Hooligan-Krawalle Randale in Charleroi
Brüssel/Charleroi - Auf dem Platz Charles II im Stadtzentrum von Charleroi bewarfen sich deutsche und englische Fans mit Plastikstühlen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und erstickte zunächst viele Zusammenstöße im Keim. Als die Situation dann unter Kontrolle schien, zettelten deutsche Hooligans erneut Schlägereien an. Erst gegen 15.30 Uhr konnte die Polizei schließlich für Ruhe sorgen.
131 Personen wurden von den Sicherheitskräften festgenommen. Insgesamt befanden sich bis zu 4000 Fans auf dem Platz, szenekundige deutsche Polizeibeamte waren ständig im Einsatz. Ständig kreisten auch Hubschrauber der Polizei über dem Viertel des Stade du Pays.
Auch in der Nacht zuvor hatte es in Charleroi Randale gegeben. Ein britischer Fan wurde in der Nacht zum Samstag mit einem Messer niedergestochen und schwer verletzt, schwebt nach offiziellen Angaben aber nicht in Lebensgefahr. Bei dem Täter soll es sich um einen Mann türkischer Staatsangehörigkeit gehandelt haben.
Bürgermeister Jacques Van Gompel erhob schwere Vorwürfe in Richtung der englischen Regierung: "Es haben zu viele englische Hooligans Belgien erreicht. Die Kontrollen in England scheinen mir unzureichend." Zwei deutsche Hooligans der Kategorie C seien an die deutsche Grenze zurückgeschickt worden, sagte Van Gompel weiter.
In Charleroi herrschte höchste Alarmstufe, 5000 Briten ohne Eintrittskarten wurden erwartet. Das Viertel um das Stade du Pays wurde hermetisch abgeriegelt, die Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt. Francine Biot, Pressesprecherin der Polizei, kündigte in Charleroi nochmals an: "Wir werden nicht den leisesten Ansatz von Gewalt hinnehmen, wir bleiben bei der Null-Toleranz-Strategie."
Schon bei der Ankunft der Engländer auf dem Brüsseler Bahnhof einen Tag vor dem Vorrundenspiel zwischen Deutschland und England mussten die Sicherheitskräfte einschreiten. In Charleroi hatten die Auseinandersetzungen zunächst harmlos angefangen. Betrunkene englische Fans attackierten einen Autokonvoi, der auf dem Weg in das Stadtzentrum war, mit Bierbechern und Stühlen. Die Belgier stoppten daraufhin, es entwickelte sich eine Schlägerei, die allerdings in kürzester Zeit durch die Polizei beendet werden konnte.
Schon in Düsseldorf hatte die Polizei eine Gruppe von Engländern aufgehalten. Vermutlich wollte die Gruppe weiter in die Niederlande, um von dort aus über die Grenze nach Belgien zum Spiel gegen Deutschland am Samstag einzureisen. Bei den Festgenommenen fand die Polizei niederländische Gulden und Zugfahrkarten nach Amsterdam. Daraufhin verweigerten die deutschen Grenzschutzbeamten der Gruppe die Einreise.
Ausgangspunkt der Auseinandersetzungen in Brüssel war eine Kneipe. Als sich der Besitzer der Gaststätte O'Reilly weigerte, an die Briten Bier auszuschenken, schlugen angetrunkene Hooligans das Lokal kurz und klein. Als die Polizei anrückte, griffen die Briten eine Gruppe von Franzosen an, die den Einzug in das Viertelfinale feierten. Stühle, Tische und Flaschen flogen auf die Straße, die Polizei setzte Tränengas ein. Am Großen Markt im Zentrum wurde ein Belgier niedergestochen, aus dem Kommissariat der Polizei wurde ein Feldlazarett.
Polizeichef Roland van Reusel bestätigte 374 Festnahmen in Brüssel: "40 Fans und zwei Polizisten wurden verletzt. Alle Festgenommenen werden am Montag außer Landes gebracht." Die Einsatzleitung zog noch am Freitag abend Polizisten aus Brügge ab und beorderte sie nach Brüssel. Erst gegen 3 Uhr morgens war die Situation unter Kontrolle. "Es gab eine ernsthafte Bedrohung der öffentlichen Ordnung", bestätigte Brüssels Bürgermeister Francois-Xavier de Donnea.
Die belgische Polizei befürchtete nicht nur Ausschreitungen im 60 Kilometer von Brüssel entfernten Charleroi, sondern vor allem auch Zusammenstöße englischer Hooligans mit türkischen Bewohnern der belgischen Hauptstadt. Bei niederländischen Nachrichtendiensten lagen Hinweise vor, nach denen britische und italienische Hooligans Zusammenstöße mit Türken vereinbart haben.
Bei Krawallen vor dem Uefa-Cup-Halbfinale zwischen Galatasaray Istanbul und Leeds United hatten zwei englische Fans bei Messerstechereien ihr Leben verloren. Beim Uefa-Cup-Finale am 17. Mai in Kopenhagen zwischen Galatasaray und Arsenal London hatten sich englische und türkische Rowdies ebenfalls gewalttätige Auseinandersetzungen geliefert.