Interview mit Boris Becker "Wir gewinnen 2:1"
Am Mittwoch werden Sie dem FC Bayern beim Finale in Mailand wie vor zwei Jahren in Barcelona auf der Tribüne die Daumen drücken. Sind Sie als Zuschauer sehr nervös und wagen Sie einen Tipp?
Boris Becker:
Ich bin ein leidenschaftlicher Fan des FC Bayern, denke
schon jetzt jede freie Minute an dieses Endspiel. Natürlich bin ich nervös, aber wir gewinnen 2:1.
Als ehemalige Nummer eins der Tennisprofis haben Sie selbst große Siege, aber auch schmerzhafte Niederlagen erlebt. Welche Rolle kann der Albtraum von Barcelona in den Köpfen der Bayernprofis spielen?
Becker: Jeder erfolgreiche Sportprofi geht im Laufe seiner Karriere durch Höhen und Tiefen. Erlebnisse wie in Barcelona machen den Profi mit Charakter noch stärker. Die meisten Bayern-Spieler spüren noch immer den Schmerz, das macht sie für dieses Endspiel noch ehrgeiziger, motivierter und konzentrierter.
In Barcelona saßen Sie beim Bankett am Tisch der Spieler und trauerten mit Ihnen. Würden Sie bei einem Erfolg dieses Mal auch mit den Spielern den Schampus aus dem "Pott" trinken?
Becker: Natürlich - und er würde verdammt gut schmecken.
Sie sind seit einem Jahr nicht nur Bayern-Fan, sondern auf Wunsch von Franz Beckenbauer auch Mitglied im Verwaltungsbeirat. Wie würden Sie Ihre Funktion selbst beschreiben?
Becker: In erster Linie bin ich ein interessierter Zuhörer, schließlich bin ich der Jüngste in diesem erlauchten Kreis. Aber hier und da bringe ich meine Erfahrungen als Athlet ein.
Nach dem Einzug ins Finale gegen Real Madrid haben Sie Ottmar Hitzfeld als besten Trainer der Welt bezeichnet. Was fasziniert Sie an ihm?
Becker: Das rechtzeitige Erkennen brenzliger Situationen in der
Mannschaft, die Gabe, die richtige Taktik auszuwählen und die
Fähigkeit, sich auf den Punkt genau konzentrieren zu können - das
findet man in dieser Kombination nur bei ganz wenigen Top-Trainern in
der Welt.
Das Gespräch führte Klaus Bergmann, dpa