HSV - Haching Hanseatische Blödheit
Hamburg - "Wir sind anscheinend zu blöd, ein 1:0 über die Zeit zu bringen", stellte Trainer Frank Pagelsdorf fest. Zum dritten Mal in Folge nach den Remis gegen den VfB Stuttgart und bei Eintracht Frankfurt vergaben die Hanseaten im Abstiegskampf gegen einen direkten Kontrahenten einen wichtigen Drei-Punkte-Erfolg.
Diesmal musste Pagelsdorf ("Offensiver geht es kaum noch") mit ansehen, wie Jan Seifert (79.) dem HSV zwei Zähler raubte, als er nach einem der schon obligatorischen Deckungsfehler des HSV im Anschluss nach einer Ecke zum Ausgleich abstaubte. Torjäger Sergej Barbaraz hatte erst drei Minuten zuvor das Hachinger Abwehrbollwerk mit seinem 18. Saisontreffer geknackt. "Es ist sehr traurig, wir haben wieder eine große Chance verpasst", sagte der Bosnier, "aber ich erzähle ja jede Woche das Gleiche."
"Es war kein Tempo drin"
Erstmals ließ sich auch der HSV-Vorstandsvorsitzende Werner Hackmann zu einer öffentlichen Kritik hinreißen: "Es war kein Tempo drin, und wir haben spielerisch nicht gezeigt, was wir können. Jetzt müssen wir weiter gegen den Abstieg kämpfen. Den Kampf habe ich aber heute bei einigen Spielern nicht gesehen."
Erik Meijer ("Weihnachten ist erst im Dezember, diese vielen Geschenke brauchen wir nicht zu verteilen") warf nach dem Spielende voller Frust seine Trinkflasche durch den Kabinengang. "Hoffentlich spielen wir das nächste Mal grottenschlecht und gewinnen dafür", meinte der Angreifer: "Ich mache mir große Sorgen, dass wir vor dem Auswärtsspiel in Cottbus noch nicht genug Punkte haben." Denn was am vorletzten Spieltag in der Niederlausitz im Abstiegskampf los sein kann, weiß auch der Niederländer. Und zum Saisonfinale kommt Bayern München ins Volksparkstadion.
"Fahrlässig, wenn wir uns auf die anderen verlassen"
"Es wäre fahrlässig, wenn wir uns auf die Ergebnisse der anderen verlassen", sagte Pagelsdorf. Denn nicht an jedem Spieltag wird es so sein, dass die direkte Konkurrenz im Tabellenkeller ebenfalls Punkte verliert, auch wenn Barabarez noch einmal betonte: "Zum Glück gibt es noch ein paar andere, die noch schlechter oder noch dümmer spielen als wir."
So konnten sich die Gäste aus dem Süden auch wegen der anderen Ergebnisse besonders über das Remis bei einem, so Trainer Lorenz-Günther Köstner, "weitaus stärkeren Gegner" freuen: "Das lässt uns die Chance, aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen", sagte Köstner, der sich am Montag über seine Vertragsverlängerung bei der SpVgg äußern möchte.
"Wir haben unsere Linie verloren"
"Wir haben unsere Linie verloren und zu sehr durch die Mitte gespielt", bemängelte Pagelsdorf das planlose Anrennen gegen die engagiert verteidigenden Gäste, die sich teilweise mit neun Feldspielern um den eigenen Strafraum versammelten und auf Konterchancen lauerten. "Es geht in unserer Situation nicht mehr um spielerische Qualität", hat Erik Meijer erkannt. Eine Lösung hat der Niederländer aber auch nicht: "Ich habe keine Ahnung, woran es liegt, dass wir nicht mehr gewinnen können."
HSV - SpVgg Unterhaching 1:1 (0:0)
1:0 Barbarez (76.)
1:1 Seifert (79.)
HSV: Butt - Hertzsch, Ujfalusi, Panadic - Groth (57.
Präger), Kovac, Hollerbach - Barbarez - Mahdavikia, Meijer, Heinz
(57. Yeboah)
Unterhaching: Tremmel - Strehmel - Herzog, Seifert, Hirsch -
Haber, Zimmermann, Schwarz (78. Oberleitner), Spizak (66. Grassow)
- Bugera (75. Rraklli), Breitenreiter
Schiedsrichter: Krug (Gelsenkirchen)
Zuschauer: 36.115
Gelbe Karten: Hollerbach (5/3), Ujfalusi (4), Barbarez (5/4)