Instabil Beckenbauer kritisiert Klinsmanns Abwehr
Hamburg - Ratgeber hat Klinsmann in diesen Tagen im Überfluss. Erst hatten ihm die Bundesliga-Manager Uli Hoeneß und Rudi Assauer dazu geraten, seinen Wohnsitz aus Amerika nach Deutschland zu verlegen, dann gab ihm sein Vorgänger Rudi Völler den Rat, es mit dem Experimentieren nicht zu übertreiben. Gestern meldete sich auch noch Beckenbauer zu Wort und ließ sich über die zuletzt wackelige Defensivabteilung der Nationalelf aus. "Die Abwehr macht wenig Hoffnung. Sie ist nicht stabil genug. Das Problem ist, dass da einer fehlt, der den Laden zusammenhält". Ein Tiefschlag für den designierten Abwehrchef Per Mertesacker, der in den beiden jüngsten Testspielen als zentraler Mann noch den besten Eindruck hinterließ.
"Die Abwehr ist zu jung, hat zu wenig Erfahrung. Wir können froh sein, dass wir Oliver Kahn im Tor haben, der den ein oder anderen Fehler noch ausbügelt", sagte der WM-Chef und fügte an: "Wenn du hinten anfällig bist, funktioniert das ganze System nicht." Einen Rat hatte der Weltmeister auch gleich parat: Vielleicht könne einer wie Christian Wörns zur Stabilität beitragen.
Klinsmann will davon nichts wissen und hält weiter an seiner Strategie fest. Auf den Dortmunder hat der Bundestrainer beim Konföderationen-Cup bewusst verzichtet, um jungen Spielern wie Robert Huth, Per Mertesacker und Arne Friedrich die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen und Spielpraxis zu sammeln.
Entsprechend wird Klinsmann, der die Messlatte bewusst hoch gelegt und den Turniersieg als Ziel ausgegeben hat, bis zum Duell mit Australien auch sein Hauptaugenmerk auf die Stabilisierung der Vierer-Abwehrkette legen. Zudem sollen viele Gespräche in den nächsten Tagen dazu beitragen, die Abstimmung und das Stellungsspiel zu verbessern.
"Wir müssen über unser Defensivverhalten reden. Da fehlt es an Cleverness", erklärte Klinsmann-Assistent Joachim Löw. "Wir werden weiter an der Konzentrationsfähigkeit arbeiten. Wir müssen bei Ballverlusten schneller auf Abwehr umschalten. Da müssen wir hellwach und energischer sein", forderte Klinsmann, der an seinem Kurs festhalten wird: "Wir werden dennoch einige Dinge ausprobieren. Wir haben die Hoffnung, die Fehler minimieren zu können."