HSV-Krise: Spekulationen um Doll-Ablösung - DER SPIEGEL
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HSV-Krise Spekulationen um Doll-Ablösung

Der Wind dreht sich: Nach der neuerlichen Pleite des Hamburger SV in der Champions League gerät nun auch der bisher noch verschonte Trainer Thomas Doll in die Kritik. Eine Zeitung meldet, Doll stehe kurz vor der Ablösung. Die Vereinsführung zeigt sich empört.
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Hamburg - Das gestrige 1:3 (1:0) beim FC Arsenal konnten Wohlmeinende wieder einmal als Schritt nach vorn für den Hamburger SV deuten. In Führung gegangen beim favorisierten Premier-League-Club durch das Traumtor von Rafael van der Vaart, gut gekämpft und nach dem Ausgleich der Engländer lange das Unentschieden gehalten. Doch weil am Ende die fünfte Champions-League-Niederlage des kriselnden Bundesligisten im fünften Spiel stand, wird sie wieder nur die bestärken, die bei den Norddeutschen ein Trainerproblem ausmachen.

Nach einem Bericht der "Sportbild" sehen das mittlerweile auch die Vereinsverantwortlichen so. Das Blatt meldet, alle Treuebekenntnisse zu Doll seien nur noch eine Farce. Der Trainer stehe beim HSV vor dem Aus und sei darüber durch die Führung des Clubs bereits offiziell in Kenntnis gesetzt worden. "Da ist gar nichts dran", erklärte jedoch Dietmar Beiersdorfer vor dem Anpfiff in London. "Beschämend" und gar "abartig" nannte der Sportchef den Bericht.

Doch auch die "Bild"-Zeitung, die Doll in die vergangenen Krisenwochen immer verteidigt hatte, legt heute nach. "Doll - 600.000 Euro. Trennung und Abfindung schon geklärt". Im Text wird dann aufgelöst, dass diese Vereinbarung schon vor einem Jahr getroffen wurde, als der Vertrag des Coaches bis 2008 verlängert wurde. "Auch hier zeigt sich, wie gut das Verhältnis zwischen Trainer und Verein ist, Theoretisch würde es auch in dem Fall (einer Trennung; d. Red.) keine Differenzen geben" zitiert das Blatt HSV-Vorstand Bernd Hoffmann. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) kommt ausgerechnet der große FC Bayern in die AOL-Arena. Bei einer weiteren Niederlage würde aus der Theorie womöglich Praxis werden.

Der Trainer selbst gab sich am Tag danach jedoch alles andere als fatalistisch. Doll bat seine Spieler direkt nach der Ankunft in Hamburg zum Training, um die Aufmerksamkeit sofort wieder auf den Abstiegskampf zu lenken. Aus London werde man "ein paar positive Dinge mitnehmen", sagte Doll. Auch die Profis gaben sich mutig. "Wenn wir immer so als Einheit spielen, dann ist das in Ordnung", sagte Abwehrspieler Bastian Reinhardt, der seinen Vorderleuten zwei Tage zuvor noch die Bundesligatauglichkeit abgesprochen hatte. "Das war eine klasse Leistung, die erste Halbzeit war das Beste, was ich beim HSV erlebt habe."

Lob gab es zudem vom Gegner, in persona Jens Lehmann. Der Arsenal-Torwart erklärte, dass der HSV "nicht absteigen" werde, "dafür sind die zu gut", so der DFB-Keeper, der in der 4. Minute den Schuss von van der Vaart in den Winkel hatte fliegen sehen. "Normalerweise hätten sie ein Unentschieden verdient gehabt", so Lehmann. Applaus gab es auch von Arsenal-Trainer Arsène Wenger. "Die haben sich geweigert, das Spiel zu verlieren", staunte der Franzose. "Ihre Leistung war sehr viel besser als in ihrer Liga. Sie waren richtig stark."

Und für alle, die bei Thomas Doll psychische Abnutzungserscheinungen zu beobachten glauben, hatte Verteidiger Reinhardt dann auch noch einen Satz parat. "Der hat ein dickes Fell, kann was wegstecken."

goe/dpa

FC Arsenal - Hamburger SV 3:1 (0:1)
0:1 van der Vaart (4.)
1:1 van Persie (52.)
2:1 Eboué (83.)
3:1 Baptista (88.)
FC Arsenal: Lehmann - Eboué, Touré, Senderos, Clichy - Hleb (81. Baptista), Fabregas, Flamini, Ljungberg (74. Walcott) - van Persie (70. Adebayor), Henry
Hamburger SV: Wächter - Benjamin, Reinhardt, Mathijsen, Atouba (67. Ljuboja) - Wicky (87. Lauth), van der Vaart - Mahdavikia (46. Feilhaber), Trochowski, Fillinger - Sanogo
Schiedsrichter: Larsen (Dänemark)
Zuschauer: 59.962 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Clichy, Henry, Hleb, Senderos / Fillinger, Sanogo, van der Vaart, Benjamin

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