HSV Der Traum geht weiter
Turin - Nach dem völlig überraschenden 3:1 (1:0) beim italienischen Rekordmeister Juventus Turin hat der in der Champions League zuvor fast aussichtslos abgeschlagene Fußball-Bundesligist urplötzlich wieder den Fuß in der Tür zum weiteren Millionenspiel. "Wir haben uns ins Leben zurückgeholt", jubilierte HSV-Sportchef Holger Hieronymus nach der turbulenten Partie gegen die auf neun Spieler reduzierten Italiener. "Jetzt kommt es gegen La Coruna zu einem echten Endspiel." Für Abwehrspieler Ingo Hertzsch stand gar fest: "Das war der größte Sieg des HSV seit dem Neuaufbau unter Trainer Pagelsdorf."
Schon das 4:4 im Hinspiel vor sechs Wochen hatte für Furore gesorgt. Diesmal lieferten die Italiener die dicksten Schlagzeilen. Denn der verdiente Erfolg in dem mit 30.000 Zuschauern nur halb gefüllten Stadion "Delle Alpi" durch Tore von Roy Präger (24.), Anthony Yeboah (48.) und Andrej Panadic (62.) hatte in erster Linie zwei Namen: Zinedine Zidane und Edgar Davids. Die Platzverweise gegen die zur absoluten Weltelite zählenden Turiner - Rot für den Franzosen, Gelb-Rot für den Niederländer - hatten "Juve" ins Verderben gestürzt. Grimmig titelte die italienische Sportzeitung "Gazzetto dello Sport": "Zidane und Davids versenkten Juve".
Vor allem der brutale Kopfstoß des Fußball-Ästheten Zidane gegen den am Boden liegenden Bewacher Jochen Kientz (29.) sorgte für Entsetzen. Kientz: "Der hat die ganze Zeit gehalten und gestoßen. Der war völlig entnervt." Bereits im Spiel gegen Athen hatte sich der französische Welt- und Europameister einen Platzverweis eingehandelt. Als Wiederholungstäter dürfte für ihn das Kapitel Champions League in dieser Saison beendet sein. Um lästigen Fragen zu entgehen, flüchteten beide Sünder durch den Lieferanteneingang des Stadions und verschwanden in einer dunklen Nobelkarosse.
Den ersten HSV-Sieg in der Fußball-Königsklasse (Stürmer Marcel Ketelaer: "Darauf können wir uns etwas einbilden") erkauften sich die Hamburger allerdings sehr teuer. Mittelfeldstratege Niko Kovac musste schon nach 17 Minuten wegen eines Muskelfaserrisses im linken Oberschenkel vom Platz - vier Wochen Pause. Der von Zidane attackierte Kientz erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Jochbeinprellung - mindestens eine Woche Pause. Trainer Frank Pagelsdorf: "Die Freude ist getrübt. Wir haben eh schon genug Probleme. Nun müssen wir noch mehr improvisieren." Dem HSV fehlen bereits Rodolfo Cardoso, Martin Groth, Milan Fukal, Bernd Hollerbach und Andreas Fischer.
Falls die Hamburger am 8. November im Volksparkstadion die Abschlusspartie der Gruppe E gegen den bereits für die Zwischenrunde qualifizierten spanischen Meister Deportivo La Coruna gewinnen, können sie tatsächlich noch in die Zwischenrunde der Champions League einziehen. Allerdings sind die Hanseaten auf Schützenhilfe angewiesen: Um Zweiter zu werden, muss die andere Partie zwischen Panathinaikos Athen und Juventus remis ausgehen. Sportchef Werner Hackmann wäre jedoch auch mit der "kleinen Lösung" zufrieden. "Den dritten Platz haben wir selbst in der Hand. Es wäre toll, wenn wir noch im Uefa-Cup weiterspielen könnten."