Interview mit Bert Trautmann "Wie ein Flugzeugzusammenstoß"
Frage: Herr Trautmann, wie geht es heute Ihrem Hals?
Trautmann: Ach, die spanische Sonne tut meinen Knochen gut. Aber trotzdem kann ich den Kopf nicht mehr so weit drehen wie vor der Verletzung.
Frage: Nervt es, auf dieses Spiel reduziert zu werden?
Trautmann: Früher mehr als heute. Die Leute sagen: 'Ich kenne Sie. Sie sind der Torwart, der sich das Genick gebrochen hat.' Meine Güte, habe ich gedacht, das bleibt nun von 15 Jahren und über 600 Spielen für ManCity.
Frage: Aber Ihre Leistung im Pokalfinale gegen Birmingham liefert nun mal Stoff für Mythen.
Trautmann: Natürlich, allein der Rahmen. Wembley war das Höchste im Fußball. Der unglaubliche Rasen, die Tradition. Als ich einmal das Stadion besichtigte, dachte ich: Einmal hier spielen dürfen! Und bei meinem zweiten Finale dort pralle ich mit Peter Murphy zusammen, das war wie ein Flugzeugzusammenstoß!
Frage: Warum haben Sie weitergespielt? Hatten Sie keine Schmerzen?
Trautmann: Und wie! Aber ich war nicht mehr bei Bewusstsein, habe wie im Nebel die Spieler nur noch schemenhaft wahrgenommen. Später habe ich im TV gesehen, wie ich ein paar Bälle gehalten habe, aber auch drei, vier Mal zusammengebrochen bin.
Frage: Sie sind auf der Insel noch immer unheimlich populär. Es gibt sogar eine Stiftung mit Ihrem Namen. Worum geht es da?
Trautmann: Wir wollen junge Deutsche und Briten zusammenbringen. In den fünfziger und sechziger Jahren gab es einen viel regeren Austausch, denken Sie an die Schülerländerspiele in Wembley oder Berlin. Meine Foundation will das wiederbeleben. Dafür setze ich mich gerne ein.
Frage: Die WM liefert den idealen Rahmen für solche Begegnungen. Werden Sie nach Deutschland kommen?
Trautmann: Ich fahre am 8. Mai zunächst zum Wiedersehen mit den 56er-Jungs, dann am 13. zum FA-Cup-Finale nach Cardiff. Zur WM hat mich die Stadt Baden-Baden eingeladen, die ja auch das englische Team beherbergt.
Die Fragen stellte Broder-Jürgen Trede