Hoyzer-Prozess Freispruch, Gefängnis oder neues Verfahren
Hamburg - "Auf den Ausgang möchte ich nicht wetten", sagte Oberstaatsanwalt Hartmut Schneider von der Bundesanwaltschaft. Er hatte die Verfehlungen Hoyzers im Wett- und Manipulationsskandal als "Gaunerei" bezeichnet und einen Freispruch im Revisionsverfahren gefordert. Er hatte seine Argumentation auf ein BGH-Urteil von 1961 gestützt, bei dem es um Pferdewetten ging.
Damit war er nicht nur bei DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger auf Unverständnis gestoßen. Ein Freispruch wäre "ein Schlag ins Gesicht für alle ehrlichen Menschen", sagte der promovierte Jurist an der DFB-Spitze. "Das wäre beschämend. Damit würden die Jugendlichen in die Orientierungslosigkeit geführt."
Auch der Sportausschussvorsitzende des Bundestages, Peter Danckert, sprach sich gegen einen Freispruch aus. "Das wäre ein ganz schlechtes Signal. Es würde suggerieren, dass alles ein strafloser Jugendstreich war", sagte der SPD-Politiker. "Ich wette, dass Hoyzer nicht mit einem Freispruch davonkommt."
Prozessbeobachter halten einen Freispruch auch für den unwahrscheinlichsten Ausgang. Falls das Urteil des Berliner Landgerichts bestätigt würde, müsste Hoyzer für zwei Jahre und fünf Monate in Haft. Drahtzieher Ante Sapina müsste für zwei Jahre und elf Monate ins Gefängnis. Sapinas Brüder und der ehemalige Schiedsrichter Dominik Marks sowie der frühere Profi Steffen Karl waren mit Bewährungsstrafen davongekommen.
Es ist durchaus möglich, dass der Bundesgerichtshof Verfahrensfehler feststellt und das Verfahren wieder ans Berliner Landgericht zurückverweist. Dann muss der Fall vor einer anderen Kammer neu aufgerollt werden.
bri/sid/dpa