Interview mit Andreas Hinkel: "Ein ganz großes Ding" - DER SPIEGEL
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Interview mit Andreas Hinkel "Ein ganz großes Ding"

Er ist einer der Shootingstars der diesjährigen Bundesligasaison und hat entscheidenden Anteil am Höhenflug des Tabellenzweiten VfB Stuttgart. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Andreas Hinkel über den Reiz der Champions League und seine Abneigung gegen Freundschaftsspiele.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Hinkel, am Samstag werden Sie erstmals als Gast im ZDF-Sportstudio sein. Sind Sie schon aufgeregt?

Andreas Hinkel: Nein, wieso sollte ich? Solche Auftritte gehören zum Geschäft, genauso wie der Kontakt mit den Fans oder die Sponsorentermine. Die ZDF-Einladung ist aber natürlich ein ganz großes Ding.

SPIEGEL ONLINE: Für Sie läuft es diese Saison ohnehin sehr gut. In der Bundesliga ist Stuttgart Zweiter, Ende März wurden Sie erstmals in den Nationalmannschaftskader berufen. Was wäre für Sie ein krönender Abschluss dieser Serie?

Hinkel: Keine Frage, das wäre natürlich ein Platz in der Champions League. Einen internationalen Wettbewerb zu erreichen, ist das Minimalziel.

SPIEGEL ONLINE: Käme die Champions League für die unerfahrene Stuttgarter Mannschaft nicht zu früh?

Hinkel: Wenn wir uns auf dem zweiten Platz festsetzen und damit in der Champions League spielen dürfen, haben wir uns das verdient. Je eher wir auf so einem hohen Niveau spielen, desto besser ist das für uns. Wir lernen dazu und werden noch stärker.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie nicht trotzdem, dass die Belastung zu hoch wäre?

Hinkel: Wir haben UI- und Uefa-Cup gespielt und hatten die ganze Saison englische Wochen. Die Champions League ist auch nichts Anderes. Bei internationalen Spielen muss man immer ans Limit gehen. Wir haben keine Angst vor der Zukunft.

SPIEGEL ONLINE: Bislang galt die Belastung durch den UI-Cup vor der Saison als hinderlich für eine erfolgreiche Spielzeit. Warum spielt der VfB dennoch so konstant gut?

Hinkel: Wir sind mit einer positiven Einstellung in den UI-Cup gegangen und haben den Wettbewerb als Möglichkeit gesehen, uns gut auf die Bundesliga vorzubereiten. Im Unterschied zu Testspielen gegen Kreisligisten sind die Spiele im UI-Cup ein wirklicher Anreiz. Über diese Partien hat sich die Mannschaft eingespielt und gefunden.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Trainer Felix Magath will mit dem VfB in zwei Jahren Deutscher Meister werden. Halten sie das für realistisch?

Hinkel: Er hat viel Erfahrung. Wenn er das sagt, denke ich, dass es möglich ist. Er setzt als Verantwortlicher die Ziele. Ich bin noch viel zu jung, um solche Äußerungen zu tätigen.

SPIEGEL ONLINE: In Hamburg, Bremen oder Nürnberg wurde Magath "Quälix" oder "Saddam" genannt. Welchen Spitznamen haben ihm die VfB-Spieler verpasst?

Hinkel: Es gibt keinen, wir sagen einfach nur Trainer. Klar, Magath trainiert hart, da braucht man nicht lang herumreden. Aber das ist positiv für unsere Mannschaft. Das sieht man ja. Das Training ist optimal ausgelegt für die ganze Saison. Konditionell sind wir dem Gegner oft überlegen, wenn es in die entscheidende Phase geht. Zudem haben wir es gepackt, weil wir mannschaftlich geschlossen aufgetreten sind.

SPIEGEL ONLINE: Der VfB ist mit rund 17 Millionen Euro verschuldet. Die guten Leistungen der jungen Spieler wecken Begehrlichkeiten zahlungskräftiger Clubs. Befürchten Sie, dass die Mannschaft auseinanderbricht?

Hinkel: Das glaube ich nicht. Die jungen Spieler wissen, was Sie am VfB haben. In Stuttgart können sie spielen und sich beim Aufbau einer starken Mannschaft einbringen. Das sollte in jungen Jahren im Vordergrund stehen. Ich fühle mich hier sehr wohl und würde gerne meinen Vertrag über 2005 hinaus verlängern. Aber die Gespräche mit dem Verein dauern noch an.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Spielmacher Krassimir Balakow beendet im Sommer seine Karriere. Haben Sie einen Spieler, der ihn adäquat ersetzen könnte?

Hinkel: Ich weiß nicht, ob man Krassimir durch einen anderen Spieler ersetzen kann. Vielleicht müssen wir das auch als gesamte Mannschaft ausgleichen. Es gibt nicht mehr so viele Spielgestalter wie ihn.

SPIEGEL ONLINE: Der Einsatz Ihres Mannschaftskollegen Kevin Kuranyi in der DFB-Elf wurde öffentlich lange gefordert. Ärgert es Sie, dass Ihre Leistungen nicht entsprechend gewürdigt werden?

Hinkel: Überhaupt nicht. Ich freue mich für Kevin und bin zufrieden damit, wie es momentan bei mir läuft. Ich bin kein Typ, der gerne in der Öffentlichkeit steht.

Die Fragen stellte Johannes Kopp

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