HSV-Misere: Echte Kerle gesucht - DER SPIEGEL
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HSV-Misere Echte Kerle gesucht

Ailton sollte den Hamburger SV in die Champions League schießen. Jetzt fällt der Stürmer lange aus. Doch das ist nicht das einzige Problem von Trainer Thomas Doll. Die in der Hinrunde noch so sichere Defensive bröckelt plötzlich, und Probleme um das liebe Geld gibt es auch.
Von Pavo Prskalo
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Als "beste Lösung" hatten sie ihn angekündigt. Er selbst war "richtig heiß", wieder in der Bundesliga spielen zu dürfen. Doch Ailtons Freude ist gewichen. Die seines Arbeitgebers auch. Zwei Spiele war der Brasilianer ohne Tor geblieben, im dritten brach er sich in einem Zweikampf mit Hanno Balitsch von Hannover 96 den Unterkiefer. "Die Diagnose hat sich bestätigt, Ailton wird uns acht Wochen fehlen", sagte HSV-Pressesprecher Jörn Wolf SPIEGEL ONLINE. Teamarzt Gerold Schwartz spricht sogar von neun bis zehn Wochen Pause. Der Stürmer wurde heute bereits in Hamburg operiert.

"Wenn ich daran denke, dass uns Toni sechs oder acht Wochen fehlt - das ist eine Sache, die mir Sorgen macht", sagt Trainer Doll, der nach der 2:1-Niederlage in Hannover von einem "Scheiß-Abend" sprach. Durch die Verletzung scheint das Ende vom Ailton beim HSV zum Saisonende besiegelt. Der 450.000 Euro teueren Leihgabe von Besiktas Istanbul wird in der Schlussphase der Meisterschaft zu wenig Zeit bleiben, um die Verantwortlichen von einer Weiterverpflichtung überzeugen zu können. Sollte Lukas Podolski im Sommer vom 1. FC Köln nach Hamburg kommen, sinken seine Chancen auf Null.

Doch Ailton ist derzeit nicht die einzige Sorge von Coach Doll. Mittelfeldspieler Rafael van der Vaart, überragender Hamburger in der Vorrunde, wird noch Wochen fehlen. Zudem schwächelt die Abwehr. Neun Gegentreffer nur musste der HSV in der Vorrunde hinnehmen, was die beste Abwehr der Liga bedeutete. In den drei Spielen der Rückrunde waren es schon fünf, vier davon durch gegnerische Stürmer. Mitverantwortlich dafür ist auch Dolls Wunschspieler Nigel de Jong. Den Zugang von Ajax Amsterdam packte der Trainer nach nur einer Trainingseinheit in die Startelf gegen Nürnberg (1:2), dazu noch auf die wichtige Position vor der Verteidigung. Der sonst dort ansässige Raphael Wicky ist verärgert.

Fragt man Doll nach den zuletzt schwachen Leistungen seines Teams, reagiert er genervt. "Wir haben uns nie als Bayern-Jäger gesehen, und wer Meister wird, ist mir völlig wurscht", erklärt er und beeilt sich zu versichern: "Was wir wollen, ist der internationale Wettbewerb."

Doch derzeit ist der HSV höchstens Bundesliga-Durchschnitt. Einzig Sergej Barbarez ragt aus der Elf hervor. Er ist der einzige gefährliche Stürmer (8 Saisontore). Naohiro Takahara und Benjamin Lauth treffen alles - nur das gegnerische Tor nicht. Gute Argumente also für Barbarez, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. "Ich will bleiben, der Verein will mich. Nur leider spiegelt dies sich nur in Gesprächen, nicht im neuen Vertrag wider", klagt der 34-Jährige (2,3 Millionen Euro Jahresgehalt bisher). Um 20 Prozent will der Club das Gehalt reduzieren.

30 Prozent weniger sollen es bei Routinier Stefan Beinlich, der in den beiden nächsten Partien wegen eines Muskelfaserrisses ausfallen wird, sein. "Hier sollte nicht nach dem Alter, sondern nach Leistung gegangen werden. Und dafür liegen wir finanziell viel zu weit auseinander", so der 34-Jährige, der bisher 1,3 Millionen Euro pro Saison verdient. Sparen bei den Alten, um Geld für neue Spieler auszugeben. Das stinkt den Kickern. Nun hat der Verein auch noch die Fühler nach Alexander Hleb vom FC Arsenal ausgestreckt. Um den Weißrussen zu kaufen, wären rund zehn Millionen Euro fällig.

War der HSV in der Vorrunde noch ein verschworener Haufen, muss vor allen Dingen Doll nun aufpassen, dass die Mannschaft nicht abstürzt. "Wir sind momentan in einer wichtigen Phase, in der wir das, was wir uns in der Hinrunde erkämpft haben, nicht leichtfertig verspielen dürfen", erklärt der 38-Jährige. Schon im Heimspiel gegen Mainz am Samstag will er bei seinen Spielern die Leidenschaft aus der Vorrunde wieder sehen: "Wir müssen gegen Mainz beweisen, dass wir echte Kerle sind und uns nicht beim ersten Gegenwind zurückwerfen lassen."

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