Holland Van Gaal gibt auf
Zeist - Louis van Gaal, 50, hat am Freitag sein Amt als "Bondscoach" beim Königlich Niederländischen Fußball-Bund (KNVB) niedergelegt. Gegen seinen Wunsch muss der frühere Coach von Ajax Amsterdam und des FC Barcelona auch die Funktion als technischer Direktor aufgeben. Diese Arbeit wollte er ursprünglich noch bis zum 30. Juni 2002 ausüben. "Als Bondscoach scheidet er sofort aus, als technischer Direktor zum 1. Februar", erklärte Henk Kesler, KNVB-Geschäftsführer. "Wir wollen nicht, dass van Gaals Geist beim Länderspiel am 13. Februar gegen England über uns schwebt."
"Minimalziel nicht erreicht"
"Wir hatten die Chance, zweimal Weltmeister
und einmal Europameister zu werden. Doch wir haben für die WM 2002
noch nicht einmal das Minimalziel, ein Platz unter den besten acht,
erreicht. Für mich ist heute ein sehr trauriger Tag. Wir alle, die
Spieler und die Betreuer, haben versagt", meinte van Gaal, der vor eineinhalb Jahren den Posten von Frank Rijkaard übernommen hatte, während
einer Pressekonferenz in Zeist.
Natürlich dreht sich das Kandidaten-Karussell für die Nachfolge beim KNVB
bereits auf Hochtouren. In vorderster Reihe werden Ex-Nationalspieler und Ernst-Happel-Schüler Wim van Hanegem sowie der
ehemalige Bundesliga-Trainer des SV Werder Bremen, Aad de Mos,
genannt. Seit neuestem steht auch Huub Stevens (FC Schalke 04) auf
der Liste. Dagegen hat Johan Cruyff bereits definitiv abgesagt. "Ich
habe keinen Nerv mehr, gegen den Strom zu rudern", meckerte Europas
"Fußballer des Jahrhunderts" über die Verbandsstrukturen.
Kritik an Spielern und Medien
"Am Umfeld hat es nicht gelegen. Der Verband und die Sponsoren
haben alles getan, damit wir Erfolg haben konnten", erklärte van Gaal.
Für das Scheitern der Oranjes in der WM-Qualifikation fand der als
Schulmeister kritisierte Sportlehrer doch noch die wahren
Schuldigen: die Spieler. Die Chemie zwischen ihnen und dem
autoritären Coach stimmte nicht.
"Sie wollten es etwas lockerer. Doch ich wollte nichts dem
Zufall überlassen", sagte der Ex-Trainer verbittert. "Ich dachte,
es ist eine Ehre, für Oranje zu spielen. Stattdessen musste ich
nicht nur mit den Clubs, sondern auch mit den Spielern selbst für
eine Freistellung für die Nationalmannschaft verhandeln", klagte
der Amsterdamer.
Kritik übte van Gaal auch an den Medien, von denen er sich nie richtig interpretiert sah. "Bei der
Beendigung des Vertrages haben die schlechten Beziehungen zwischen ihm und den Medien eine Rolle gespielt. Wir waren damit nicht glücklich", so Kesler.
Kontakte zu Bayern
Über van Gaals Zukunft wird bereits heftig spekuliert. Genannt
werden immer wieder Manchester United und - seit kurzem - auch der FC
Bayern München als mögliche neue Arbeitgeber. Es soll im Laufe der
vergangenen Monate schon Kontakte zu beiden Spitzenclubs gegeben
haben. Allerdings: Beim Weltpokal- und Champions-League-Gewinner aus
München steht Ottmar Hitzfeld noch bis 2004 unter Vertrag.