Interview mit Holger Stanislawski: "Die letzte Chance" - DER SPIEGEL
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Interview mit Holger Stanislawski "Die letzte Chance"

Vor dem entscheidenden Spiel am Sonntag beim 1. FC Nürnberg spricht Holger Stanislawski, Kapitän des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli, im Interview mit SPIEGEL ONLINE über den Traum vom Bundesliga-Aufstieg.
Von Clemens Gerlach
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Stanislawski, wie nervös sind Sie vor der Partie in Nürnberg? Am vergangenen Sonntag beim Unentschieden gegen Hannover hat der FC ja den ersten Matchball vergeben.

Holger Stanislawski: Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist angespannt, aber optimistisch. Jeder fiebert der letzten Saisonbegegnung von Tag zu Tag mehr entgegen. Man merkt das Kribbeln und, dass jeder heiß ist. Das Schlimmste ist eigentlich, eine ganze Woche auf das Spiel warten zu müssen.

SPIEGEL ONLINE: Am Sonntag gegen 16.45 Uhr hat das Zittern ja ein Ende. Hat der FC St. Pauli dann den Aufstieg geschafft?

Stanislawski: Ich bin Optimist und davon überzeugt, dass wir es schaffen können. Die Chancen stehen 60:40.

SPIEGEL ONLINE: Was stimmt Sie so positiv? Immerhin muss St. Pauli beim Zweitligameister gewinnen, um mit Sicherheit den Sprung nach oben zu schaffen.

Stanislawski: Wir haben gesehen, dass wir jede Mannschaft schlagen können, wenn wir mutig und selbstbewusst spielen. Dann sind wir stark und brauchen uns auch vor Nürnberg nicht zu verstecken. Wenn wir Angsthasenfußball spielen, können wir nichts erben.

SPIEGEL ONLINE: Wird der FC St. Pauli deshalb offensiv in Nürnberg agieren?

Stanislawski: Wir spielen auf Sieg, weil wir gar nicht defensiv spielen können. Jedes Mal, wenn wir das versucht haben, ging das nach hinten los. Wir sind offensiv dieses Jahr die stärkste Mannschaft. In dem Spiel wird es flott hin und her gehen, weil auch Nürnberg sehr offensiv spielen wird. Die wollen den Zuschauern noch einmal etwas bieten. Das wollen wir natürlich verhindern.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie das schaffen? Der "Club" hat seine Krise ja inzwischen überwunden.

Stanislawski: Unsere Chance liegt darin, dass wir über den Willen und die Kampfkraft versuchen, denen gleich den Schneid abzukaufen. Wir haben diese Saison als Mannschaft gut funktioniert. Wenn man, so wie wir, von den Einzelspielern nicht das stärkste Team ist, muss man einfach kompakt und gut auftreten.

SPIEGEL ONLINE: Was ist, wenn St. Pauli am Ende doch scheitern sollte?

Stanislawski: Da wir unser erstes Ziel, den Klassenerhalt, sehr schnell erreicht haben, wäre ich sehr enttäuscht, wenn wir das jetzt noch aus der Hand geben würden. Von den Mannschaften, die noch um den Aufstieg spielen, hätten wir es am meisten verdient. St. Pauli ist einfach Kult für die erste Liga. Da freut sich jeder andere Verein, wenn wir ankommen. Es gibt nie Probleme und Theater, aber immer gute Stimmung.

SPIEGEL ONLINE: Welche Bedeutung hätte für Sie ganz persönlich der Aufstieg?

Stanislawski: Das ist meine letzte Chance, in die erste Liga aufzusteigen. Ich glaube nicht, dass es für mich mit 31 Jahren noch einmal die Möglichkeit gibt, woanders Bundesliga-Fußball zu spielen. Das ist schon ein Kribbeln, am Ende der Karriere noch einmal im ganz großen Fußball dabei sein zu können.

SPIEGEL ONLINE: Die Fans fiebern ebenfalls mit. Über 5000 FC-Anhänger begleiten St. Pauli nach Nürnberg. Am Millerntor-Stadion wird das Spiel live auf einer Videoleinwand übertragen.

Stanislawski: Wir haben einen klaren Ablauf, egal ob wir es schaffen oder nicht. Nach dem Spiel fliegen wir nach Hamburg und fahren dann zum Heiligengeistfeld, weil da mit Sicherheit ein paar Tausend Leute sein werden. Wir werden uns dann von unseren Fans verabschieden, hoffentlich mit einem Sieg. Dann wird es noch eine lange Nacht.

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