Interview mit Christoph Metzelder "Manchmal wird mir schwindelig"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Metzelder, haben Sie Ihren Fehler vom Schalke-Spiel, der zum 0:1 führte, schon verdaut?
Christoph Metzelder: Das hat mich unheimlich gewurmt, ich war auch den ganzen Tag nicht ansprechbar. Ich will das jetzt schnell abhaken und versuchen, solche Fehler nicht noch einmal zu machen.
SPIEGEL ONLINE: Der Start für Dortmund in die neue Bundesliga-Saison war insgesamt nur sehr mäßig. Ist es als Titelverteidiger schwerer geworden?
Metzelder: Als Meister wird man von den anderen Mannschaften schon ganz anders gesehen. Die Motivation, gegen uns zu spielen und die Borussia schlagen zu wollen, ist noch größer geworden.
SPIEGEL ONLINE: Am Dienstag geht aber erst einmal die Champions League los. Wie sehen Sie da die Dortmunder Chancen?
Metzelder: Wir wollen besser als vergangenes Jahr abschneiden und diesmal die zweite Gruppenphase erreichen. Finanziell ist das für den Verein ein Muss und für die sportliche Entwicklung der Mannschaft extrem wichtig. Die Champions League gibt neben der Nationalmannschaft jedem Spieler die Möglichkeit, sich mit den besten Spielern der Welt zu messen.
SPIEGEL ONLINE: Zum Start spielen Sie gleich beim englischen Meister Arsenal London. Wie wollen Sie deren Klassestürmer Thierry Henry und Dennis Bergkamp stoppen?
Metzelder: Henry ist natürlich wegen seiner Schnelligkeit sehr gefährlich und Bergkamp unheimlich routiniert. Entscheidend ist, dass man solche Spieler nicht alleine ausschalten kann.
SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von Ihren beiden anderen Gruppengegnern, dem PSV Eindhoven und AJ Auxerre?
Metzelder: Eindhoven schätze ich sehr stark ein. Von den Namen in unserer Gruppe her ist es vielleicht einfach, weiterzukommen. Aber wer in der Champions League spielt, ist gefährlich und ein starker Gegner.
SPIEGEL ONLINE: Für viele Spieler ist die Champions League eine gute Bühne zur Selbstdarstellung. Wie sehen Sie das?
Metzelder: Ich habe in Dortmund einen Vertrag bis 2005. Solange will ich auf jeden Fall hier bleiben. Im Hinblick auf meine Entwicklung sehe ich keinen Grund, vom BVB wegzugehen.
SPIEGEL ONLINE: Lockt Sie auch Turin nicht? Juventus soll bei Ihnen angefragt haben.
Metzelder: Ein Wechsel käme viel zu früh. Ich bin noch nicht bereit, so einen Schritt zu vollziehen. Der BVB hat eine sehr junge Mannschaft. Hier wird etwas für die Zukunft aufgebaut, ich sehe mich als Teil dieses Projekts.
SPIEGEL ONLINE: Ihr ehemaliger Teamkollege, Weltmeister Jürgen Kohler, glaubt sogar, dass Sie in seine Fußstapfen treten könnten. Wie schwer ist es, mit dem Erwartungsdruck umzugehen?
Metzelder: Wenn man sieht, was Jürgen alles erreicht hat, ist es natürlich sehr schwer, nur in die Nähe von dem zu kommen. Ich werde an ihm gemessen, das ist ganz normal. Die Fans haben mich als seinen Lehrling gesehen. Trotz aller Konkurrenz hat er mir aber immer sehr geholfen. Man sollte aber die Kirche im Dorf lassen, Jürgen hat in Dortmund ein Lebenswerk hinterlassen.
SPIEGEL ONLINE: Ihre bisherige Bilanz kann sich aber auch schon sehen lassen. Nicht jeder hat mit 21 Jahren schon eine herausragende WM gespielt und darf sich Vizeweltmeister nennen.
Metzelder: Manchmal wird mir wirklich schwindelig. Die Sachen, die am Ende der letzten Saison passiert sind, habe ich noch lange nicht verarbeitet. Wenn ich jetzt in der Premiere-Werbung die letzten Momente der deutschen Meisterschaft sehe, bekomme ich noch immer Gänsehaut.
Das Interview führte Markus Meyer