungnade gefallene Fredi Bobic. "Normalerweise gehört er in den Kader", deutete Thom die Rückkehr des Nationalspielers beim Spiel am Samstag in Dortmund an. Weiterhin fehlen werden Luizao (Leistenprobleme) und Josip Simunic (Grippe).
Bereits zum zweiten Mal springt Thom bei der Hertha als Interimstrainer ein. Im Februar 2002 übernahm er gemeinsam mit Falko Götz die sportliche Leitung, nachdem Trainer Jürgen Röber entlassen worden war. Aus 13 Spielen holte das Duo neun Siege und schaffte den Sprung auf Platz vier. "Das ist nicht vergleichbar. Jetzt stehe ich voll in der Verantwortung, damals war Falko der Chef", so Thom. Ambitionen auf einen langfristigen Vertrag als Chefcoach macht der Stevens-Nachfolger vorerst nicht geltend: "Das ist jetzt Nebensache."
Lob für Stevens
Für seinen Vorgänger fand der 38-Jährige lobende Worte. "Ich hatte gestern ein interessantes
Gespräch mit Huub Stevens. Er hat mir für meine Aufgabe viel Glück gewünscht", berichtete der dreifache Familienvater. Thom hatte Stevens zuvor per Handy nicht erreicht, daraufhin rief der Niederländer zurück: "Das hätte in seiner Situation nicht jeder gemacht. Ich ziehe den Hut vor ihm."
Trotz der zuletzt katastrophalen Leistungen der Berliner glaubt Thom im Westfalenstadion an eine Chance: "Wir wollen gegen Dortmund einige Nadelstiche setzen. Auch der BVB ist verwundbar." Von seinem Pendant auf der Borussen-Bank hörte er nur lobende Worte. "Andy war ein Super-Fußballer. Im Osten hat er das Schleifen, im Westen die schönen Seiten erlebt. Wenn er es schafft, das zusammenzuführen, kann er ein guter Trainer werden", so Borussen-Coach Matthias Sammer, der gemeinsam mit Thom in der DDR-Auswahl spielte.
1990 war Thom als erster Spieler der DDR legal in die Bundesliga gewechselt: 3,8 Millionen Mark Ablöse zahlte Bayer Leverkusen an Dynamo Berlin. In der DFB-Auswahl hatte der 51-fache DDR-Nationalspieler zehn Einsätze und wurde 1992 Vizeeuropameister. Nach 161 Bundesliga-Spielen für Bayer wechselte der Stürmer 1995 für fünf Millionen Mark Ablöse nach Schottland zu Celtic Glasgow. Im Januar 1998 kehrte er in die Bundesliga zurück und absolvierte für Hertha BSC Berlin noch 51 Spiele. Anschließend begann er dort bei den Amateuren seine Trainer-Laufbahn. Im September erhielt er die A-Lizenz.