Interview mit Joseph Blatter: "Wettskandal ist ein Warnschuss" - DER SPIEGEL
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Interview mit Joseph Blatter "Wettskandal ist ein Warnschuss"

Im Wettskandal hat Fifa-Präsident Joseph Blatter dem DFB sein Vertrauen ausgesprochen. Der Verband tue alles, um den Fall schnell aufzuklären. Grundsätzlich zeigte sich Blatter aber besorgt. Die Manipulationen in Deutschland zeigten klar, dass auch der Fußball keine heile Welt mehr sei.
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Frage:

Herr Blatter, derzeit findet in Frankfurt der Lehrgang der 46 potenziellen WM-Referees statt. Ist der sich international ausweitende Schiedsrichter-Skandal dabei ein großes Thema?

Blatter: Das ist unter den Schiedsrichtern sicher ein Thema. Aber die Fifa hat absolutes Vertrauen in ihre Referees. Wir haben weltweit über 720.000 Schiedsrichter, und in einem Spiel wie Fußball, kann es auch immer wieder ein schwarzes Schaf geben. Deshalb sehe ich keine Probleme für die WM 2006.

Frage: Haben Sie das Gefühl, dass der DFB alles dafür tut, um den Fall lückenlos aufzuklären?

Blatter: Ich habe am Samstag mit den beiden Präsidenten gesprochen und die Unterlagen im Fall Hoyzer einsehen können. Zudem habe ich einen ausführlichen schriftlichen Bericht erhalten. Ich bin auf dem Stand der Dinge. Die Fifa vertraut dem DFB in der Art und Weise, dass er gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Berlin alles dafür tun wird, um reinen Tisch zu machen.

Frage: Wird die Fifa auf Grund der Wett-Affäre eine Kommission gründen oder einen Maßnahmenkatalog erstellen?

Blatter: Am 7. und 8. März bei der Sitzung der Fifa-Exekutive steht das Thema Wetten als der wichtigste Aspekt ganz oben auf der Agenda. Wir brauchen keine Kommission zu gründen, es müssen Daten folgen. Wir brauchen Informationen, falls es bei den Wettverläufen Auffälligkeiten gibt. Für den Fußball ist der Skandal ein Warnschuss.

Frage: Könnte ein grundsätzliches Wettverbot die kriminellen Machenschaften im Zocker-Milieu eindämmen?

Blatter: Ein grundsätzliches Wettverbot ist doch gar nicht möglich. Spieler, Trainer und Schiedsrichter können auch wetten, in dem sie den Vater, die Mutter, Onkel oder Tante zum Wetten schicken. Wir brauchen viel mehr ein Kontrollorgan, dass sofort meldet, wenn es auffällige Bewegungen auf dem Markt gibt.

Frage: Heftig diskutiert wird derzeit die Einführung des Videobeweises. Sie haben sich immer dagegen ausgesprochen. Hat sich ihre Position wegen des Fall Hoyzer in diesem Punkt geändert?

Blatter: Solange ich Fifa-Präsident bin, wird es keinen Videobeweis geben. Der Fußball ist ein Spiel mit menschlichem Gesicht. Ein Spiel mit Menschen und möglichen Irrtümern, seien es Irrtümer von Trainern, Spielern oder Schiedsrichtern. Machen sie doch mal eine Umfrage bei den Fans, die wollen das auch nicht. Wir diskutieren alleine die Torlinien-Technologie. Ein Chip im Ball und eine verdrahtete Torlinie, um zu entscheiden, ob Tor oder nicht.

Das Interview führte Marc Schmidt, sid