HSV - Bochum: Treueschwüre am Tabellenende - DER SPIEGEL
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HSV - Bochum Treueschwüre am Tabellenende

Auch nach der 0:3-Niederlage im Abstiegsduell beim HSV hält der VfL Bochum an Trainer Ralf Zumdick fest.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Ich bin immer dafür, am Trainer festzuhalten, zumal Zumdick keine Schuld an der jetzigen Situation trifft", meinte Präsident Werner Altegoer am Sonntag in der Sendung "Doppelpass" des DSF. Allerdings schließt der allmächtige VfL-Boss offenbar nicht aus, dass der Coach von sich aus den Rücktritt anbietet.

"Ich habe nach dem Spiel noch nicht mit ihm gesprochen. Wenn er sagen würde: Mir fehlt die Argumentation, ich komme nicht an die Mannschaft ran, dann muss ich dem Rechnung tragen. Fakt ist, dass er ein Trainer ist, der seine Pflicht tut. Zumdick hat es verdient, dass man fair mit ihm umgeht", meinte Altegoer, der seit seiner Amtsübernahme 1993 mit dem VfL zwei mal ab- und dreimal wieder aufgestiegen ist.

"Die Anspannung muss bleiben"

Derlei Sorgen haben die Hamburger nach dem Befreiungsschlag vorerst ad acta gelegt. Dennoch setzte Werner Hackmann das Team weiterhin unter Druck. "Die Anspannung muss bleiben, der Abstand zu den Abstiegsplätzen ist kaum geringer worden", sagte der Vorstandsvorsitzender, noch ehe der Fanjubel über den Sieg verklungen war.

Doch wer wollte den 31.827 Zuschauern im Volksparkstadion die Freude verdenken. Acht Niederlagen in den vergangenen neun Bundesligaspielen hatten eine sportliche Krise heraufbeschworen, der klare Erfolg gegen den völlig überforderten Tabellenletzten stärkte natürlich auch die Position des angeschlagenen Trainers Frank Pagelsdorf. Nach dem Sieg lief der Coach in die Fankurve und bedankte sich mit einem artigen Diener für die lautstarken Ovationen.

"Ich habe auch viele Unkonzentriertheiten gesehen

Auch dies war allerdings nur ein kurzer Gefühlsausbruch, dann mahnte Pagelsdorf vor ungerechtfertigter Euphorie: "Wir haben viel Druck gemacht, aber ich habe auch viele Unkonzentriertheiten gesehen. An der Leistung der zweiten Halbzeit gibt es noch viel zu verbessern."

Genau dies hatten auch seine Spieler erkannt. "Unsere Situation ist nach wie vor nicht besonders rosig", meinte Torwart Jörg Butt, und Mittelfeldspieler Niko Kovac kam im wahrsten Sinne des Wortes auf den Punkt: "24 haben wir, 40 brauchen wir zum Klassenerhalt. Wenn man Tabellen lesen kann, verbietet sich ein Blick nach oben Richtung Uefa-Cup."

"Typisch, dass nach drei Toren alles zusammengebrochen ist"

Hätten die Hanseaten nach dem Seitenwechsel weiter ernst gemacht, die einstmals "Unabsteigbaren" aus Bochum wären in der Tat einem Debakel nur schwerlich entronnen. VfL-Kapitän Peter Peschel, mit Abstand auffälligster Akteur der Gäste, stand die Angst vor einer noch höheren Niederlage auch nach dem Abpfiff ins Gesicht geschrieben: "Das war wieder typisch für uns, dass nach drei Toren alles zusammengebrochen ist."

So blieb es bei drei HSV-Treffern durch Anthony Yeboah (16.), Butt per Foulelfmeter (34.) und Sergej Barbarez (38.). Bochums Trainer Ralf Zumdick fand die laue Vorstellung seiner Truppe "spielerisch noch okay", nur habe man eben "in den entscheidenden Situationen versagt". Mehr Realitätssinn bewies der 42-Jährige bei seiner Tabellenanalyse: "Zumindest ist noch keine Entscheidung gegen uns gefallen, auch unsere Mitkonkurrenten Cottbus, Stuttgart und Unterhaching haben schließlich verloren."


HSV - VfL Bochum 3:0 (3:0)
1:0 Yeboah (16.)
2:0 Butt (34., Foulelfmeter)
3:0 Barbarez (38.)
HSV: Butt - Hertzsch, Hoogma (84. Fukal), Ujfalusi - Groth, Kovac, Barbarez (70. Meijer), Hollerbach - Mahdavidkia (58. Präger), Yeboah, Heinz
VfL Bochum: van Duijnhoven - Reis - Milinovic, Bemben, Fahrenhorst (46. Sundermann) - Colding, Peschel, Schindzielorz, Freier - Buckley, Drincic (65. Covic)
Schiedsrichter: Strampe (Handorf)
Zuschauer: 31.827
Gelbe Karten: Groth (2) - Schindzielorz (4), Milinovic (2), Fahrenhorst (2), van Duijnhoven, Covic