Hooligans: Welle der Gewalt in Europas Stadien - DER SPIEGEL
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Hooligans Welle der Gewalt in Europas Stadien

Wenige Tage vor dem Uefa-Cup-Rückspiel zwischen Leeds United und Galatasaray Istanbul ist es in Europa zu erneuten Gewalttätigkeit bei Fußballspielen gekommen. In St. Petersburg wurden zwei Fans ermordet, in Bari liegt ein Polizist im Koma.
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Brüssel/Bari/St. Petersburg - Europas Fußball wird knapp acht Wochen vor dem Start der EM-Endrunde in Holland und Belgien erneut von zwei Todesfällen bei Fanausschreitungen erschüttert. In Russland kamen zwei Fans des Erstligisten Zenit St. Petersburg bei Krawallen vor und nach dem Punktspiel gegen Dynamo Moskau (0:1) ums Leben, nachdem erst vor zwei Wochen zwei Fans des englischen Premier-League-Clubs Leeds United im Vorfeld des Uefa-Cup-Matches beim türkischen Meister Galatasaray Istanbul erstochen worden waren.

In St. Petersburg erschossen Hooligans einen Anhänger der Gastgeber mit einer Leuchtpistole. Das zweite Opfer wurde zu Tode geprügelt. Bei den Krawallen erlitten neun weitere Personen schwere Verletzungen.

Die Welle der Gewalt setzte sich auch in Italien und beim EM-Co-Gastgeber Belgien fort. Auf dem Apennin liegt ein Polizist nach Ausschreitungen nach dem Serie-A-Spiel zwischen AS Bari und US Lecce (3:1) im Koma und ringt mit dem Tod. Der 40 Jahre alte Beamte war am Bahnhof in Bari von einem Aschenbecher aus Eisen am Kopf getroffen worden, den ein "Ultra" aus Lecce geworfen hatte. Auch beim italienischen Drittliga-Derby zwischen Ancona und Ascoli kam es zu Ausschreitungen. Um die Kämpfe zwischen den rivalisierenden Gruppen zu beenden, musste die Polizei Tränengas einsetzen. Dabei wurde ein Tifoso schwer am Kopf verletzt. Bereits am Samstag war es in der Serie A nach dem 3:3 zwischen AC Florenz und Lazio Rom zu Krawallen gekommen. Anhänger aus Florenz hatten dabei eine ungefähr 1000 Mann starke Polizeikette durchbrochen und gegnerische Fans mit Steinen beworfen.

In Belgien lieferten sich nach dem Erstligaspiel zwischen Spitzenreiter RSC Anderlecht und AA Gent über 200 Rowdies aus dem Umfeld der Gastgeber Straßenkämpfe mit der Polizei, bei denen neun Personen schwer verletzt und zwölf Krawallmacher verhaftet wurden. In Brüssel war nach dem 1:2 gegen Gent der Frust Anderlechter Anhänger über die erneut vergebene Chance des Tabellenführers auf den vorzeitigen Gewinn des 25. Meistertitels Auslöser der gewalttätigen Auseinandersetzungen. Trotz der Krawalle sieht die belgische Regierung, die im Gegensatz zu Holland die Gesetze und Strafenkataloge während der EM nicht verschärfen wird, keineswegs beunruhigt dem Großereignis entgegen. "Belgien ist für die EM vorbereitet. Es gibt keinen Grund besorgt zu sein, wir haben alles im Griff", sagte Olivier Marens, Pressesprecher des belgischen Innenministeriums.

Sicherlich habe es in der vergangenen Woche einige kleinere Probleme gegeben, aber das Innenministerium würde nicht auf jeden kleinen Zwischenfall reagieren. Der für die EM zuständige Sicherheitschef habe sich aber unmittelbar nach den Ausschreitungen in Anderlecht mit den betroffenen Beamten zusammengesetzt und die Situation analysiert. "Die Erfahrungen werden in die aktuellen Vorbereitungen eingearbeitet", betonte Marens.

Belgien sei laut Marens seit Jahren ein Vorreiter, wenn es darum gehe, Unruhestifter sofort aus dem Verkehr zu ziehen. Ein spezielles Gesetz erlaubt es den Exekutivebeamten, auch ohne gerichtlichen Beschluss Rowdies für einige Stunden in Gewahrsam zu nehmen. Von dieser Maßnahme werde vor allem während der EM noch konsequenter Gebrauch gemacht werden, sagte Marens.

Unterdessen hat Galatasaray Istanbul eigene Sicherheitsvorkehrungen für die Reise zum Uefa-Cup-Rückspiel am Donnerstag in Leeds getroffen. Eine elfköpfige Anti-Terror-Einheit der türkischen Polizei schützt in England das Team, das nach den Todesfällen vor dem Hinspiel Racheakte englischer Hooligans befürchtet. Die Uefa hatte aus Sicherheitsgründen schon am Freitag angeordnet, dass Galatasaray ohne eigene Fans anreisen muss. Allerdings werden in Leeds zahlreiche im europäischen Ausland lebende Türken zur Unterstützung des nationalen Rekordmeisters erwartet.