Interview "Leverkusen ist stärker als wir"
SPIEGEL ONLINE:
Leverkusen hat das letzte Spiel in der Champions League in Moskau und zuletzt sein Heimspiel gegen Bundesliga-Schlusslicht Rostock verloren. Sie müssten beruhigt nach Deutschland fliegen können, Herr Inácio?
Augusto Inácio: Wir haben beim 1:1 gegen den Tabellen-Fünfzehnten aus Alverca ja auch nicht gewonnen. Außerdem sind die Spiele in der Champions League von ganz anderer Intensität als die in den nationalen Ligen. Ich glaube nicht, dass es in Leverkusen einfach wird. Im Gegenteil: Ich halte Bayer für eine sehr starke Mannschaft, sie sind leistungsfähiger als wir.
SPIEGEL ONLINE: Seit Samstag aber muss Leverkusen auf seinen torgefährlichsten Spieler verzichten: Ulf Kirsten. Er fällt auch für das Spiel gegen Ihre Mannschaft aus.
Inácio: Aber deswegen wird Leverkusen nun nicht mit zehn Spielern, sondern immer noch mit elf antreten. Ein anderer wird an Kirstens Stelle spielen. Möglicherweise ändern sie deswegen ihre Taktik.
SPIEGEL ONLINE: Wie könnte dieser Strategiewechsel aussehen?
Inácio: Manchmal spielen sie mit einem System, bei dem sie viele Spieler nach vorne bringen. Wenn sie dabei auf eine schnelle gegnerische Mannschaft treffen, kann ihre Abwehr durch Konter überrascht werden. Kassieren sie dann ein Tor und drohen zu verlieren, bringen sie einen zusätzlichen Stürmer. In jedem Fall werden wir enorm unter Druck stehen.
SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie dem entgegenzusetzen?
Inácio: Wenn wir intelligent spielen und schnell kontern, können wir sie vielleicht überraschen. Insgesamt aber müssen wir verhindern, dass Leverkusen sein kraftvolles Spiel entwickelt und das Match früh entscheidet. Je länger wir das Vertrauen in unsere Leistung bewahren, desto schneller braucht der Gegner vielleicht nicht seine Kräfte, aber sein Selbstvertrauen auf - physisch ist uns Leverkusen überlegen.
SPIEGEL ONLINE: Beim 2:2-Unentschieden gegen Real zum Auftakt der Champions League als auch gegen Alverca offenbarte Ihre Mannschaft in der Tat körperliche Schwächen in der zweiten Halbzeit.
Inácio: Neben den durchtrainierten EM-Teilnehmern - wie Ricardo Sá Pinto, João Pinto, Dimas Teixeira und Paulo Bento - stehen andere Spieler, die praktisch erst seit Beginn dieser neuen Saison wieder trainieren und spielen. Es gibt also große physische Unterschiede in der Mannschaft. Aber sobald wir ein einheitliches Niveau erreichen, wird Sporting wieder eine starke Mannschaft sein. Momentan ist das noch nicht der Fall.