Hörster gefeuert Leverkusen holt Augenthaler
Leverkusen - Die Entlassung Hörsters als Cheftrainer bestätigte Bayer-Manager Ilja Kaenzig am Dienstagmorgen. Dies war das Ergebnis eines Treffens der Geschäftsführung der Bayer Fußball GmbH mit dem Gesellschafterausschuss am Montagabend.
Nachfolger wird der 45-jährige Klaus Augenthaler, Weltmeister von 1990. "Ich war schon als Spieler jemand, der nie aufgegeben hat. Wir haben zwei Spiele gegen zwei Gegner, die machbar sind und gegen die wir gewinnen können", sagte er bei seiner Vorstellung auf einer Pressekonferenz in Leverkusen. Der neue Coach wurde mit einem Vertrag bis 30. Juni 2004 ausgestattet, der eine erfolgsabhängige Verlängerungsklausel enthält.
Augenthaler hatte bis zum 30. April den Ligakonkurrenten 1. FC Nürnberg betreut. "Wir wollten Augenthaler sowieso für die neue Saison verpflichten. Jetzt ziehen wir das um zwei Spieltage vor", erklärte Bayer-Geschäftsfüher Reiner Calmund. Der neue Trainer wird am Samstag im Heimspiel gegen 1860 München sein Debüt als Bayer-Chefcoach geben. "Egal ob Hörster oder Augenthaler - es liegt an uns, wir müssen am Samstag als Mannschaft auftreten", kommentierte der an den Folgen einer Kreuzbandoperation laborierende Kapitän Jens Nowotny den erneuten Trainerwechsel. Im möglichen "Endspiel" trifft Leverkusen am 24. Mai pikanterweise auf Augenthalers Ex-Club Nürnberg.
Der Werksclub, der auch mit dem 43-Jährigen Joachim Löw, Ex-Coach des VfB Stuttgart, Verhandlungen geführt hatte, zog die Reißleine, nachdem Hörster nach der 1:4-Pleite beim Hamburger SV eingestanden hatte, er habe "keine Hoffnung mehr und nach dieser Leistung aufgegeben". Udo Lattek, vor kurzem selbst als Retter bei Bayer im Gespräch, lästerte daraufhin: "Wenn ein Trainer so etwas sagt, muss man ihn nicht entlassen, sondern erschießen."
Calmund hatte zuvor einen erneuten Trainerwechsel ausgeschlossen, nachdem am 16. Februar bereits Klaus Toppmöller abgelöst worden war. Nach einer Aussprache am Montag mit Hörster, der ab der kommenden Saison Coach der U19 beim Werksclub werden soll, setzte beim Bayer-Macher aber offenbar ein Umdenken ein. "Wir können es uns nicht erlauben, dass hier Angestellte des Vereins nicht mehr an den Klassenerhalt glauben", kündigte er an. Der vor einem Monat verpflichtete Sportdirektor Jürgen Kohler lehnte es ab, auf den Trainerstuhl zu rücken. Calmund: "Da ist er stur und hat ein Brett vor dem Kopf."
So soll nun Augenthaler den Klassenerhalt sichern. Dazu ist laut Calmund "kein Weltwunder nötig", aber zwei Siege und leidenschaftlicher Fußball: "Ich will keine wunderschönen Solo-Auftritte sehen, ich will Kampf sehen. Es helfen nur noch Leute, die an den Klassenerhalt glauben, mit jeder Faser ihres Körpers."
Hörster hatte erst am 16. Februar den Cheftrainerposten von Klaus Toppmöller übernommen und war lediglich 86 Tage als Coach bei den Bayer-Profis im Amt. Hörster ist in der laufenden Bundesliga-Saison der achte Trainer, der vorzeitig gehen musste. Zuvor waren in dieser Spielzeit Andreas Brehme (1. FC Kaiserslautern), Toppmöller, Hans Meyer (Borussia Mönchengladbach), Wolfgang Wolf (VfL Wolfsburg), Peter Pacult (1860 München), Frank Neubarth (Schalke 04) und Augenthaler beurlaubt worden.