Inter-Legende Zanetti: "Lothar Matthäus hat mir gefallen" - DER SPIEGEL
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Inter-Legende Zanetti "Lothar Matthäus hat mir gefallen"

Javier Zanetti ist Italiens Verteidiger 2007 - vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool spricht der argentinische Rekordnationalspieler mit SPIEGEL ONLINE über seine Treue zu Inter Mailand, Bayern-Verteidiger Martín Demichelis und seine jüngste Leidenschaft - das Singen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Herr Zanetti, Sie sind in Argentinien geboren, leben seit 13 Jahren in Italien und besitzen die Pässe beider Länder: Wo fühlen Sie sich mehr zu Hause?

Zanetti: Argentinien ist meine Heimat, da bin ich geboren, aber seit ich in Italien bin, hat man mich immer so behandelt, dass ich mich wie zu Hause fühle. Man hat mich mehr als herzlich aufgenommen, was für einen Ausländer sehr wichtig ist. Für mein erstes Spiel 1995 bin ich mit nur einer Plastiktüte eingereist, in der meine Fußballschuhe waren.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie Inter seither nie verlassen?

Zanetti: Weil ich mich von Anfang an in diesem Verein sehr wohl gefühlt habe. Mir gefiel sofort die respektvolle Philosophie des Präsidenten Massimo Moratti und dass dieser Verein vor allem anderen eine Familie ist. Ich hatte viele Angebote wichtiger Mannschaften, aber wenn ich sie auf die Waagschale legte, hat Inter immer gewonnen, vor allem wegen der Herzlichkeit der Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Kapitän, Aushängeschild, Garant in der Nationalmannschaft, viele Titel - alles Dinge, die Sie und Paolo Maldini vom AC Mailand gemeinsam haben. Haben Sie beide mehr gemeinsam oder trennt Sie mehr?

Zanetti: Maldini hat eine herausragende Karriere gemacht und ich empfinde sehr viel Achtung für ihn. Ich kenne Paolo auch persönlich und finde, er hat alle Erfolge verdient, die er in seiner Karriere gehabt hat. Es ist wahr, dass wir uns in vielen Dingen ähneln und mit Paolo Maldini verglichen zu werden, das ist für mich etwas sehr Schönes.

SPIEGEL ONLINE: Schön dürfte für Sie auch der Blick auf die Tabelle der Serie A sein, Inter ist mit elf Punkten Vorsprung vor dem AS Rom Tabellenführer. Ist die Meisterschaft schon gesichert?

Zanetti: Den Titel zu gewinnen ist immer sehr schwierig, da viele Mannschaften auf hohem Niveau spielen. Die italienische Meisterschaft ist so schwierig, da man kann sich auf Nichts verlassen. Das sieht man ja auch am AC Milan (5. mit 21 Punkten Rückstand). Ich glaube, dass wir im vergangenen Jahr eine tolle Saison hatten und die Tatsache, dass die anderen Mannschaften durch Strafpunkte wegen des Manipulationsskandals einen Nachteil hatten, macht keinen Unterschied. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie besser als die anderen ist. Nach all diesen Jahren, in denen wichtige Erfolge von anderen erzielt wurden, holt sich Inter nun all die Dinge, die es in der Vergangenheit nicht gewinnen konnte.

SPIEGEL ONLINE: So zum Beispiel die Champions League? Heute Abend treffen Sie im Achtelfinale auf den FC Liverpool (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Zanetti: Eine Mannschaft wie Liverpool hat sehr viel Erfahrung in der Champions League. Das wird also ein kompliziertes, schwieriges Spiel, aber ich glaube, dass Inter die Fähigkeit besitzt, dieses Hindernis zu bewältigen.

SPIEGEL ONLINE: Sie erleben den italienischen Fußball aus nächster Nähe. Was sagen Sie zu dessen Krise?

Zanetti: Leider sind hier Dinge geschehen, die niemand gerne sieht. Fußball ist in erster Linie ein Sport, wo man Spaß haben sollte, wo man mit der Familie hingeht, um eine Veranstaltung zu sehen. Das ist nicht immer so. Innerhalb und außerhalb des Stadions sind Unfälle passiert, die niemandem gefallen, und ich hoffe, dass sich das ändern mag. Denn wenn man diese Haltung ändern könnte, dann hieße das, dass man den italienischen Fußball verbessern würde, was sehr wichtig wäre.

"Ich habe auch am Tag meiner Hochzeit trainiert"

SPIEGEL ONLINE: Nach einer kurzen Pause spielen Sie wieder im Nationalteam Argentiniens. Was bedeutet Ihnen diese Mannschaft?

Zanetti: Leider bin ich nicht zur WM nach Deutschland mitgekommen, das hätte mir sehr viel bedeutet. Damals war ich sehr überrascht, weil ich zwei Monate zuvor noch Teil der Mannschaft war. Ich weiß nicht, was da geschehen ist, dass ich außen vor blieb. Aber jetzt hatte ich die Möglichkeit, zurückzukommen und bin auch wieder Kapitän meiner Nationalmannschaft. Sie bedeutet mir sehr viel und ich wünsche mir, dass ich noch die nächste WM spielen kann.

SPIEGEL ONLINE: Martín Demichelis war 2006 auch nicht dabei. Was halten Sie von ihrem Nationalmannschaftskollegen, der beim FC Bayern verteidigt?

Zanetti: Ich glaube, dass Martín eine Super-Karriere bei Bayern macht, er ist ein sehr wichtiger Mann für seine Mannschaft und er ist noch sehr jung, sicherlich wird er der Mannschaft noch mehr geben. Auch Javier Pinola vom 1. FC Nürnberg habe ich in Argentinien kennengelernt. Javier hat großes Talent und sein Weg in Deutschland freut mich sehr.

SPIEGEL ONLINE: Schauen Sie oft nach Deutschland? Gibt es deutsche Spieler, die sie bewundern?

Zanetti: Lothar Matthäus hat mir immer gefallen, seine Art wie er spielte, weil er ein Kämpfer ist, der auf seine Weise eine glänzende Karriere gemacht hat.

SPIEGEL ONLINE: Wird man als Champion geboren?

Zanetti: Man wird mit einer Begabung geboren und dann muss man auch das Glück haben, die entstandenen Träume verwirklichen zu können. Und wenn man ein Champion geworden ist, sollte man immer versuchen, sich weiterhin zu verbessern.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind 34 Jahre alt und leben immer noch so für den Fußball, als wären sie 20. Haben Sie ein Geheimnis?

Zanetti: Der Kopf regiert den Körper, also geht alles vom Kopf aus. Ich bin 34 und ich fühle mich gut, körperlich und mental. Ich trainiere gern hundertprozentig, um voll und ganz im Dienst der Mannschaft zu stehen und ich glaube, dass das das Geheimnis ist.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Frau Paula erzählt, daß Sie auch am Tag Ihrer Hochzeit trainiert hätten. Vor und nach der Eheschließung. Ist das wahr?

Zanetti: Ja, das ist wahr, aber nur danach, vorher nicht! In der Zeit als wir geheiratet haben, da ging die Meisterschaft dem Ende zu und ich folgte einem speziellen Trainingsprogramm, das ich in Argentinien fortsetzen wollte, also habe ich zuerst geheiratet und bin danach Laufen gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben vergangenes Jahr ein überraschendes Duett mit Mina, vergleichbar mit Italiens Hildegard Knef, auf deren neuer CD "Todavia" eingespielt. Wie kam es dazu?

Zanetti: Da war ich selbst erstaunt, denn ich wusste nicht, dass Mina Inter-Fan ist. Als ihr Sohn mich bat, mit seiner Mutter zu singen, da war das eine wunderbare Überraschung. Ich singe sehr gern und mit jemandem wie Mina zu singen, die sehr bekannt ist und von allen Italienern geliebt wird. Das ist, wie wenn sich einen Traum erfüllt.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vertrag läuft bis Juni 2010. Was planen Sie danach?

Zanetti: Vielleicht kann ich noch ein paar Jahre dranhängen. Was dann kommt, haben Paula und ich noch nicht entschieden. Ob wir nach Argentinien zurückgehen oder in Italien bleiben? Ich glaube, dass uns beide Möglichkeiten gefallen. Also werden wir wohl hin und her fliegen (lacht).

Das Interview führte Antje Luz

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