Idole Toni Polsters bitterer Abschied
Mönchengladbach/Salzburg - Mit deutlicher Kritik an seinem Trainer Hans Meyer hat der österreichische Rekord- Nationalspieler Toni Polster seinen plötzlichen Abschied vom Fußball-Zweitligisten Borussia Mönchengladbach begründet."Die Situation ist für mich unerträglich geworden, die Nicht-Nominierung für das Trainingslager in Portugal war der Tropfen, der das Glas zum Überlaufen brachte. Meyer hat mich menschlich sehr enttäuscht, ich werde mich zu wehren wissen", sagte der 35-jährige Torjäger, der am Montag beim österreichischen Erstligisten Austria Salzburg als Neuzugang präsentiert wird.
Nach einer 13 Jahre dauernden Reise durch die europäischen Stadien mit Stationen in Turin, Sevilla, Logrones, Vallecano, Köln und Mönchengladbach landet der populäre Torjäger wieder in seiner Heimat, wo er zuletzt bis 1987 bei Austria Wien unter Vertrag stand. Seine erfolgreichste Zeit erlebte Polster beim 1. FC Köln, wo er Mitte der 90er die Geisböcke mit seinen Toren mehrfach vor dem Abstieg gerettet hat und als Kultfigur gefeiert wurde. Als der FC 1998 abstieg, wechselte der Österreicher zum Erzrivalen nach Möchengladbach, wo den Charmeur aus Wien offensichtlich das Glück verließ. In den letzten Monaten erlebte Polster am Gladbacher Bökelberg die bittersten Stunden seiner Profi-Karriere. Trainer Meyer verbannte den Publikumsliebling gleich nach seinem Amtsantritt im September des vergangenen Jahres auf Reservebank und Tribüne. In Meyers Konzept spielte der "alte Hase" keine Rolle mehr. "Ein Toni Polster braucht mir nichts mehr zu beweisen. Wenn alles normal läuft, wird er bei mir nicht mehr Spielen", sagte Meyer. "Am Mittwoch habe ich im Radio gehört, dass Toni in Gladbach Probleme hat. Dann habe ich ihn angerufen und überzeugt. Ich habe den Eindruck, dass er sich richtig auf die Aufgabe freut", sagte der Salzburger Manager Toni Pichler in einem Interview mit der Kölner Zeitung "Express". "In Salzburg möchte ich mein Lachen wieder gewinnen", sagte Österreichs zweimaliger "Fußballer des Jahres".
Für sein Engagement bis zum Sommer soll der nach Stephane Chapuisat (Schweiz/106 Tore), Bum Kun Cha (Südkorea/98) und Willi Lippens (Niederlande/92) mit 90 Treffern viertbeste Ausländer in der Geschichte der Fußball-Bundesliga einen lukrativen Kontrakt erhalten. Nach Informationen des "Express" erhält Polster, der bis Saionende an Salzburg ausgeliehen wird, rund 300.000 Mark für die restlichen 14 Spiele der Austria.
Ob der Wiener seinen im Sommer wirksam werden Anschlussvertrag über drei Jahre im Management- und Marketingbereich am Gladbacher Bökelberg aufnimmt, scheint derzeit fraglich. "Noch im Dezember hat mir das Präsidium der Borussia versichert, dass ich einen meiner Karriere entsprechenden guten Abschied als Fußballer bekomme. Dieses hat man offensichtlich nicht getan", betonte der Österreicher, der noch in der Ära des nicht mehr amtierenden Präsidenten Wilfried Jacobs verpflichtet wurde und unter der neuen Club-Führung am Bökelberg die Rückendeckung vermisst hat. Polsters Berater Skender Fani: "Im Fußball weiß man nie, was passiert. Wenn Borussia den Toni so offensichtlich nicht mehr haben will, ist fraglich ob dieser Anschluss-Vertrag noch Sinn macht."
Polster wird auf jeden Fall zunächst ohne seine Familie, die weiterhin in Köln wohnen bleibt, in die Heimat zurückkehren und an trainingsfreien Tagen in die Domstadt zurückkehren. Sein neues Domizil in Salzburg wird in den nächsten Monaten das vereinseigene Hotel St. Hubertushof sein.