Interview mit Felix Magath "Sieg ist kein Maßstab"
Frage:
Felix Magath, Ihre Mannschaft hat Bayer Leverkusen mit 5:2 vorgeführt und einen Traumstart mit sechs Punkten und 8:2 Toren hingelegt. Wie erklären Sie sich die beängstigende Frühform des FC Bayern?
Felix Magath: Ich sehe den FC Bayern noch nicht in beängstigender Frühform. Das 5:2 ist zwar ein klares Ergebnis, aber dieser Sieg ist kein Maßstab. Uns wurde es heute sehr leicht gemacht. Wir haben gut ins Spiel gefunden und schnell 2:0 geführt. Das passiert aber nicht alle Tage. Dann verkürzte Bayer auf 1:2, hatte Chancen zum Ausgleich. Das 3:1 vor der Pause und das 4:1 nach der Halbzeit haben das Spiel entschieden und wir mussten nicht an unsere Leistungsgrenze gehen.
Frage: Sie gaben dem Iraner Ali Karimi im Mittelfeld den Vorzug vor Sebastian Deisler...
Magath: Nach dem 1:4 im Vorjahr habe ich auf zweikampfstarke Spieler gesetzt, die dagegenhalten. Das tut Ali. Seine Art, offensiv zu spielen, gefällt mir. Er ist ein technisch starker Spieler, beidfüßig, dribbelstark, und er kann schöne Pässe spielen.
Frage: Roy Makaay trifft wie er will, zweimal zum Auftakt gegen Mönchengladbach, jetzt dreimal in Leverkusen, womit er seine Torquote auf 50 in 67 Bundesligaspielen erhöhte. Warum ist er schon jetzt in Superform?
Magath: Weil er erstmals die Vorbereitung von Beginn an mitgemacht hat. Er ist fit und gut drauf, nutzt die Chancen eiskalt wie kein anderer, schaltet schnell, löst sich vom Gegner - er ist eben ein Ausnahmestürmer.
Frage: Der FC Bayern ist jetzt seit elf Bundesligaspielen ungeschlagen und hat dabei 37 Tore geschossen. Wer soll diese Mannschaft auf dem Weg zur 20. deutschen Meisterschaft stoppen?
Magath: Schon im nächsten Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin wird es viel schwerer.
Frage: Aber die Konkurrenz befürchtet einen Durchmarsch des FC Bayern...
Magath: Es wird keinen Durchmarsch geben. Schalke hat gewonnen, der HSV hat gewonnen und Werder wird oben mitspielen, da bin ich sicher. Es wird nicht so kommen, dass wir so nebenbei die Meisterschaft holen. Es wird bis zum Ende der Saison ganz eng. Es sind doch erst zwei Spieltage vorbei.
Aufgezeichnet von Joachim Neußer, sid