Rücktritt von Huub Stevens "Ehrlich gegen sich selbst"
Das letzte Wort, das Huub Stevens als Trainer der TSG Hoffenheim sprach, ging beinahe unter. "Tschüss", sagte der Niederländer ungewohnt leise, als er sich schon vom Podium im Trainingszentrum des Bundesligisten erhoben hatte.
Dann verließ der 62-Jährige den Raum - und damit die große Fußball-Bühne. Stevens hatte wegen Herzrhythmusstörungen nicht nur seinen Job beim Tabellenvorletzten niedergelegt, sondern parallel dazu erklärt, nicht mehr als Profitrainer arbeiten zu wollen.
"Man muss ehrlich gegenüber sich selbst sein", sagte er. Der zuletzt schnell aufgebrachte Stevens wirkte ausgesprochen ruhig, war aber wohl auch aufgewühlt. Mehrmals standen ihm die Tränen in den Augen. "Ja, ich denke schon", entgegnete der Trainer auf die Frage nach dem Ende seiner Karriere, ehe er hinzufügte: "Schade, dass der Knurrer nicht mehr da ist." Journalisten hatten Stevens vor Jahren als "Knurrer von Kerkrade" getauft, weil er oft mürrisch und schlecht gelaunt wirkte.
Zwölf Jahre lang war Stevens in der Bundesliga aktiv, Hoffenheim war sein sechster Klub in Deutschland. Nach einer erfolgreichen Zeit beim FC Schalke 04 (1996-2002), mit dem Revierklub wurde er Uefa-Cup-Sieger und gewann zwei Mal den DFB-Pokal, hatte er sich in den Jahren danach zu einem Spezialisten für schwierige Fälle entwickelt. Zwei Mal rettete er den VfB Stuttgart vor dem Abstieg.
Rosen wirkt mitgenommen
Bei seiner Abschiedsrede wurde Stevens von Alexander Rosen flankiert. Der Direktor Profifußball der TSG hatte wie der Trainer rotunterlaufende Augen, als er das Podium im Presseraum betrat. Rosen wirkte mitgenommen, offenbar hatten die vorangegangenen Stunden viel Energie gekostet.
Huub Stevens: Vom Jahrhundertrainer zum Feuerwehrmann
Um 10 Uhr hatte Stevens Rosen von seiner Entscheidung unterrichtet. Bei einer Untersuchung an der Universitätsklinik in Heidelberg war am Montag eine Herzrhythmusstörung diagnostiziert worden. Eventuell muss sich der Niederländer einer Operation unterziehen. Stevens war sofort klar, mit Hoffenheim nicht mehr weiter gegen den Abstieg ankämpfen zu können. "Ich kenne die Situation und weiß, dass man zu 120 Prozent fit sein muss", hatte er mit Blick auf die sportlich prekäre Situation der Hoffenheimer erklärt: "Ich bin das leider nicht."
Unter Stevens hatte die TSG in zehn Bundesligaspielen lediglich acht Punkte geholt, dabei nur einen Sieg gefeiert. Die Vorstellung beim 0:2 am zurückliegenden Sonntag gegen Aufsteiger Darmstadt glich einer sportlichen Bankrotterklärung. Längst wurde darüber debattiert, ob der Tabellenvorletzte noch einmal einen Trainerwechsel vornehmen sollte, um den Abstieg verhindern zu können.
Nagelsmann muss früher ran
Drei Tage vor dem wichtigen Spiel bei Werder Bremen übernehmen zunächst die Co-Trainer Alfred Schreuder sowie Armin Reutershahn die Betreuung der Mannschaft - in Bremen dürfte aber bereits Julian Nagelsmann auf der Bank sitzen und sein Bundesligadebüt geben. Der A-Jugendtrainer der Hoffenheimer sollte den Job als Profi-Cheftrainer ab Juli übernehmen, jetzt wird er schon in Bremen zum jüngsten Bundesliga-Trainer der Geschichte. Kein leichtes Debüt bei sieben Punkten Rückstand auf Platz 15.
Trotzdem kommt für Rosen nur die interne Lösung infrage. "Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen, dass ein Trainer von außen kommt", sagte der Manager. Nagelsmann konnte noch nicht offiziell vorgestellt werden, weil er sich gerade in der Endphase der Ausbildung zum Fußballlehrer befindet. Der Kurs an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef endet Anfang März, in Gesprächen mit den Verantwortlichen vom DFB arbeiten die Hoffenheimer an einer Lösung, um den 28-Jährigen schon jetzt als Profi-Trainer installieren zu können.
Als Stevens auf seiner vorerst letzten Pressekonferenz die Bühne des Profifußballs verließ, standen die Spieler, für die er noch am Vortag verantwortlich war, bereits auf dem Trainingsplatz. "Es ist wichtig, dass wir so nah wie möglich an die Normalität herankommen", sagte Rosen: "Wir haben ja keine Alternative, das Spiel am Samstag in Bremen findet in jedem Fall statt." Ohne den Knurrer.