Hooligans Alarmstufe eins in der Amsterdam Arena
Herzogenaurach - "Dieses Freundschaftsspiel hat Signalwirkung für das Gelingen der Euro 2000 und auch für die deutsche WM-Bewerbung 2006. Dieses Spiel muss unter Sicherheitsaspekten gelingen. Die Sicherheit darf nicht den Sport dominieren, der Sport darf aber auch nicht von der Gewalttätigkeit dominiert werden. Wir müssen die Gewalt mit allen Maßnahmen bekämpfen", erklärte Dr. Rüdiger Kass, Ministerialdirektor des Bundesinnenministeriums, beim EM-Workshop des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Herzogenaurach.
Kass stellte in diesem Zusammenhang noch einmal klar: "Lens darf sich nicht wiederholen. Lens hat der Bundesrepublik nachhaltig geschadet." Dieser Meinung schloss sich auch DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt an: "Lens hat Auswirkungen für den Deutschen Fußball-Bund gezeigt, die bis heute nicht überwunden sind."
Deshalb soll beim Länderspiel in der mit 50.000 Zuschauen ausverkauften Amsterdam-Arena, für das Alarmstufe eins gilt, erstmals ein verbesserter Sicherheitskatalog greifen, der sich auch während der Euro 2000 bewähren soll. Der Schwerpunkt wird dabei in der Prävention liegen. "Unfriedliche Aktionen gewaltbereiter Fans müssen frühzeitig unterbunden werden", erläuterte Kass.
Dazu wurde "die Verzahnung und Vernetzung von Informationen und der Informationsaustausch grenzüberschreitend anders als in Lens erheblich verbessert", sagte der Ministerialdirektor und fügte an: "Die gewaltbereiten Fans können sich durch polizeiliche Prävention nicht mehr zu sicher fühlen. Sie wissen, die Polizei ist uns auf den Fersen." Insgesamt sind in Deutschland etwa 2700 Gewalttäter registriert, so genannte "Fans" der Kategorie C. Dazu soll es rund 8000 gewaltbereite Anhänger (Kategorie B) geben.
Beim Länderspiel in Amsterdam und während der Euro werden diese Fans von szenekundigen Beamten unter der Leitung der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze (ZIS) begleitet. Zudem wurde in Deutschland eine Änderung des Passgesetzes beschlossen, um potenziellen Gewalttätern die Ausreise zu erschweren oder sie sogar zu verhindern. Dazu gehören Meldeauflagen, Ingewahrsamnahme und Gespräche mit Hooligans.
In Amsterdam wird es außerdem zum ersten Mal ein sogenanntes "Stewarding-System" geben, bei dem sich Fanbeauftragte aus der Bundesliga um die Anhänger kümmern werden. Tickets müssen von den Zuschauern am Spielort sogar persönlich abgeholt werden, um Missbrauch zu verhindern. "Dies sind Maßnahmen, die uns nicht freuen, aber eben ein Teil der Sicherheitsstrukturen sind", erklärte Schmidt.