Krisenklub HSV Bitte absteigen
Neuer HSV-Coach Labbadia: Vom Konzepttrainer zum Feuerwehrmann
Foto: AP/dpaDer Fußballtrainer Peter Hermann gilt als einer der anerkanntesten Fachleute in der Bundesliga. Als loyaler Trainer-Assistent von Jupp Heynckes war er dafür mitverantwortlich, dass Bayern München vor zwei Jahren das Triple gewann. Er war in Leverkusen und auf Schalke als Co-Trainer tätig, hat mit beiden Vereinen an der Seite seiner Chefcoaches in der Champions League gearbeitet. Jeder Verein in der Liga wäre froh, ihn in seinem Stab zu haben.
Beim Hamburger SV ist Hermanns Engagement seit Mittwoch beendet. Nach nicht einmal drei Wochen im Amt.
Die Trennung von dem gerade erst für einen sechsstelligen Betrag verpflichteten Co-Trainer mag nur ein Detail sein in dieser von Chaos, Peinlichkeiten und Niedergang reichen Geschichte des Hamburger SV in dieser Spielzeit. Aber es sagt viel darüber, wie orientierungslos dieser Verein agiert, wie bar jeder Nachhaltigkeit, jeder Struktur.
Am Sonntag hat Sportvorstand Dietmar Beiersdorfer noch ausgeschlossen, dass es in dieser Spielzeit einen erneuten Trainerwechsel geben wird, den dann dritten in dieser Saison. Drei Tage später gilt das nicht mehr. Weil beim Hamburger SV ohnehin nichts zu gelten scheint, was gestern noch als vereinbart galt.
Es hat nicht geklappt. Wieder nicht.
Das alles ist nicht neu, der Verein mäandert seit Jahren zwischen Anspruch und Realität, das Führungspersonal wechselt ständig, Kontinuität hat in Hamburg seit zehn Jahren nicht mehr geherrscht. Seit Jürgen Klopp, der Mann, der heute die Schlagzeilen bestimmt, 2008 seinen Trainerjob in Dortmund angetreten hat, hat der HSV bis heute 13 Trainer durchlauferhitzt. Dreizehn.
Die Trainerlösung Thomas Tuchel - das wäre eine gewesen, mit der man das Wort Nachhaltigkeit hätte verbinden können. Aber dieser über Wochen kolportierte Flirt ist am Mittwoch mit dürren Worten beendet worden. An wem es auch immer lag: ob am Verhandlungsungeschick des HSV, an dem in der Vergangenheit schon die Verpflichtungen von Matthias Sammer und Urs Siegenthaler gescheitert sind, oder an Tuchel selbst, an dessen Bedingungen und an dessen taktischem Zögern, ist letztlich unerheblich. Es ist nur bezeichnend, dass es wieder nicht geklappt hat.
Mit dem Duo Dietmar Beiersdorfer und Peter Knäbel haben viele HSV-Fans große Erwartungen verknüpft. Endlich schien eine Seriosität einzukehren, eine gewisse Ruhe, und, man mochte es gar nicht zu hoffen wagen, auch eine gewisse personelle Stabilität. All das ist durch den Aktionismus der vergangenen Wochen zunichte gemacht worden. Knäbel hat in seinen zwei Trainerwochen geradezu stümperhaft agiert und viel an Renommee im Verein eingebüßt. Und Beiersdorfer hat, wenn man ehrlich Bilanz zieht, bislang nichts besser gemacht als seine Vorgänger.
Jetzt also Bruno Labbadia, dessen Wandlung vom Konzepttrainer zum Feuerwehrmann ihn als den tatsächlich zum HSV passenden Coach werden lässt. Die Pointe des Ganzen wäre, wenn er jetzt auch noch wider alle Umstände mit dieser zuletzt so demoralisierten Truppe den Klassenerhalt schaffen würde. Irgendwie, egal wie.
Es wäre das Schlimmste, was dem HSV passieren könnte.
Im Video - Dietmar Beiersdorfer zur Situation beim HSV: